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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heraud; Hérault

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Heraud - Hérault.

ist gegen Mittag der Rauch an der Erde häufig so dicht, daß man in einer Entfernung von 100 Schritt keinen Gegenstand mehr erkennen kann. Diese ungeheure Rauchmasse wird vom Wind fortgetrieben, aber sie erneuert sich immer wieder, bis gegen Abend die Feuer allmählich erlöschen. Bei heiterm Wetter, bei welchem das Moorbrennen nur stattfinden kann, herrschen meistens nördliche und nordöstliche Winde, und daher erhalten die Gegenden südwestlich, südlich und südöstlich von dem Moorbezirk den meisten Rauch. Daß der H. und der Moorrauch identisch sind, kann zunächst aus ihrer Gleichartigkeit in Bezug auf Geruch, Schwächung der Sonnenstrahlen und Färbung der Sonnenscheibe geschlossen werden sowie aus dem häufigern Auftreten des Herauchs in Gegenden, die den Hauptmooren näher liegen, als in solchen, die entfernter von ihnen sind. Außerdem folgt die Identität von Moorrauch und H. daraus, daß man erstern mit der Windrichtung verfolgen und sich davon überzeugen kann, wie er immer später und später in größern Entfernungen als H. auftritt. H. wird auch durch zufällig entstehende Moor- und Waldbrände erzeugt. Auf diese Weise erklärt sich das Auftreten von H. im größten Teil von Europa im Jahr 1834 sowie im November 1819 in Oberkanada. Daß der H. in der That lästig und sein penetranter Geruch unangenehm ist, kann nicht geleugnet werden; aber er selbst erzeugt, wie schon Prestel in Emden, welcher die umfassendsten Untersuchungen über den H. angestellt hat, sagt, weder Dürre noch Kälte; er vertreibt weder den Regen, noch löst er Gewitter auf. Eine schädliche Wirkung des Herauchs ist nach keiner Seite hin konstatiert. Zur Hebung der Moorkultur wurde 1870 ein Verein gegründet und 1872 eine Zentralmoorkommission ins Leben gerufen, unter deren Einfluß das Moorbrennen und mit ihm der H. bald völlig verschwinden dürfte. Vgl. Moor.

Heraud (spr. herod), John A., engl. Dichter und Kritiker, geb. 1799 zu London, begann, durchaus Autodidakt und für den Handel bestimmt, 1818 für Zeitschriften zu arbeiten und veröffentlichte als erste selbständige Arbeit das epische Gedicht "Tottenham" (1820), dem "The legend of St. Loy" (1821) folgte. H. wurde darauf als Mitarbeiter an der einflußreichen "Quarterly Review" zugelassen und erhielt etwas später den Posten eines Mitredakteurs von "Fraser's Magazine". Er veröffentlichte nun zwei größere Gedichte: "The descent into hell" (1830) und "The judgment of the flood" (1834), die beide späterhin umgearbeitet und vermehrt wurden; die Trauerspiele: "Videna" (1854 aufgeführt), "The Roman brother" und "Salvator, or the poor man of Naples"; ferner die Werke: "Wife or no wife", "Agnolo Diora", "Life and times of Girolamo Savonarola". Auch übertrug er Legouvés "Medea". Beachtung erwarb sich sein Buch "Shakspere, his inner life as intimated in his works" (1865). Zur Dichtkunst kehrte er zurück mit einem Band gesammelter Gedichte: "The In-gathering" (1870), worauf ihm der französisch-deutsche Krieg Veranlassung gab zu der epischen Arbeit "The war of ideas" (1871). Seine letzten Werke sind: "Uxinal, an antique love story" (1877) und "Macée de Leodepart", historischer Roman (1878).

