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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hoffmannsche Tropfen; Hoffmansegg; Hoffmeister; Hoffmeyer; Hoffnung

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Hoffmannsche Tropfen - Hoffnung.

kam er nach Wien zurück. Von 1866 an malte er für das neue Operngebäude daselbst die Dekorationen zur "Zauberflöte", dann die zum "Freischütz" und zu "Romeo und Julie". Später führte er acht Zonenbilder im Palais Epstein in Wien, landschaftliche Wandgemälde im Schloß Hörenstein, die vier Lebensfreuden im Kursalon des Wiener Stadtparkes, fünf Bilder aus dem alten Athen (für Baron Sina) und die Entwürfe zu den Dekorationen für das Wagner-Theater in Baireuth aus. Er ist ein Vertreter des heroisch-historischen Stils in der Landschaftsmalerei. Seit 1867 ist er Mitglied der Wiener Kunstakademie.

Hoffmannsche Tropfen (Spiritus aethereus, Liquor anodynus mineralis Hoffmanni, Ätherweingeist), nach dem Arzt Fr. Hoffmann (s. d. 1), der ihren Gebrauch einführte, benannt, eine Mischung von 1 Teil Äther mit 3 Teilen Alkohol, riecht stark nach Äther und wird bei Ohnmachten, krampfhaften Affektionen, vorzüglich hysterischen, angewandt.

Hoffmansegg, Johann Centurius, Graf von, Entomolog und Botaniker, geb. 23. Aug. 1766 zu Dresden, studierte in Leipzig und Göttingen vorwiegend Naturwissenschaften, bereiste wiederholt mit Tilesius und Link Portugal, ging 1801 mit seinen Sammlungen nach Braunschweig, um sie mit Hellwig und Illiger zu ordnen und zu bearbeiten, und schickte zu ihrer Vervollständigung Sievers nach Brasilien. Die Herausgabe der "Flore portugaise" (Berl. 1809-40, 22 Hefte), eines wahren Prachtwerkes, leitete er selbst mit einem Aufwand von 50,000 Thlr., bis vom 19. Heft an die preußische Regierung die Fortsetzung übernahm. Die von Sievers eingesandten Naturalien bildeten mit dem bereits Vorhandenen die Grundlage des seiner Zeit berühmten Hellwig-Hoffmanseggschen entomologischen Kabinetts. Seit 1816 lebte H. meist in Dresden, wo er 13. Dez. 1849 starb.

Hoffmeister, 1) Franz Anton, Komponist, geb. 1754 zu Rothenburg am Neckar, studierte in Wien die Rechte und die Tonkunst, gründete dann daselbst eine Musikalienhandlung und wirkte gleichzeitig als Kapellmeister an einer Kirche bis 1798, wo er eine größere Kunstreise unternahm. Ende 1800 gründete er in Leipzig mit Kühnel die Musikalienhandlung "Bureau de Musique", welche später an Peters überging, nahm 1805 seinen Wohnsitz wieder in Wien und starb daselbst 10. Febr. 1812. H. war ein äußerst fruchtbarer und bei seinen Zeitgenossen beliebter Komponist; indessen sind fast alle seine Werke, bestehend in neun Opern (darunter der mit Beifall aufgeführte "Telemach, Prinz von Ithaka"), Symphonien, Sonaten, zahlreichen Flötenkonzerten, Quartetten, Trios etc., der Vergessenheit anheimgefallen; nur einige Gesänge von ihm haben sich erhalten.

