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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Havemann; Haverei; Haverfordwest; Haverhill; Haversische Kanälchen; Havin; Havliček; Havre, Le

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Havemann - Havre, Le.

1870); Mürdter, Generalmajor Sir Henry H. (Stuttg. 1859).

Havemann, Wilhelm, deutscher Historiker, geb. 27. Sept. 1800 zu Lüneburg, studierte in Göttingen die Rechte, wurde aber 1823 in die demagogischen Untersuchungen verwickelt und nach längerer Haft in Berlin 1825 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Köpenick verbüßte. Nach Ablauf der Haftzeit hielt er zu Hannover historische Vorlesungen, wurde dann als Lehrer der Geschichte und der deutschen Litteratur an der Generalstabsakademie in Hannover angestellt und kam zu Ostern 1831 als Lehrer an das Pädagogium zu Ilfeld. Nach der Entlassung der sieben Professoren ward er 1838 als Nachfolger Dahlmanns an die Universität zu Göttingen berufen. Er starb, schmerzlich berührt durch die preußische Annexion Hannovers, 23. Aug. 1869. Von 1841 bis 1848 redigierte er die "Göttinger gelehrten Anzeigen" und wurde 1850 Mitglied der Societät der Wissenschaften. Er schrieb: "Geschichte der Kämpfe Frankreichs in Italien von 1494 bis 1515" (Hannov. 1833-35, 2 Bde.); "Magnus II., Herzog zu Braunschweig und Lüneburg" (Lüneb. 1836); "Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg" (das. 1837-38, 2 Bde.; 2. Aufl., Götting. 1855-57, 3 Bde.); "Elisabeth, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg" (das. 1839); "Handbuch der neuern Geschichte" (Jena 1840-44, 3 Bde.); "Mitteilungen aus dem Leben von Michael Neander" (Götting. 1841); "Geschichte des Ausgangs des Tempelherrenordens" (Stuttg. 1846); "Darstellungen aus der innern Geschichte Spaniens während des 15., 16. und 17. Jahrhunderts" (Götting. 1850); "Das Leben des Don Juan d'Austria" (Gotha 1865) und "Das Kurfürstentum Hannover unter zehnjähriger Fremdherrschaft, 1803-13" (Jena 1867).

Haverei, s. Havarie.

Haverfordwest (spr. häwwerförd-), Hauptstadt von Pembrokeshire (Südwales), am Cleddan ^[richtig: Cleddau], welcher in den Hafen von Milford einmündet und mit der Flut Schiffe von 100 Ton. trägt, ist terrassenförmig an einem Hügel erbaut, hat enge, steile Straßen, ein Rathaus, eine Markthalle, ein Baptistencollege, ein altes Schloß (Gefängnis), litterarisches Institut und (1881) 6398 Einw.

Haverhill (spr. häwwer-), Stadt im NO. des nordamerikan. Staats Massachusetts, am Merrimac, mit großen Stiefelfabriken und (1885) 21,795 Einw. Gegenüber liegt Bradford mit geschätzter Hochschule (Academy) für Damen.

Haversische Kanälchen, s. Knochen.

Havin (spr. awäng), Léonor Joseph, franz. Publizist und Deputierter, geb. 1799 zu St.-Lô, lebte von 1816 bis 1820 mit seinem Vater, der als Königsmörder verbannt war, im Ausland, wurde 1830 Friedensrichter in seiner Vaterstadt und war von 1831 bis 1848 ununterbrochen Vertreter derselben in der Zweiten Kammer, wo er fast immer zur Opposition gehörte. Auch an den Agitationen, welche zur Februarrevolution führten, beteiligte er sich lebhaft. In der Nationalversammlung hielt er sich zur gemäßigten Partei, trat aber, zum Mitglied des Staatsrats ernannt, 20. April 1849 aus. Erst 1863 trat er wieder in den Gesetzgebenden Körper, als Kandidat der demokratischen Opposition doppelt gewählt. Große Dienste leistete er der demokratischen Partei als politischer Direktor des "Siècle", den er 18 Jahre leitete und zu einer der gelesensten französischen Zeitungen machte. Er starb 12. Nov. 1868 in Torigny.

Havliček (spr. -tschek), Karl, böhm. Publizist, geb. 31. Okt. 1831 zu Borovo bei Deutsch-Brod (daher sein Pseudonym Borovsky), studierte in Prag, war dann Hauslehrer in Rußland, später Redakteur der einflußreichen Zeitung "Národni Noviny" in Prag, wo er 1848 sich in der ersten Reihe der Konstitutionellen bemerkbar machte, wurde unter dem Absolutismus in Brixen interniert, von wo er 1855 nach Böhmen zurückkehrte; starb 29. Juni 1856 in Prag. Seine leidenschaftlich sarkastischen Satiren und Epigramme erschienen nach seinem Tod (Prag 1870). H. ist als Schöpfer des neuern publizistischen Stils in der tschechischen Litteratur zu betrachten. Sein Leben beschrieb Tuma (Prag 1883).

Havre, Le (spr. āwr, Havre de Grâce, Gratiae portus), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Niederseine, liegt an der Nordseite des Mündungsbeckens der Seine, an der Stelle ehemaliger Salzteiche am Fuß von Hügeln, welche, ursprünglich nichts als Küstenfelsen, jetzt mit Gärten und Häusern bedeckt sind (s. Plan). Die Stadt ist durch zwei Forts an der Landseite und drei Küstenbatterien befestigt, welche namentlich in den letzten Jahren verstärkt wurden. Der frühere Festungswall ist seit 1854 verschwunden und hat neuen Stadtteilen mit schönen Straßen Platz gemacht. In diesem Jahr wurde auch das Städtchen Ingouville nebst dem größten Teil von Graville und Sanvic mit H. verbunden. Von Ingouville aus, welches sich auf den nördlich gelegenen Hügeln erhebt, übersieht man die ganze in der Ebene gelagerte Stadt und den Hafen, das breite Mündungsbecken der Seine westlich bis zum Cap de la Hève, auf welchem zwei Leuchttürme (je 20 m hoch) errichtet sind, und das immer von Schiffen belebte Meer. Unter den öffentlichen Plätzen und Straßen sind besonders der Platz Ludwigs XVI., die Rue de Paris, die Boulevards Strasbourg und François I und die Kais hervorzuheben. Hervorragende Baudenkmäler gibt es nur wenige. Zu nennen sind: die zu Ende des 16. Jahrh. erbaute Kirche Notre Dame, das Museum (Musée-bibliothèque) mit den davor errichteten Statuen der in H. gebornen Dichter Bernardin de Saint-Pierre und Casimir Delavigne, das 1855 im Renaissancestil erbaute Rathaus, das 1844 erbaute große Theater, das Zollhaus. Der dem letztern nahe gelegene nordwestliche Molo (Jetée du Nord) ist eine beliebte Promenade. H. zählt (1881) 105,540 Einw.

^[Abb.: Situationsplan von Le Havre.]