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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hawai

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Hawai (Archipel) - Hawai (Insel).

in der englischen Sprache statt. Das Unterrichtswesen ist geregelt, der Schulbesuch obligatorisch; es bestehen überall Elementarschulen, nächstdem Sekundärschulen, endlich 3 höhere Schulen (high schools) in Honolulu, Lahaina und Hilo. Schule und Kirche sind getrennt. Man zählte 1884: 29,685 Protestanten und 20,072 Katholiken; die protestantische Mission ist durch 5 Stationen (4 englische, 1 amerikanische) vertreten, die Presse durch 7 Zeitungen (4 in englischer, 3 in hawaischer Sprache). Wichtigste Erwerbszweige sind Ackerbau und Viehzucht (namentlich Rindviehzucht). Gebaut werden in zunehmendem Maß Zuckerrohr (dazu führt man seit 1885 Japaner ein) und Reis. Für Walfischfänger sind die Inseln beliebte Erfrischungsstationen; 1884 verkehrten in den Häfen von H. 23 derselben von 6975 Ton. Der Handel richtet sich vorwiegend nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, mit denen 1876 ein Reciprozitätsvertrag abgeschlossen wurde, wonach die Einfuhr zollfrei ist. Dieselbe betrug 1885: 3,830,544 Doll. (davon drei Viertel aus Nordamerika) und bestand in Manufakten, Eßwaren, Bauholz, Maschinen, Tabak, Eisenwaren, Spirituosen u. a.; die Ausfuhr wertete 9,069,318 Doll., sie bestand in Zucker, Reis, Häuten und Fellen, Wolle, Talg, Kaffee, Bananen u. a. Fast der ganze Handel geht über Honolulu; andre Ein- und Ausfuhrhäfen sind: Kahului, Hilo, Mahukona, Kawaihai. Von dem Gesamtverkehr (1885 liefen 253 Handelsschiffe von 190,138 T. ein) entfallen auf Honolulu 95 Proz.; dort legen die Dampfer der Union Steamship Company (Honolulu-Auckland-Sydney) jeden Monat an, von dort macht die Oceanic Steamship Company zweimal im Monat Fahrten nach San Francisco. Eisenbahnlinien bestehen auf den Inseln H. (40 km) und Maui (11 km), im ganzen 51 km, Telegraphenlinien auf Maui (64 km); Telephonleitungen umgeben Oahu (160 km) und befinden sich auf Hawai (144 km). Die Post beförderte 1883 im internationalen Verkehr 233,272, im internen (in Honolulu) 438,865 Briefe. Münzen eigner Prägung besitzt H. erst seit 1883, in welchem Jahr es für 300,000 Doll. Silbermünzen im Wert eines halben Dollars (Kalakaua-Dollars) in San Francisco prägen ließ. Diese Münzen tragen die Büste König Kalakauas auf der einen, das hawaische Wappen auf der andern Seite. Von allen Umlaufsmitteln sind 50 Proz. des Goldes und 10 Proz. des Silbers nordamerikanischen Ursprungs, auch laufen mexikanische, spanische und südamerikanische Piaster um; im ganzen etwa für 498,000 Doll. in Silber und für 195,000 Doll. in Gold. Dazu kommt noch (Ende 1883) für 335,000 Doll. Papiergeld, das völlig durch Depositen gedeckt ist. Maße und Gewichte sind die der Vereinigten Staaten. Die jährlichen Staatseinnahmen berechnete das Budget für 1884-86 auf 2,334,650, die Ausgaben auf 2,271,843 Doll.; die Staatsschuld betrug 1. April 1884: 898,800 Doll., eine Anleihe von 2 Mill. Doll. für gemeinnützige Arbeiten ist vom Parlament bewilligt worden. Die Zivilliste des Königs bezifferte sich mit Apanagen auf 146,800 Doll. Das Militär zählt nur 75 Reguläre, außerdem 400 Freiwillige (300 Mann Infanterie, 100 Kavallerie); doch kann der König alle Eingebornen zu den Fahnen rufen. Diplomatische Vertreter unterhalten mehrere europäische und amerikanische Staaten in Honolulu, Deutschland hat dort einen Konsul. Über die Flagge des Königreichs s. Tafel "Flaggen I", mit Text; über das Wappen s. Textblatt zur Tafel "Wappen". Der Hausorden Kamehamehas I. besteht in einem weiß emaillierten Kreuz mit goldener Einfassung und einem weißen, von blauem Rand eingefaßten Schild, in der Mitte mit dem Buchstaben K in Gold.