Hérault (spr. eroh, sonst Arauris), Küstenfluß im südlichen Frankreich, entspringt in den Cevennen am Mont Aigoual im Departement Gard, fließt gegen S. in das nach ihm benannte Departement, ist von Bessan an schiffbar und mündet nach einem Laufe von 197 km unterhalb Agde ins Mittelländische Meer. Oberhalb Agde kreuzt den Fluß der Canal du Midi. - Das nach dem H. benannte Departement, gebildet aus den Stiftern von Montpellier, Lodève, Béziers, Narbonne, Agde und St.-Pons im ehemaligen Languedoc, grenzt nördlich an die Departements Aveyron und Gard, östlich an Gard, südöstlich ans Mittelländische Meer, südwestlich und westlich an Aude und an Tarn und hat einen Flächenraum von 6198 qkm (112,6 QM.). Das Land ist gebirgig. Im N. und W. streichen Zweige der Cevennen, z. B. die Gebirgskette de l'Espinouse längs des Agout und die Garriguesberge nebst der Montagne Noire, traurige, öde Kalkhügel, zum Teil mit Heidekraut, Zwerggebüsch und Steinmoos bedeckt. Gegen die Küste hin verflachen sich die Berge zu sandigen und sumpfigen Ebenen und zu der Kette von Lagunen (Etangs), welche die ganze Mittelmeerküste von den Pyrenäen bis zur Steilküste der Provence begleiten. Der Etang de Thau ist unter ihnen der größte (gegen 80 qkm). Bewässert wird das Departement vom Hérault mit der Ergue, dem Orb, dem Lez etc. Außerdem sind namentlich der Canal du Midi und der des Etangs, welcher von Aigues-Mortes bis Cette durch die Strandseen führt, zu erwähnen. Das Klima ist mild, heiter und, von der Umgebung der Etangs abgesehen, gesund, wenn auch Trockenheit, Hitze und Staub im Sommer sehr lästig sind. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 14,4° C. Die Einwohner, (1881) 441,527, reden das languedocsche Patois. Das Land liefert Weizen, Gerste, Hafer, Buchweizen über den Bedarf und war bis auf die Verheerungen der Phylloxera in Bezug auf Weinbau das wichtigste Departement Frankreichs; die Weinberge bedeckten gegen 200,000 Hektar und ergaben bis 15 Mill. hl teilweise sehr geschätzte Weine (Muskat von Lunel und Frontignan etc.). Gegenwärtig ist die mit Reben bepflanzte Fläche auf 64,000 Hektar und die Ernte auf 4-5 Mill. hl gesunken. Von Bedeutung sind ferner die Olivenkultur (bis 900,000 kg Öl), die Seidenzucht (162,000 kg Seide) und die Schafzucht. Vom gesamten Areal kommen 158,973 Hektar auf Ackerland, 13,416 auf Wiesen, 64,000 auf Wein, 80,357 auf Wald, 202,253 Hektar auf Heiden. Von Mineralien gewinnt man namentlich Steinkohle (1884: 272,000 Ton.) und Seesalz (in den Salzsümpfen, 53,000 T.). Das Departement besitzt auch vier Mineralquellen. Unter den Industriezweigen sind die hervorragendsten: die Branntwein- und Likörerzeugung, die Tuchfabrikation (zu Lodève etc., über 4000 Arbeiter), die Glasfabrikation, die Seifen- und Kerzenerzeugung, die Gerberei, ferner der Fischfang und die Zubereitung von Stockfisch. Lebhaft ist der Handelsverkehr; als Haupthafen dient Cette; Pézénas ist der wichtigste Spritmarkt. An Kommunikationen besitzt das Departement außer 4 schiffbaren Flüssen (45 km) und 9 Kanälen (114 km) namentlich 11 Eisenbahnlinien (440 km). Das Departement ist eingeteilt in vier Arrondissements: Béziers, Lodève, Montpellier und St.-Pons. Hauptstadt ist Montpellier. Vgl. Brieu, Histoire du département de l'Hérault (1861).

Hérault (spr. eroh, lat. Heraldus), Didier, Philolog und Rechtsgelehrter, geboren um 1579, wurde schon 1598 Professor des Griechischen in Sedan, gab jedoch, als Protestant in religiöse Händel verwickelt, diese Stelle auf, wurde in Paris 1611 Parlamentsadvokat und starb, mit dem früher befreundeten Salmasius zuletzt arg verfeindet, im Juni 1649. Seine bedeutendsten Schriften sind: "Adversariorum libri II" (Par. 1599); "Rerum judicatarum libri II" (das. 1640); "Observationes ad jus atticum et romanum" (das. 1650); seine Ausgaben von Arnobius und Minucius