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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hille; Hillebrand

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Hille - Hillebrand.

er an der Belagerung von Toulon teilnahm, und focht als Oberstleutnant 1801 in Ägypten, wo er schwer verwundet ward. 1808 ging er als Generalmajor nach Spanien; 1809 erhielt er an des verwundeten Paget Stelle als Generalleutnant den Oberbefehl über dessen Korps, leistete Wellington namentlich bei Ciudad-Rodrigo und vor der Schlacht bei Salamanca wichtige Dienste und wurde deshalb 1814 zum Baron H. von Almarez ernannt. Vor Wellingtons Ankunft führte er 1815 den Oberbefehl über das 2. britische Armeekorps in Belgien und zeichnete sich dann bei Waterloo aus. 1825 avancierte er zum General, ward 1827 Gouverneur von Plymouth und erhielt im Februar 1828, als Wellington Premierminister geworden war, den Posten eines Oberbefehlshabers der britischen Armee. Als er 1842 dies Amt niederlegte, ward er zum Viscount H. of Hawkstone erhoben, starb aber schon 10. Dez. 1842 auf seinem Landsitz Hardwicke-Grange bei Shrewsbury. Vgl. Sidney, The life of Lord H. (Lond. 1845). Sein Titel ging auf seinen Neffen Rowland, Viscount H., über, der bis 1842 Mitglied des Unterhauses für Shropshire war und 2. Jan. 1875 starb.

2) Sir Rowland, Reformator des englischen Postwesens, geb. 3. Okt. 1795 zu Kidderminster, war bis 1833 Lehrer, wurde dann Schriftführer der Society for the diffusion of useful knowledge und erregte großes Aufsehen durch seine Schrift "Post office reform, its importance and practicability" (Lond. 1837), in welcher er eine tiefgreifende Reform des englischen Postwesens, namentlich auch einen einheitlichen Portosatz von 1 Penny für Briefe bis zum Gewicht von 0,5 Unze innerhalb des Landes, forderte. Diese Forderung wurde 1840 zum Gesetz erhoben, und H. trat in den Dienst der Post. Er wurde 1846 Sekretär des Generalpostmeisters, 1854 dirigierender Sekretär des Postdepartements, trat 1864 in den Ruhestand und starb 27. Aug. 1879 in Hampstead bei London. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt H. eine Nationalbelohnung von 20,000 Pfd. Sterl., wurde in der Westminsterabtei beigesetzt, und 1881 ward dort seine Büste, 1882 ein andres Denkmal der Börse gegenüber enthüllt. Nach Chalmers ("The penny postage scheme of 1837: was it an invention or a copy", Lond. 1879) war nicht H., sondern Lord Lowther der Erfinder des Pennyportos. Vgl. Sir R. Hill und G. B. Hill, Life of Sir Rowland H. and the history of penny postage (Lond. 1880, 2 Bde.).

3) Friedrich Moritz, verdienter Taubstummenlehrer, geb. 8. Dez. 1805 zu Reichenbach in Schlesien, war Zögling des Seminars und (1825-28) Hilfslehrer des Waisenhauses zu Bunzlau, besuchte darauf zwei Jahre die Universität, Singakademie und Taubstummenanstalt zu Berlin und war von 1830 bis zu seinem Tod (30. Sept. 1874) Leiter der Taubstummenanstalt zu Weißenfels. In seiner Ausgestaltung der deutschen oder Artikulationsmethode des Taubstummenunterrichts verfolgte H. namentlich den Zweck, diesem Unterricht den Charakter einer geheimen Kunst zu nehmen und ihn den allgemeinen Grundsätzen der neuern Pädagogik anzupassen. Er schrieb außer zahlreichen Lehr- und Hilfsbüchern für den Unterricht: "Anleitung zum Unterricht taubstummer Kinder für Geistliche und Lehrer" (Weim. 1840; 3. Aufl. von Ohlewein u. d. T.: "Die Geistlichen und Lehrer im Dienste der Taubstummen", das. 1882); "Vollständige Anleitung zum Unterricht taubstummer Kinder" (Essen 1840, 2. Aufl. 1872). Vgl. Walther, F. M. H. (im "Organ der Taubstummenanstalten" 1875, S. 129); Derselbe, Geschichte des Taubstummenbildungswesens (Bielef. 1882); Bethe, Das Seminar zu Weißenfels und die damit verbundene Provinzialtaubstummenanstalt, S. 18 ff. (Gotha 1879).