Geschichte. Die Inselgruppe wurde 1542 von dem Spanier Gaetano entdeckt und ihre Lage von Mendona ^[gemeint ist: Mendaña] 1567 genauer bestimmt; sie war Cook bereits bekannt, als er dieselbe 1778 aufsuchte und nach seinem Gönner, dem Grafen Sandwich, benannte. Cook besuchte die Inseln Kauai, Niihau, Maui und Hawai, auf der letztern wurde er 1779 an der Bai von Kealakeakua erschlagen. Lapérouse kam 1786 hierher, nach ihm Vancouver u. v. a. Zu Cooks Zeit war die Gruppe unter drei Staaten verteilt: die Insel H., dann Oahu und Maui nebst Lanai und Molokaï, endlich Kauai und Niihau, welche nach langen und höchst blutigen Kriegen durch den Häuptling Kamehameha von Hawai, den bedeutendsten Mann Polynesiens, zu Einem Staat vereinigt wurden. Kamehameha I., der Große (1789-1819), hob durch weise Maßregeln mit Hilfe der Amerikaner Young und Davis den Handel, ordnete die Verwaltung und bereitete den Sturz des Heidentums und die Einführung der christlichen Lehre vor, die unter seinem Sohn und Nachfolger Kamehameha II. stattfanden. Die ersten (protestantischen) Missionäre kamen 1820 von Amerika, doch breitete sich die christliche Religion erst aus, als nach dem 1824 erfolgten Tode des Königs und seiner Gemahlin in England, das sie besuchten, die Mutter des Königs sich taufen ließ. Kamehameha III. gab dem Land 1840 eine Konstitution, welche unter Kamehameha V. ihre jetzige Fassung erhielt. Nachdem 1837 auch katholische Missionäre sich auf der Inselgruppe niedergelassen hatten, mußte das Königreich sowohl von Frankreich als von England Demütigungen erdulden; doch wurde 1843 seine Selbständigkeit von England, Frankreich, den Vereinigten Staaten und Belgien anerkannt. Mit Kamehameha V. starb 1872 der letzte männliche Nachkomme des ersten Kamehameha, man wählte zum Nachfolger Lunalilo, einen Enkel Kamehameahas I. ^[richtig: Kamehamehas I.], und nach dessen schon 3. Febr. 1874 erfolgtem Tode den jetzigen König, David Kalakaua (geb. 16. Nov. 1836), der 1881 Europa und Amerika besuchte. Da derselbe kinderlos ist, so ist seine Schwester Liliuokalani, Gattin des Schotten Davis, präsumtive Thronfolgerin. Die wiederholten Versuche, das Inselreich unter das Protektorat der nordamerikanischen Union zu bringen, haben bereits zu einem Reciprozitätsvertrag geführt, welcher den Waren beider Länder Freiheit von Einfuhrzöllen zusichert; sie dürften bei dem Vorwiegen des amerikanischen Einflusses wohl schließlich zu völliger Absorption des Landes durch die Union führen. Vgl. außer den ältern Berichten von Ellis, Stewart, Hill u. a.: Jarves, History of the Hawaian islands (Lond. 1843); Remy, Ka Moolelo ^[richtig: Mooolelo] H., histoire de l'archipel hawaiien (Par. 1862); Anderson, The Hawaian islands (Bost. 1864); Hopkins, H., the past, present and future of this island-kingdom (Lond. 1866); Varigny, Quatorze ans aux îles Sandwich (Par. 1874); Fornander, Account of the Polynesian race and the ancient history of the Hawaiian people (Lond. 1877-85, 3 Bde.); Cumming, Fire fountains: the kingdom of H. (das. 1883, 2 Bde.); Dutton, Hawaiian volcanoes (4. Annual report of the U. S. Geolog. Survey for the years 1882-83); Bastian, Zur Kenntnis Hawaiis (Berl. 1883); Graf Anrep-Elmpt, Die Sandwichinseln (Leipz. 1885); Neuhauß, Die Hawai-Inseln (Berl. 1886).

Hawai, Insel des Königreichs H., die größte, östlichste und südlichste desselben, 1,356 qkm (206,2 QM.) groß mit (1884) 24,991 Einw. Sie bildet ein ziemlich