2) Karl, Philolog, geb. 15. Aug. 1796 zu Billigheim bei Landau, studierte in Straßburg und Heidelberg Theologie, folgte 1816 seinem Lehrer Fries nach Jena, ward 1821 Rektor des Progymnasiums zu Mörs, 1832 Oberlehrer am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Köln und 1834 Direktor des Gymnasiums zu Kreuznach, von wo er 1842 nach Köln zurückkehrte, um das Direktorium des erwähnten Gymnasiums zu übernehmen. Er starb daselbst 14. Juli 1844. H. schrieb: "Erörterung der Grundsätze der Sprachlehre" (Essen 1830, 2 Bdchn.); "Die Weltanschauung des Tacitus" (das. 1831); "Sittlich-religiöse Lebensansicht des Herodotos" (das. 1832); "Romeo, oder Erziehung und Gemeingeist" (das. 1831-34, 3 Bde.), worin er in populärer Form eine Fülle sozialer und staatspädagogischer Ideen niedergelegt hat. Besonders verdient aber machte er sich durch das von warmer Begeisterung getragene Werk "Schillers Leben, Geistesentwickelung und Werke im Zusammenhang" (Stuttg. 1838-42, 5 Bde.), die erste größere Biographie Schillers aus den Quellen, mit welcher der Verfasser auch eine eingehende ästhetische Beurteilung der Schillerschen Werke verband, und die nachfolgenden "Supplemente zu Schillers Werken; aus seinem Nachlaß im Einverständnis und unter Mitwirkung der Familie Schiller herausgegeben" (das. 1840-1841, 4 Bde.). Aus dem erstern Werk lieferte Viehoff einen Auszug (mit Ergänzungen) unter dem Titel: "Schillers Leben für den weitern Kreis seiner Leser" (Stuttg. 1846, neue Bearbeitung 1876).

Hoffmeyer, Niels, Meteorolog, geb. 3. Juni 1836, widmete sich dem Militärstand, nahm an dem Krieg von 1864 teil, lebte aus Gesundheitsrücksichten 1865 bis 1866 in Frankreich, beschäftigte sich hier hauptsächlich mit Meteorologie und begründete 1872 in Dänemark ein meteorologisches Institut, welches Stationen in Grönland, Island und auf den Färöern ins Leben rief. Er starb 16. Febr. 1884 in Kopenhagen. Wesentliche Verdienste erwarb er sich durch die Zusammenstellung synoptischer Wetterkarten, welche die in einem gegebenen Moment herrschende Witterung auf ein größeres Gebiet darstellen; auch untersuchte er die Einwirkung oder Verteilung von Land und Wasser auf Temperatur und Luftdruck an den nordischen Küsten und den Gestaden des Mittelmeers.

Hoffnung (Spes), derjenige Affekt, welcher aus der Vorstellung eines zukünftigen Angenehmen, wie die Furcht (s. d.) aus jener eines zukünftigen Unangenehmen, entspringt. Dieselbe ist durch die Annehmlichkeit des Gehofften der Freude, durch die Abwesenheit desselben der elegischen Gemütsstimmung (Wehmut) verwandt, von jener durch die Beimengung der Trauer über die Abwesenheit des Erfreulichen, von dieser als rückwärts gekehrtem Affekt durch den Umstand unterschieden, daß das Erfreuliche nicht hinter, sondern vor dem Hoffenden liegt. Da die Vorstellung eines Angenehmen den Wunsch desselben erzeugt, so kommt der Affekt, der dessen Erreichung voraussieht, dem letztern entgegen; auf den Fittichen der Phantasie schwebt die H. dem Wunsch voraus, spornt den Geist zur Thätigkeit und erwärmt die sehnende Brust zu mutigem Aufschwung. Dennoch darf dieselbe, die nur eine flüchtige Gemütsbewegung ist, nicht mit der ältern und ernstern Schwester Zuversicht, welche deren habituell gewordener Gemütszustand ist, verwechselt werden. Beide haben das gemein, daß sie durch als bevorstehend gedachtes Glück, wie ihre Gegenstücke Furcht und Trostlosigkeit durch als bevorstehend gedachtes Unglück, verursacht sind. H. und Furcht aber entstehen plötzlich und vergehen wieder ebenso; Zuversicht und Trostlosigkeit wachsen allmählich an und gewinnen bleibende Dauer. Letztere beiden können daher durch besonnene Überlegung veranlaßt, auf richtige oder doch richtig scheinende Gründe gestützt werden; die wie ein Blitz aufflammende H. aber und die wie ein Donnerschlag lähmende Furcht stehen der Besinnung im Weg. Jene läßt am Eintreffen des Gehofften, diese an jenem des Gefürchteten auch nicht den Schatten des Zweifels aufkommen. Beide sind immer thöricht, während die Zuversicht und Trostlosigkeit verständig sein können, wenn auch eingeräumt werden muß, daß ohne die Gabe der H. manches Gute und Große nicht unternommen werden würde und durch die Gabe der Furcht manches Schlimme und Böse im Keim un-^[folgende Seite]