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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hermaphroditus; Hermas; Hermbstädt; Hermelin; Hermelinfelle; Hermen; Hermenegild

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Hermaphroditus - Hermenegild.

Gegenliebe anflehte. Auf ihr an die Götter gerichtetes Flehen um ewige Vereinigung mit ihm wurden ihre Leiber so verbunden, daß ein Doppelgeschöpf, halb Mann, halb Weib, H. genannt, entstand. Der Ursprung der Hermaphroditenidee ist wohl in den asiatischen Naturreligionen zu suchen, welche nicht nur monströse Zusammenstellungen von Tier- und Menschengestalten liebten, sondern auch den ihnen eignen Dualismus, der besonders in der Erscheinung des Männlichen und Weiblichen hervortritt, durch Vereinigung zu überwinden strebten; von einer bloßen "Künstlergrille" kann keine Rede sein. H. war ein Lieblingsgegenstand der spätern verweichlichten griechischen Kunst, die ihn bald auf dem Lager in wollüstigem Schlaf (Statuen im Louvre, in Rom, Florenz etc.), bald stehend in zärtlicher Haltung oder über seine eigne Natur erstaunt, bald (in pompejanischen Wandbildern) von Eroten oder ihn erstaunt betrachtenden Satyrn und Panen umgeben, bald auch von Satyrn erhascht darstellte. Berühmt war im Altertum besonders eine Statue von Polyklet.

Hermaphroditus (griech.), in der Botanik, s. Zwitterig.

Hermas, einer der sogen. apostolischen Väter, nach früherer Annahme identisch mit dem Röm. 16, 14 erwähnten H. In der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. verbreitete sich von Rom aus eine ursprünglich griechisch geschriebene Schrift unter dem Titel: "Hermae pastor" ("Der Hirt des H."), welche nach 140 ein Bruder des römischen Bischofs Pius I. verfaßt hatte. Lange besaßen wir diesen eine letzte Frist zur Buße verkündigenden, apokalyptischen Roman nur in altlateinischen und äthiopischen Übersetzungen. Erst neuerdings ist das griechische Original selbst aufgefunden worden und zwar in den beiden Formen der Leipziger (hrsg. von Anger und Dindorf, Leipz. 1856) und der sinaitischen Handschrift (hrsg. von Tischendorf, 1863). Hilgenfeld hat daraus einen lesbaren Text (in "Novum Testamentum extra canonem receptum", 2. Aufl., Leipz. 1880) und auch die altlateinische Übersetzung hergestellt ("Hermae pastor. Veterem latinam interpretationem edidit", das. 1873). Die beste Ausgabe besorgten Gebhardt und Harnack (Leipz. 1877).

Hermbstädt, Siegmund Friedrich, Chemiker, geb. 14. April 1760 zu Erfurt, studierte daselbst Medizin und widmete sich dann in Langensalza, Hamburg und Berlin, wo er eine Offizin übernahm, der Pharmazie. Er wurde 1791 Professor der Chemie und Pharmazie am medizinisch-chirurgischen Kollegium zu Berlin und Administrator der Hofapotheke. Hierauf trat er als Mitglied in das Obersanitätskollegium, das königliche Manufaktur- und Kommerzienkollegium und in die Salzadministration, 1820 wurde er Professor der Chemie an der Kriegsschule und am Bergwerkseleveninstitut und 1819 Professor der Chemie und Technologie an der Universität. Er starb 22. Okt. 1833 in Berlin. Von seinen zahlreichen Schriften sind zu nennen: "Systematischer Grundriß der allgemeinen Experimentalchemie" (Berl. 1791-1793, 4 Bde.; 3. Aufl. 1812-27, 5 Bde.); "Grundriß der Färbekunst" (das. 1802; 3. Aufl. 1824, 2 Bde.); "Allgemeine Grundsätze der Bleichkunst" (das. 1804); "Grundriß der Technologie" (das. 1814, 2. Aufl. 1830); "Chemische Grundsätze der Kunst, Branntwein zu brennen" (das. 1817, 2 Bde.; 3. Aufl. 1842); "Elemente der theoretischen und praktischen Chemie für Militärpersonen" (das. 1822, 3 Bde.). Auch gab er mehrere Journale sowie Scheeles und Lavoisiers Werke und Chaptals "Chemie" heraus.

