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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haydon; Haye; Hayes

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Haydon - Hayes.

seinen großen Nachfolgern Mozart und Beethoven nicht übertroffen worden sind. Die kindliche Frömmigkeit und Naivität, die ihn als Menschen kennzeichneten, sind auch das charakteristische Merkmal seiner Musik, zu deren klarer Heiterkeit übrigens auch sein langjähriger Aufenthalt fern vom Getreibe der Menschen beigetragen haben mag. Der stete Verkehr mit der Natur in seiner Eisenstädter Einsamkeit machte ihn, wie Riehl sagt, zum Naturpoeten der Instrumentalmusik, welcher nicht bloß in der "Schöpfung" und den "Jahreszeiten", sondern noch viel reizender und tiefer in so vielen Symphonien und Quartetten seine helle Freude an Gottes frischer, freier Welt bald jubelnd, bald kindlich-andachtsvoll in alle Lande hinausgesungen hat. Die Ruhe des Landaufenthalts und damit verbundene strenge Ordnung der Lebensweise während seiner fruchtbarsten Jahre erklären auch die erstaunliche Menge seiner Arbeiten: nach einem von ihm selbst 1805 aufgesetzten, aber noch unvollständigen Verzeichnis 118 Symphonien, 83 Quartette, 24 Trios, 19 Opern, 5 Oratorien, 163 Kompositionen für das Baryton, 24 Konzerte für verschiedene Instrumente, 15 Messen, 10 Kirchenstücke, 44 Klaviersonaten mit und ohne Begleitung, 42 deutsche und italienische Lieder, 39 Kanons, 13 drei- und vierstimmige Gesänge, die Harmonie und das Akkompagnement zu 365 altschottischen Melodien und noch viele Divertimenti, Phantasien, Capriccios, fünf-, sechs-, sieben-, acht- und neunstimmige Instrumentalstücke. Vgl. C. F. Pohl, Joseph H. (Berl. 1875-1881, Bd. 1 u. 2); Derselbe, Mozart und H. in London (Wien 1867); v. Wurzbach, Joseph H. und sein Bruder Michael (das. 1862); Reißmann, Joseph H. (Berl. 1879).

2) Johann Michael, Bruder des vorigen, geb. 14. Sept. 1737 zu Rohrau, bildete sich in Wien zum Musiker, wurde. 1757 Musikdirektor des Bischofs von Großwardein, 1762 Konzertmeister und Domorganist in Salzburg, wo er 10. Aug. 1806 starb. Er war ebenfalls ein tüchtiger Komponist, vorzüglich im Fach der Kirchenmusik, ohne jedoch die geniale Begabung seines Bruders zu besitzen. Von seinen Werken (Messen, Litaneien, Motetten, Symphonien, Quartetten etc.) ist nur wenig in die Öffentlichkeit gekommen.

Haydon (spr. hêdôn), Benjamin Robert, engl. Maler, geb. 25. Jan. 1786 zu Plymouth, bildete sich seit 1804 in der königlichen Akademie zu London und stellte 1807 sein erstes Bild: Maria und Joseph, aus. Es folgten 1809 die Ermordung des Dentatus, 1814 das Urteil Salomos, dann (nach einem Aufenthalt in Paris) der Einzug Christi in Jerusalem (1820), Christus am Ölberg, Moses, von Pharao entlassen, und die Auferweckung des Lazarus (1823). Einem Aufenthalt im Schuldgefängnis 1827 verdankten zwei seiner ausgezeichnetsten Gemälde, The mock election und The chairing of the members, in denen wahrhaft Hogarthsche Laune herrscht, ihre Entstehung; das erstere kaufte König Georg IV. für 500 Guineen. Nachdem H. noch zwei meisterhafte Werke, Napoleon, den Sonnenuntergang betrachtend, und den Tod des Eukles, geschaffen, brachte er es zu keinen bedeutenderen Leistungen mehr. Seine Versammlung der Abgeordneten zur Abschaffung der Sklaverei (1840) ist zwar ein Bild von kolossalen Dimensionen, aber von geringem künstlerischen Wert. Wegen völliger Zerrüttung seiner Vermögensverhältnisse endete er 22. Juni 1846 durch Selbstmord. Haydons Selbstbiographie und seine Tagebücher gab Tom Taylor heraus (Lond. 1853).

