Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hessen-Nassau

484

Hessen-Nassau.

zu zahlenden Rente die Unterhaltung der Schlösser, Parke etc. zu bestreiten hat und auch mehrere kostbare Bauten (Gemäldegalerie in Kassel, Restauration des Marburger Schlosses u. a.) ausführen ließ. Doch schloß Preußen 1880 mit den Nebenlinien des hessischen Kurfürstenhauses, Philippsthal und Barchfeld, noch einen Vertrag, wonach diese aus dem Fideikommiß eine jährliche Abfindungssumme von 300,000 Mk. und einige Schlösser als Privatfideikommiß erhielten.

Vgl. Rommel, Geschichte von Hessen (Gotha u. Kassel 1820-58, 10 Bde.); Wippermann, Kurhessen seit dem Freiheitskriege (Kassel 1850); Röth, Geschichte von H. (das. 1855, 2. Aufl. 1883-85); Lyncker, Geschichte der Insurrektionen wider das westfälische Gouvernement (das. 1857); Gräfe, Der Verfassungskampf in Kurhessen (Leipz. 1851); "Kurhessisches Urkundenbuch", eine Zusammenstellung der wichtigsten Schriftstücke in der kurhessischen Verfassungsangelegenheit (Frankf. a. M. 1861); "Kurhessen unter dem Vater, dem Sohn und dem Enkel" (Hamb. 1860); Heppe, Kirchengeschichte beider H. (Marb. 1876); Fr. Kapp, Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika (2. Aufl., Berl. 1874); Strippelmann, Beiträge zur Geschichte Hessen-Kassels 1791 bis 1814 (Marb. 1877-78, 2 Hefte).

Hessen-Nassau (hierzu Karte "Hessen-Nassau"), preuß. Provinz, 1867 und 1868 aus Landesteilen gebildet, welche infolge des Kriegs von 1866 an Preußen kamen, nämlich aus dem ehemaligen Kurfürstentum Hessen-Kassel und dem ehemaligen Herzogtum Nassau mit geringen Ausnahmen, welche einen Austausch zur Abrundung der großherzoglich hessischen Provinz Oberhessen bezweckten, ferner aus dem größten Teil des Gebiets der ehemaligen freien Reichsstadt Frankfurt a. M., aus dem Kreis Biedenkopf und einigen andern Stücken des Großherzogtums Hessen, aus der Herrschaft Homburg der ehemaligen Landgrafschaft Hessen-Homburg und endlich aus kleinen Gebietsteilen von Bayern (Gersfeld, Orb). Alle diese Gebiete sind zu zwei Regierungsbezirken vereinigt worden: Kassel und Wiesbaden, von denen der erstere die vormals kurhessischen und bayrischen und ein kleines Gebiet von Hessen-Darmstadt, der letztere die übrigen Landesteile umfaßt. Die Provinz grenzt im N. an Westfalen, Waldeck und Hannover, im O. an die Provinz Sachsen, die thüringischen Staaten (Sachsen-Weimar) und Bayern, im S. an Bayern und das Großherzogtum Hessen, im W. an die Rheinprovinz. Von dem Hauptteil der Provinz sind getrennt, außer einigen kleinern Parzellen in Waldeck, die Kreise Schmalkalden am Thüringer Wald und Rinteln (Grafschaft Schaumburg) an der Weser zwischen den preußischen Provinzen Hannover und Westfalen und den Fürstentümern Lippe und Schaumburg-Lippe; innerhalb der Provinz dagegen liegen die großherzoglich hessische Provinz Oberhessen und der zur Rheinprovinz gehörige Kreis Wetzlar.