Hermelin, s. Wiesel.

Hermelinfelle, die weißen Winterpelze des Hermelins, deren Wert sich nach der Länge, Feinheit und Weiße des Haars und nach der Festigkeit der Haut richtet. Nur Sibirien und Rußland liefern H. Die vorzüglichsten kommen aus Barabinsk und Ischim, minder gute aus Jenisseisk und Jakutsk. Früher war das Tragen der mit den schwarzen Schwanzspitzen des Tiers geschmückten Hermelinmantel ein Vorrecht der Fürsten. Jetzt sind sie in England, Frankreich, Nordamerika und bei uns, namentlich aber auch in China und der Türkei eine allgemeine Tracht geworden. Die Gesamtproduktion beträgt an 400,000 Stück, wovon 350,000 aus dem russischen Nordasien stammen. Sehr häufig werden H. durch weiße Kaninchenfelle ersetzt.

Hermen (griech.), im eigentlichen Wortsinn Bilder des Hermes (Mercurius), der häufig unter dem Bild eines viereckigen, oben breitern, unten schmäler zulaufenden Pfeilers (Herme) verehrt wurde; dann allgemeiner gebraucht für vierseitige Pfeiler, die in Büsten enden oder die mit dem Oberkörper einer menschlichen Figur verbunden sind (s. Abbildung). Von letzterer Form finden sich die schönsten, aus Griechenland stammenden Beispiele in Villa Ludovisi in Rom. Die erstere pflegt an den Seiten des Pfeilers nahe am Kopf je einen würfelartigen Vorsprung (Hände, griech. cheires, genannt) zum Aufhängen von Kränzen, vorn einen aufgerichteten Phallos (s. d.) zu haben. Die Entstehungszeit dieser Kunstform ist noch dunkel. Die älteste Zeit kennt sie noch nicht. Erst in der letzten Epoche der altertümlichen Kunst finden sich Beispiele; diese verbinden aber den menschlichen Oberkörper, der bis zu den Hüften reicht, mit dem vierseitigen Pfeiler und lassen sogar lebhafte Bewegung der Figur zu (so die Herme eines Diskobols in Villa Ludovisi zu Rom). Später wird gewöhnlich Kopf und Pfeiler zusammen verbunden. Am häufigsten fanden sie sich in Afrika, wo sie auf den Heerstraßen zugleich als Wegweiser dienten; daneben wird auch Arkadien als ihnen besonders geneigt geschildert. Wenn auf der Herme das Bild eines andern Gottes oder Heros als des Merkur stand, so verband man den Namen Herme mit dem Namen des aufgestellten Kopfes; daher die Benennungen Hermares (Herme des Ares), Hermathene (der Athene), Hermerakles (des Herakles), Hermeros (des Eros), Hermapollon (des Apollon), Hermamithras (des Mithras), Hermalkibiades (des Alkibiades, sehr zahlreich in Athen). Der leichtern Arbeit wegen behielt man auch in der höhern Kunst die hermenartige Darstellung bei. Gewöhnlich waren die H. nackt, selten bekleidet oder mit charakteristischen Attributen, desto häufiger mit Inschriften versehen, auch meist männlich. Von den Griechen kamen die H. zu den Römern (vgl. Terminus).

^[Abb.: Herme.]

Hermenegild, ältester Sohn des westgot. Königs Leovigild (569-586), vermählte sich mit Ingundis, Tochter des Königs Siegbert von Austrasien und der Brunhilde. Als Leovigilds zweite Gemahlin, Goswintha, die fränkische Prinzessin zum Arianismus zu bekehren suchte und die Widerstrebende deshalb