Haye, La (spr. äh), 1) franz. Name für Haag (s. d.). -

2) La Haye-Descartes, Stadt im franz. Departement Indre-et-Loire, Arrondissement Loches, an der Creuse, mit (1876) 1735 Einw.; denkwürdig als Geburtsort des Philosophen Descartes (Cartesius), dessen bescheidenes Geburtshaus noch erhalten, und dem hier ein Denkmal errichtet worden ist.

Hayes (spr. hehs), Dorf in der engl. Grafschaft Kent, 18 km südöstlich von der Londonbrücke, mit (1881) 694 Einw. Dabei Hayes Place, wo der erste Pitt starb und sein Sohn W. Pitt geboren wurde, und eine Heide, die sich westlich bis nach Keston hin erstreckt, wo römische Wälle an die alte Stadt Noviomagus erinnern.

Hayes (spr. hehs), 1) Rutherford Birchard, Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, geb. 4. Okt. 1822 zu Delaware (Ohio) aus einer altschottischen, im 17. Jahrh. eingewanderten Familie, studierte auf dem Harvard College Jurisprudenz und Litteratur, ward 1844 zum Doktor der Rechte promoviert und ließ sich 1849 als Advokat in Cincinnati nieder. Er schloß sich früh den eifrigsten Gegnern der Sklaverei an, trat beim Ausbruch des Bürgerkriegs als einfacher Freiwilliger in das Heer und avancierte rasch zum Brigadegeneral, da er sich durch Mut vor dem Feind und Disziplin bei seinen Untergebenen auszeichnete. Nach Beendigung des Kriegs ward er Mitglied des Kongresses, dann fünf Jahre lang Gouverneur des Staats Ohio. 1876 wurde er von der republikanischen Partei als Kandidat für die Präsidentschaft dem demokratischen Kandidaten Tilden gegenübergestellt. Da H. sich als ein fein gebildeter, streng rechtlicher Mann von gemäßigten Gesinnungen gezeigt und sich namentlich gegen die Korruption, die bisher unter den Führern der republikanischen Partei geherrscht, entschieden ausgesprochen hatte, so erklärte sich auch die Reformpartei für ihn. Das Ergebnis der Wahlen 7. Nov. 1876 war zweifelhaft, doch entschied sich die republikanische Majorität der vom Kongreß eingesetzten Kommission für H., der am 2. März 1877 als mit 185 Stimmen zum Präsidenten gewählt proklamiert wurde und am 5. sein Amt antrat. Er kündigte als Ziel seiner Politik die Versöhnung zwischen den Nord- und Südstaaten sowie zwischen den Rassen im Süden, die Reform des Zivildienstes und die Wiederaufnahme der Barzahlung an und setzte sein Ministerium aus gemäßigten Republikanern und Mitgliedern der Reformpartei zusammen. Die Beruhigung der Südstaaten und die Wiederaufnahme der Barzahlung führte er mit Hilfe der Minister Schurz und Sherman durch trotz aller Hindernisse, welche ihm die Majorität des Kongresses in den Weg legte. Dagegen erreichte er in der Reform des Zivildienstes und in der Beseitigung der Korruption nichts Durchgreifendes. Am 4. März 1881 übergab er Garfield die Geschäfte.

2) Isaak Israel, amerikan. Nordpolfahrer, geb. 5. März 1832 zu Chester in Pennsylvanien, begleitete als Schiffsarzt 1853-55 die Kanesche Expedition nördlich vom Smithsund, wobei er sich von dem Vorhandensein einer offenen See um den Nordpol überzeugte (vgl. seine Schrift "An arctic boat-journey", 1861; neue Ausg. 1883). Zur genauern Erforschung derselben führte er 1860, von H. Grinnell und der Amerikanischen Geographischen Gesellschaft ausgerüstet, ein eignes Schiff in jene Gegenden, mit dem er aber nur bis 78½° nördl. Br. gelangte, drang dann im Oktober 1860 zu Fuß etwa 134 km weit gegen O. in das vergletscherte Innere von Grönland vor und erreichte im April und Mai 1861 mit Hunden und