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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hirschau; Hirschbart; Hirschberg

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Hirschau - Hirschberg.

5) August, Mediziner, geb. 4. Okt. 1817 zu Danzig, studierte seit 1839 in Berlin und Leipzig, ließ sich 1844 in Elbing als Arzt nieder, siedelte 1846 nach Danzig über und begann hier, zunächst in der Absicht, als Militärarzt in englisch-ostindische Dienste zu treten, geographisch-pathologische Studien. Als Frucht derselben veröffentlichte er: "Über die geographische Verbreitung von Malariafieber und Lungenschwindsucht und den räumlichen Antagonismus dieser Krankheiten" (1848), wandte sich dann der historischen Pathologie zu und schrieb: "Zur Geschichte der typhösen Krankheiten", welcher Arbeit später ähnliche über Ruhr, Schweißfriesel und die indische Beulenpest und als seine bedeutendste Arbeit das "Handbuch der historisch-geographischen Pathologie" (Erlang. 1859-1864, 2 Bde.; 2. Aufl. 1881-83) folgten. 1863 als Professor der Geschichte der Medizin nach Berlin berufen, bereiste er 1865 die von der Genickstarre heimgesuchten Gegenden Westpreußens und veröffentlichte "Die Meningitis cerebrospinalis epidemica" (Berl. 1866). Auf seine und Pettenkofers Veranlassung wurde 1873 die Cholerakommission für das Deutsche Reich gebildet; er bereiste als Mitglied derselben die 1873 von der Cholera heimgesuchten Gegenden des Weichselgebiets und erstattete über seine Beobachtungen einen Bericht (2. Aufl. 1875). H.' Forschungen über die Entwickelungs- und Verbreitungsart der Cholera haben zu neuen positiven Resultaten geführt und sind geeignet, auch der prophylaktischen Behandlung der Seuche eine zuverlässigere Grundlage zu geben. 1878 war H. Mitglied der internationalen Pestkommission zu Wetljanka bei Astrachan. Er schrieb noch: "Über die Anatomie der alten griechischen Ärzte" (Berl. 1864); "Geschichte der Augenheilkunde" (Leipz. 1877); "Über Verhütung und Bekämpfung der Volkskrankheiten" (Berl. 1875). Auch veröffentlichte er eine Sammlung der Arbeiten Heckers über die großen Volkskrankheiten des Mittelalters in erweiterter Bearbeitung (Berl. 1865) und ist seit 1866 Mitherausgeber von Virchows "Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen der Medizin". Mit Gurlt u. a. gibt er das "Biographische Lexikon der hervorragendsten Ärzte aller Zeiten und Völker" (Wien 1884 ff.) heraus.

6) Jenny, Schriftstellerin, geb. 25. Nov. 1829 zu Zerbst, war dort zuerst Privatlehrerin, redigierte dann 1860-64 den belletristischen Teil des "Bazar" in Berlin. Mit Begründung des Lette-Vereins zur Forderung höherer Bildung und Erwerbsthätigkeit des weiblichen Geschlechts übernahm sie 1866 das Schriftführeramt für denselben, welches sie bis 1883 bekleidete. Von 1870 bis 1882 gab sie die Zeitschrift "Der Frauenanwalt, Organ des Verbandes deutscher Frauenbildungs- und Erwerbsvereine." heraus. Außer vielen Aufsätzen und Erzählungen in Zeitschriften schrieb sie: "Fürstin Frau Mutter. Historische Erzählung" (Dresd. 1881).