4) Karl, Opernsänger (Bariton), geb. 1840 zu Idstein bei Nassau, bildete sich unter Leitung des Wiesbadener Hofopernsängers Jeshewiz und des Musikdirektors Rühl im Kunstgesang aus und sang, obwohl er nach absolviertem Gymnasium zum Postfach übergegangen war, Anfang der 60er Jahre häufig und mit großem Erfolg in Konzerten und bei Musikfesten, namentlich in den rheinischen Städten sowie in Holland. Nach Übergang der Thurn und Taxisschen Post an Preußen (1866) widmete er sich, da er seine musikalische Wirksamkeit mit der amtlichen nicht länger vereinigen konnte, ausschließlich der Kunst und fand zwei Jahre später eine Anstellung als erster Bariton am Hoftheater zu Schwerin, wo er noch gegenwärtig als eine der ersten Zierden der Oper wirkt. H., der in den 70er Jahren vom Großherzog zum Kammersänger ernannt wurde, hat sich unter anderm großes Verdienst um das Gelingen der Festspiele in Baireuth erworben, wo er die Partie des Alberich meisterhaft durchführte.

Hille (Hillah), Stadt im asiatisch-türk. Wilajet Bagdad, am rechten Ufer des Euphrat, über den eine Schiffbrücke führt, mit kaum 15,000 Einw., Fabrikation von Baumwollzeugen und wollenen Mänteln und Handel mit sehr schönen Büffelhäuten. Rings um H. liegen in Gestalt hoher Schutthügel die Ruinen von Babylon (s. d.), aus deren Ziegelsteinen die jetzige Stadt zumeist erbaut wurde.

Hillebrand, 1) Joseph, Litterarhistoriker und philosoph. Schriftsteller, geb. 1788 zu Großdüngen bei Hildesheim, trat, ursprünglich für den katholisch-geistlichen Stand erzogen, später zum Protestantismus über, erhielt nach Hegels Abgang von Heidelberg 1818 eine ordentliche Professur der Philosophie daselbst, 1822 eine solche zu Gießen, war 1848 Präsident der hessischen Zweiten Kammer und wurde 1850 seiner Opposition halber in den Ruhestand versetzt. Er starb 25. Jan. 1871 in Soden. Als Litterarhistoriker hat H. durch sein Buch "Die deutsche Nationallitteratur seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts" (Hamb. u. Gotha 1845-46, 3 Bde.; 3. Aufl., hrsg. von seinem Sohn Karl H., 1875, 3 Bde.) verdienten Ruf erlangt; seine minder bedeutende philosophische Thätigkeit, in welcher er Hinneigung zu Jacobi verrät, umfaßt folgende Schriften: "Anthropologie als Wissenschaft" (Mainz 1822-23, 3 Tle.); "Lehrbuch der theoretischen Philosophie und philosophischen Propädeutik" (das. 1826); "Lehrbuch der Litterarästhetik" (das. 1827, 2 Bde.); "Aesthetica litteraria antiqua critica" (das. 1828); "Universalphilosophische Prolegomena" (das. 1830); "Der Organismus der philosophischen Idee" (Leipz. 1842). In seinem synkretistischen Hauptwerk, der "Philosophie des Geistes" (Heidelb. 1835, 2 Tle.), hat er eine Vermittelung zwischen Hegel und Leibniz versucht.

2) Karl, Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 17. Sept. 1829 zu Gießen, studierte daselbst und in Heidelberg die Rechte, nahm 1849 am badischen Maiaufstand teil, ward in Rastatt gefangen, entkam aber nach drei Monaten aus den Kasematten und lebte dann als Flüchtling in Straßburg, Paris und Bordeaux, wo er die verschiedenen akademischen Grade der Université de France erlangte. Nachdem er in Paris an der Sorbonne promoviert hatte, ward er 1863 Lehrer der deutschen Sprache an der Militärschule von St.-Cyr, noch in demselben Jahr aber als ordentlicher Professor der fremden Litteraturen an