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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hofmanns Violett; Hofmannswaldau

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Hofmanns Violett - Hofmannswaldau.

schließlich der Verlegerthätigkeit. Der bei weitem erfolgreichste seiner Verlagsartikel ist das im Verein mit David Kalisch von ihm im Mai 1848 gegründete humoristisch-satirische Wochenblatt "Kladderadatsch", dessen schnelles Aufblühen, dessen Erhaltung in allen Stürmen der Reaktionszeit, dessen Aufschwung zu einem allbekannten Weltblatt nicht zum geringsten Teil seiner buchhändlerischen Umsicht, Gewandtheit und Energie zu verdanken ist. Erwähnung verdient auch die von ihm veranstaltete Sammlung der "Klassiker des In- und Auslandes" und die Herausgabe einer Anzahl künstlerisch illustrierter Prachtwerke. Der 1873 ins Leben getretene Allgemeine Verein für deutsche Litteratur dankt seine Entstehung hauptsächlich der Initiative Hofmanns, welchem die Leitung des Unternehmens übertragen wurde. In den letzten Jahren auch Besitzer des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters in Berlin, starb er 19. Aug. 1880.

6) Leopold Friedrich, Freiherr von, österreich. Minister, geb. 4. Mai 1822 zu Wien, studierte daselbst die Rechte und trat 1842 beim österreichischen Landgericht in den Staatsdienst. 1845 wurde er Konzeptsbeamter in der Staatskanzlei, 1847 Attaché bei der Gesandtschaft in Bern, 1848 dem deutschen Bureau des auswärtigen Ministeriums zugeteilt und 1851 zu Missionen nach Dresden und Berlin in der deutschen Frage verwendet. 1856 habilitierte er sich als Dozent für deutsches Staats- und Bundesrecht an der Wiener Universität. Nachdem er 1857 zum Ministerialsekretär, 1859 zum Legationsrat befördert worden, wurde er 1865 dem Statthalter von Holstein, Gablenz, als Adlatus beigegeben. 1869 ward er Sektionschef im auswärtigen Ministerium und erhielt die Preßleitung als Departement. Nach dem Tod Holzgethans ward er 1876 zum Reichsfinanzminister und zum Mitglied des Herrenhauses ernannt. 1879 ward ihm die obere Leitung der bosnischen Angelegenheiten übertragen. Doch nahm er schon 8. April 1880 seine Entlassung als Minister, da er es als eifriger Freund der Künste und Wissenschaften vorzog, als Generalintendant an die Spitze des Wiener Hoftheaters zu treten. Er starb 24. Okt. 1885.

7) Heinrich, Maler, geb. 19. März 1824 zu Darmstadt, studierte, nachdem er daselbst durch den Kupferstecher Rauch den ersten Unterricht in der Kunst erhalten hatte, in Düsseldorf unter Schadow und Hildebrandt. Er besuchte hierauf Antwerpen, Paris und München und lebte dann abwechselnd in Frankfurt a. M., Darmstadt, Dresden und Prag. Von 1854 bis 1858 weilte er in Italien, dort dem Einfluß von Cornelius sich hingebend. Nach Deutschland zurückgekehrt, ging er zunächst nach Darmstadt und ließ sich 1862 in Dresden nieder, wo er seit 1870 als Professor an der Akademie thätig ist. Von seinen meist biblischen Bildern nennen wir: die Grablegung Christi, König Enzio im Kerker, die Gefangennehmung Christi (von Felsing gestochen), die Ehebrecherin vor Christus (Dresdener Galerie), Christus predigend am See (Berliner Nationalgalerie), Venus und Amor, Romeo und Julie, Othello und Desdemona. Für Pechts "Shakespeare-Galerie" in Stahlstichen hat er Zeichnungen geliefert und war an der Ausschmückung des neuen Hoftheaters in Dresden und der Albrechtsburg in Meißen betheiligt. Alle Schöpfungen Hofmanns belebt ein warmer Schönheitssinn, welcher sich nicht nur durch edles Ebenmaß in Zeichnung und Komposition, sondern auch durch zartes und harmonisches Kolorit kundgibt. In der biblischen Malerei hält er an der idealistischen Auffassung der klassischen Zeiten fest.