7) Max, Volkswirt, geb. 30. Dez. 1832 zu Halberstadt, studierte in Tübingen, Heidelberg und Berlin Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaften, begründete 1859 in Berlin eine Verlagsbuchhandlung und wirkte auch als Lehrer im großen Berliner Handwerkerverein. Nach dem Tod seines Vaters (1862) übernahm er dessen umfangreiches Landesproduktengeschäft in Magdeburg, widmete sich aber dabei dem politischen und Vereinsleben und ward 1864 in den ständigen Ausschuß der deutschen Arbeiterbildungsvereine gewählt. 1867 siedelte er wieder nach Berlin über, um ganz den öffentlichen Angelegenheiten zu leben. Infolge einer Studienreise nach England veranlaßte er seit Herbst 1868, im Gegensatz zu den Bestrebungen der Sozialdemokraten, die Gründung der "deutschen (Hirsch-Dunckerschen) Gewerkvereine" (s. d.), als deren Anwalt und Herausgeber des Vereinsorgans "Der Gewerkverein" er in der Folge eine große organisatorische Thätigkeit entwickelte. 1869, dann 1877 und 1881 in den Reichstag gewählt, schloß er sich der Fortschrittspartei an und beteiligte sich namentlich an den Beratungen über die Gewerbeordnung und die Hilfskassengesetze. Auch ist er als Mitbegründer und Ausschußmitglied der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung zu nennen. Von seinen litterarischen Arbeiten erwähnen wir: "Über den Einfluß der Maschinen auf die Volkswirtschaft"; "Skizze der volkswirtschaftlichen Zustände in Algerien" (Götting. 1857); "Reise in das Innere von Algerien, durch die Kabylie und Sahara" (Berl. 1862); "Soziale Briefe aus England"; "Normalstatuten für Einigungsämter" (das. 1872); "Gutachten über den Arbeitsvertragsbruch" (Leipz. 1874); "Die gegenseitigen Hilfskassen und die Gesetzgebung" (Berl. 1875); "Gewerkvereinsleitfaden" (mit Polke, das. 1876); "Der Staat und die Versicherung" (das. 1881); "Das Krankenversicherungsgesetz vor dem Reichstag" (das. 1883); "Die hauptsächlichsten Streitfragen der Arbeiterbewegung" (das. 1886).

Hirschau, 1) Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, Bezirksamt Amberg, 422 m ü. M., von Weihern umgeben, hat 2 Kirchen, ein Schloß, eine berühmte Steingut- und Porzellanfabrik mit Porzellanmalereianstalt und großartigen Anlagen zum Erdschlämmen, Ziegel- und Kalkbrennereien, eine Dampfschneidemühle und (1885) 1879 meist kath. Einwohner. In der Nähe Granitsteinbrüche und große Sandlager, die bergmännisch für die Porzellanbereitung abgebaut werden. In H. ward 1415 Hieronymus von Prag gefangen genommen. - 2) Württemb. Dorf, s. Hirsau.

Hirschbart, die Barthaare der Berghirsche, welche, kokardenartig zusammengefaßt, wie die Barthaare der Gemse, als Jägerschmuck dienen.

Hirschberg, 1) H. in Schlesien, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, in anmutiger Lage am Einfluß des Zacken in den Bober, Knotenpunkt der Linien Kohlfurt-Sorgau und H.-Schmiedeberg der Preußischen Staatsbahn, 341 m ü. M., hat eine evang. Kirche (seit 1709, eine von den sechs sogen. Gnadenkirchen), 4 kath. Kirchen, eine Synagoge und (1885) mit der Garnison (Füsilier-Bat. Nr. 19) 15,622 meist evang. Einwohner. Die Industrie erstreckt sich auf Kammgarnspinnerei, Fabrikation von Brabanter Spitzen und Schleiern, Leinen- und Baumwollwaren, Rouleaus, Jalousien, Billards, Kartonagen, Zigarren, künstlichen Blumen, Maschinen, Papier (in der Stadt und Umgegend 10 Papierfabriken), Holz- und Strohstoff, Portlandzement, Porzellan, chemischen Waren, Champagner, Obstwein und Fruchtsäften; ferner hat H. eine Flachsbereitungsanstalt, lebhaften Handel in Getreide, Wein, Zement, Leinwand, Butter etc. Es bestehen daselbst ein Gymnasium, ein Waisenhaus, ein Landgericht (für die zwölf Amtsgerichte zu Bolkenhain, Friedeberg, Greifenberg, Hermsdorf, H., Lahn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg, Schömberg und Schönau), ferner eine

^[Abb.: Wappen von Hirschberg in Schlesien.]