[Bodenbeschaffenheit. Klima.] Die Provinz hat eine Größe von 15,683 qkm (284,82 QM.). Sie besteht vorzugsweise aus Bergland von mäßiger Höhe, in welches das Tiefland nur mit geringen Teilen einschneidet, so im S. am Main, wo der nördlichste Teil der Oberrheinischen Tiefebene mit einem Teil der Wetterau hierher gehört, und im N., wo das Tiefland in schmalen Strichen längs der Werra und Fulda hinaufgeht und vorzüglich an der Schwalm sich zu einem fruchtbaren Becken (Ebene von Wabern und dem südlich davon gelegenen Schwalmgrund) erweitert. Das Bergland gehört im Regierungsbezirk Wiesbaden zum rheinisch-westfälischen Schiefergebirge, von dem sich ein Ausläufer, das Hainaische Gebirge (im Kellerwald [s. d.] 672 m hoch), halbinselartig zwischen den Buntsandsteinplatten auch bis zur mittlern Schwalm in den Regierungsbezirk Kassel hineinzieht; im Regierungsbezirk Wiesbaden sind der Taunus (s. d.) und der Westerwald (s. d.) mit den höchsten Punkten, dem Großen Feldberg (880 m) und dem Fuchskauten (657 m). Die Gebirgslandschaften des Regierungsbezirks Kassel gehören zum rheinischen System (Buntsandsteingebirge). Von demselben zählen hierzu die Hohe Rhön (etwa zur Hälfte) mit der Großen Wasserkuppe (950 m) und der Milseburg (826 m), vom Spessart nur geringe Teile (Orber Reisig); auch der Vogelsberg in Oberhessen berührt nur mit Ausläufern die Provinz. Im nördlichen Teil der Provinz gibt es endlich eine große Anzahl von kleinern Berggruppen und einzeln liegenden Bergen, die zusammen das Hessische Bergland bilden. Hierzu gehören: die Lahnberge bei Marburg (379 m), das Knüllgebirge (636 m) zwischen Fulda und Schwalm, der Seulingswald (483 m) zwischen Fulda und Werra, das Richelsdörfer Gebirge (477 m) nördlich von dem vorigen, die nordöstlich sich anschließenden Berge des Ringgau (556 m), der westlich gelegene Bombacher Wald (456 m) und der Alheimer (546 m). Weiter nördlich in der Schere zwischen Werra und Fulda liegen der weithin sichtbare Meißner (751 m), die Söhre (483 m) und der Kaufunger Wald (Bilstein 641 m). Zwischen Fulda, Weser, Eder und Diemel ziehen sich von S. nach N. der Langenberg (553 m), der Habichtswald (Hohe Graf 595 m) und der Reinhardswald (471 m). Die Grundlage aller dieser Berglandschaften bildet Buntsandstein, der nur in seltenen Fällen von Muschelkalk überlagert wird, in den höhern Teilen zwischen Fulda und Werra (Rotenburg und Eschwege) aber dem Zechstein weicht, während er überall, namentlich aber im Vogelsberg, in der Rhön, im Knüllgebirge, von Basalten (in der Milseburg selbst von Phonolith) durchbrochen ist. Merkwürdig ist ein Becken von Tertiärbildungen mit Braunkohlen, das, aus der hessischen Provinz Rheinhessen kommend, bei Mainz vom Rhein durchschnitten wird, sich alsdann zwischen dem Schiefergebirge und dem Vogelsberg (meist in Oberhessen) nach N. erstreckt und innerhalb der Buntsandsteinplatte ein ausgedehntes Becken von Ziegenhain an der Schwalm bis Kassel ausfüllt, aus dem gleichfalls viele Basalte, auch die des Habichtswaldes, emporsteigen. Der Thüringer Wald durchzieht den Kreis Schmalkalden, woselbst der Inselsberg (915 m) auf der Grenze gegen Gotha; im Kreis Rinteln endlich finden sich Teile der untern Wesergebirge, vom Süntel und vom Bückeberg (s. d.). Die Provinz gehört zu den Stromsystemen des Rheins und der Weser; die größern Flüsse, wenigstens soweit sie schiffbar sind, befinden sich auf oder nahe der Grenze, so der Rhein und Main im S. und die Weser und Werra im N.; weiter hinein in die Provinz reichen die Lahn und Fulda. Unter den übrigen Flüssen sind noch zu erwähnen: die Kinzig und Nidda, welche zum Main, die Ohm, Weil, Ems, Aar, Dill und der Elbbach, welche zur Lahn fließen, die Eder, ein Nebenfluß der Fulda, mit der Schwalm, und im N. die Diemel, welche bei Karlshafen die Weser erreicht. Seen und Kanäle gibt es nicht, nur kleine Teiche ohne Bedeutung, dagegen große Moore auf der Hohen Rhön. Das Klima ist im allgemeinen auf den Berglandschaften rauher als im Norddeutschen Tiefland, vorzüglich rauh auf dem Westerwald und der Hohen Rhön, die im Winter 5-6 Mo-^[folgende Seite]