8) Rudolf, lutherischer Theolog, geb. 3. Jan. 1825 zu Kreischa bei Dresden, studierte 1843-47 in Leipzig, ward, nachdem er seit 1850 im praktischen Amte thätig gewesen, 1854 Professor an der Fürstenschule zu Meißen und erhielt 1862 einen Ruf als Professor der Theologie und zweiter Universitätsprediger nach Leipzig. Unter seinen Schriften sind außer zwei Predigtsammlungen (1869 u. 1881) zu nennen: "Das Leben Jesu nach den Apokryphen" (Leipz. 1851); "Symbolik" (das. 1857); "Die Lehre vom Gewissen" (das. 1867).

9) Karl von, Staatsmann, geb. 4. Nov. 1827 zu Darmstadt, studierte die Rechte, ward Advokat, kam aber 1855 als Rat in das hessische Ministerium des Auswärtigen, begleitete 1864 den Bundesgesandten Grafen Beust auf den Londoner Kongreß, nahm 1866 als Bevollmächtigter Hessens an den Unterhandlungen des Friedens mit Preußen teil, wurde 1867 zum hessischen Gesandten in Berlin und Mitglied des Bundesrats des Norddeutschen Bundes als Vertreter Hessens ernannt und hatte in dieser Stellung bei den partikularistisch-absolutistischen Neigungen Dalwigks große Schwierigkeiten zu überwinden. Nach des letztern Entlassung wurde er 1873 an die Spitze der hessischen Staatsregierung gestellt und mit Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt. Während er im Bundesrat des Reichs als Vertreter Hessens seine deutsch-nationale Gesinnung entschieden bethätigte, führte er im Großherzogtum selbst lang ersehnte Reformen ein und ordnete namentlich 1875 das Verhältnis zur katholischen Kirche durch organische Gesetze im Sinn der preußischen Maigesetzgebung. Im Mai 1876 wurde er an Delbrücks Stelle zum Präsidenten des Reichskanzleramts und 1879 zum Staatssekretär des Reichsamtes des Innern sowie zum preußischen Minister für Handel und Gewerbe ernannt. Wegen einer Meinungsverschiedenheit mit dem Reichskanzler in der Arbeiterfrage nahm er im August 1880 seine Entlassung aus diesen Ämtern und ward 1. Okt. 1880 Staatssekretär für Elsaß-Lothringen in Straßburg. 1882 ward er vom Kaiser in den erblichen Adelstand erhoben.

10) Heinrich, Komponist, geb. 13. Jan. 1842 zu Berlin, machte seine Studien unter Kullak, Grell, Dehn und Wüerst und wurde zuerst durch seine "Ungarische Suite" für Orchester (1873) allgemeiner bekannt. Ihr folgten: die "Frilhjof-Symphonie", das Chorwerk "Melusine", ein Violoncellkonzert, "Minnespiel" (Walzer für gemischten Chor und Pianino), mehrere Kammermusikwerke, verschiedene Liederhefte und eine Reihe vierhändiger Klavierkompositionen, darunter "Italienische Liebesnovelle", "Ländler", "Liebesfrühling", "Neue ungarische Tänze", "Am Rhein". In neuerer Zeit hat er auf dem Gebiet der Oper, auf dem er bereits 1869 mit "Cartouche" debütierte, schöne Erfolge erzielt mit "Armin", der zuerst 1877 in Dresden, dann in Hamburg, Berlin u. a. O. aufgeführt wurde, der lyrischen Oper "Ännchen von Tharau" (Text von F. Dahn, zuerst 1878 in Hamburg, 1886 in Berlin aufgeführt), "Wilhelm von Oranien" (Hamburg 1882) und "Donna Diana", die 1886 in Berlin zur ersten Aufführung gelangte.

Hofmanns Violett, s. Anilin, S. 592.

Hofmannswaldau, Christian Hofmann von, einer der Stifter der schlesischen Zweiten Dichterschule, geb. 25. Dez. 1617 zu Breslau, wo sein Vater kaiserlicher Kammerrat war, erhielt daselbst und aus dem Gymnasium zu Danzig seine Schulbildung und studierte dann in Leiden die Rechte. Nach Vollendung seiner Studien bereiste er mit dem Fürsten von