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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Haläsa - Halberstadt (Fürstentum).

wohner, Weinbau, ein reformiertes Obergymnasium und ein Bezirksgericht.

Haläsa, im Altertum Stadt auf der Nordküste von Sizilien, 403 von Sikulern aus Herbita gegründet, stand noch unter den Römern, welche dem Orte die Rechte eines Munizipiums und Steuerfreiheit erteilten, in Blüte. Ruinen beim heutigen Tusa.

Halbaffen (Prosimii, hierzu Tafel "Halbaffen"), Ordnung der Säugetiere, die vielfach wegen der Ähnlichkeit in Erscheinung und Lebensweise mit den Affen vereinigt, besser jedoch von ihnen getrennt wird, da die Verwandtschaft mit ihnen in allen übrigen Beziehungen nur gering ist. Die H. haben einen schlanken, schwächlichen Körper mit weichem, wolligem Haarkleid, einen raubtierähnlichen Kopf mit stark hervortretendem Gesicht, große Ohren und sehr große Augen. Das Gebiß steht zwischen dem der Raubtiere und der Insektenfresser. Stets ist ein Schlüsselbein vorhanden. Die vordern Gliedmaßen sind immer kürzer als die hintern; Daumen und große Zehe lassen sich den übrigen Zehen gegenüberstellen, und hierdurch werden, genau wie bei den Affen, die Vorderfüße zu Händen, die Hinterfüße zu Greiffüßen. Der Schwanz dient niemals zum Greifen, was doch bei manchen Affen der Fall ist. Das große Gehirn hat keine Windungen. Am Darm befindet sich stets ein Blinddarm. Meist sind mehrere Paare Zitzen vorhanden, von denen die letzten am Bauch oder in den Weichen stehen. - Die H. sind fast sämtlich Nachttiere, klettern sehr geschickt, aber langsam und ernähren sich von Insekten oder kleinern Wirbeltieren. Die meisten Arten leben auf Madagaskar und den benachbarten Inseln, andre auf den ostindischen Inseln und dem afrikanischen Festland. Fossile Reste sind neuerdings in Frankreich und Nordamerika und zwar in den Eocänschichten gefunden worden; die amerikanischen zeichnen sich durch ein vollständiges, lückenloses Gebiß von 44 Zähnen aus und werden in zwei besondern Familien untergebracht. Die lebenden H., zu denen man auch wohl die gewöhnlich als Insektenfresser betrachteten Pelzflatterer (s. d.) rechnet, bestehen nach Ausschluß dieser Familie aus 13 Gattungen mit nahezu 60 Arten und lassen sich am besten in 3 Familien gruppieren:

1. Familie: Fingertiere (Chiromyidae). An allen Fingern und Zehen, mit Ausnahme der großen Zehen, Krallen; Schwanz lang und buschig. Nur Chiromys madagascariensis (s. Fingertiere). - 2. Familie: Langfüßer (Tarsiidae). Nur die zweite und dritte Zehe mit Krallen, die übrigen mit Nägeln; Fußwurzelknochen stark verlängert; Schwanz sehr lang, dünn behaart. Ähneln in der Lebensweise den Eichhörnchen. Nur Tarsius spectrum, der Koboldmaki (s. d.), auf Sumatra, Borneo und einigen benachbarten Inseln. - 3. Familie: Lemuriden (Lemuridae). Nur die zweite Zehe bekrallt. 11 lebende Gattungen mit über 50 Arten, die gewöhnlich in 4 Unterfamilien gestellt werden; in Afrika, Ostindien und Südchina; fossil in Frankreich. Hierher unter andern: Lemur (Maki, s. d.), Stenops (Lori, s. d.), Arctocebus (Bärenmaki, s. d.) und Galago (Ohraffe, s. d.).

Halbau, Marktflecken im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Sagan, 130 m ü. M., an der Linie Sommerfeld-Liegnitz der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, ein Schloß, Baumwoll- und Damastweberei, Glashütten, Zigarrenfabrikation und (1885) 1219 meist evang. Einwohner.

Halbbaß (Halbviola, deutscher Baß), altes, der Größe und dem Tonumfang nach zwischen Cello und Kontrabaß stehendes, zur Familie der Gamben gehöriges Streichinstrument (s. Viola), behielt seinen Namen auch, als man dasselbe mit vier oder drei (statt wie früher fünf oder sechs) Saiten bezog und im kleinen Orchester zugleich für Cello und Kontrabaß benutzte.

Halbbau, s. Halbpacht.

Halbbauer, s. Bauer, S. 463.

Halbblut, das Produkt der Paarung eines Vollbluttiers mit einem noch nicht veredelten Tier von derselben oder von einer andern Rasse derselben Art. Bei Pferden wird meist nur das Produkt der Kreuzung mit englischem oder orientalischem Vollblut als H. bezeichnet (vgl. Viehzucht).

Halbbrillanten (Brillonetten), Diamanten, welche nur aus dem Pavillon bestehen, deren Unterteil fehlt oder auch wohl durch Glas ersetzt ist.

Halbbruder, s. Halbgeschwister.

Halbbrüderschaft, der namentlich bei den Südslawen übliche kirchlich geweihte Freundschaftsbund zwischen zwei Leuten gleichen Geschlechts, die in keiner Verwandtschaft stehen und sich zu Brüdern oder Schwestern auserkoren haben. Die H. ist für das Leben unlösbar, verpflichtet in weit höherm Grad als die Blutsverwandtschaft zu gegenseitiger Hilfsleistung und Treue und nötigt in den Gegenden, wo im geheimen die Blutrache noch fortbesteht, den überlebenden Teil, den Getöteten zu rächen. Eine Verletzung der Pflichten, welche dieser Bund auferlegt, kommt fast nie vor und würde nach dem Volksglauben vom Himmel selbst bestraft werden. Die Abschließung der H. findet bei den Morlaken gewöhnlich an einem Feiertag, bei den Serben meist am zweiten Ostertag statt und wird, sobald die Einsegnung in der Kirche vorüber ist, mit Schmaus und Tanz und gegenseitigem Beschenken festlich begangen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Sitte der H. bei den Südslawen und Albanesen nicht minder alt als der altnordische und germanische "Ziehbrüderbund" und die sogen. Wahlgevatterschaft auf der Insel Sardinien und in Rußland. Bei den Walachen wie auf Sizilien sind es besonders die Kinder, welche dergleichen Freundschaftsbündnisse schließen. Im mittlern Afrika werden noch heute, wie bei den Völkern des klassischen Altertums, derartige enge Freundschaften männlicher Personen durch gegenseitige Vermischung des Bluts in dazu gemachten Wunden am Arm (sogen. Blutbrüderschaften, s. auch Blutrache) geschlossen.

Halbbürtige Geschwister, s. Halbgeschwister.

Halbdolmen, s. Gräber, prähistorische, S. 584.

Halbdunkel, s. v. w. Helldunkel.

Halbedelsteine, s. Edelsteine.

Halberhabene Arbeit, s. v. w. Basrelief, s. Relief.

Halbermondorden, s. Halbmondsorden.

Halberstadt, seit dem Westfälischen Frieden bis 1807 kurbrandenburg. Fürstentum im niedersächsischen Kreis, umfaßte mit der Grafschaft Regenstein, die 1671 dazu geschlagen wurde, einen Flächenraum von 1820 qkm mit 119,400 Einw. Das Fürstentum H. war aus dem gleichnamigen Bistum (s. unten) entstanden und hatte eine ständische Verfassung. Die Landstände zerfielen in die drei Klassen der Prälaten des Domkapitels zu Halberstadt, der mit adligen Gütern im Land angesessenen Ritterschaft und der Magistrate der drei Hauptstädte H., Aschersleben und Osterwieck. Nachdem das Fürstentum seit 1807 dem Königreich Westfalen angehört hatte, wurde es 1813 an Preußen zurückgegeben und bildet gegenwärtig, mit Ausnahme des zum Mansfelder Gebirgskreis des Regierungsbezirks Merseburg geschlagenen vormaligen Kreises Ermsleben und der zum Kreis Nordhau-^[folgende Seite]