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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hohenheim - Hohenlinden.

aus ethisch-christlichem Standpunkt" (Kassel 1847), "Die Jungfrau und ihre Zukunft" (Weim. 1854), die Kinderschriften: "Die Marquesasinsel" (Brem. 1853) und "Das Geheimnis des Glücks" (Weim. 1855) etc., nicht vorteilhaft einwirkte. - Ihre Tochter Elise von H., geb. 7. März 1812 zu Eschwege, seit 1831 vermählt mit dem preußischen Oberregierungsrat Karl Friedr. Rüdiger (gest. 1862), hat sich gleichfalls als Schriftstellerin bekannt gemacht. Von ihr erschienen: "Berühmte Liebespaare" (Leipz. 1870-1884, 4 Folgen); "Schöne Geister und schöne Seelen" (berühmte Freundschaften, das. 1875); "Der Roman des Lebens", Novellen (das. 1876, 2 Bde.); "Brevier der guten Gesellschaft" (das. 1876); "Romantische Biographien aus der Geschichte" (das. 1878); "Aus Goethes Herzensleben" (das. 1884).

Hohenheim, ehemaliges Lustschloß mit Domäne im württemberg. Neckarkreis, 11 km südlich von Stuttgart, zur Gemeinde Plieningen gehörig, 389 m ü. M., jetzt Sitz der berühmten höhern landwirtschaftlichen (bis 1881 auch forstwissenschaftlichen) Akademie, 1817 vom König Wilhelm von Württemberg gegründet, mit (1885) 20 Lehrern und etwa 70-100 Studierenden. Ausgestattet ist die Anstalt mit vorzüglichen Sammlungen von Naturalien, von landwirtschaftlichen Geräten und Modellen, mit physikalischen, chemischen und technologischen Laboratorien, Versuchsfeldern, botanischem Garten, Obstbaumschulen und einer Kunstgärtnerei; zugehörig sind ferner die Gutswirtschaft (mit über 300 Hektar Acker), eine chemisch-landwirtschaftliche Versuchsanstalt, eine Samenprüfungsanstalt und eine solche für landwirtschaftliche Maschinen. Unter gleicher Direktion stehen eine Ackerbauschule (Stiftung für württembergische Bauernsöhne) und eine Gartenbauschule. Auch hat H. eine Fabrik landwirtschaftlicher Geräte (besonders Modelle landwirtschaftlicher Maschinen zu Lehrzwecken). - H. gehörte ehedem dem berühmten Adelsgeschlecht, welchem Theophrastus Paracelsus entstammte, und fiel 1768 als eröffnetes Lehen dem Herzog Karl Eugen anheim, der 1782 das Schloß erbaute. Vgl. Frölich, Das Schloß und die Akademie H. (Stuttg. 1870); Derselbe, Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Akademie H. (das. 1868); Wolff, Die landwirtschaftlich-chemische Versuchsstation H. (Berl. 1871).

Hohenheim, 1) Franziska Theresia, Reichsgräfin von H., Herzogin zu Württemberg und Teck, Tochter des unbemittelten Freiherrn v. Bernardin, geb. 10. Jan. 1748 zu Adelmannsfelden, ward in ländlicher Abgeschiedenheit und anspruchslos erzogen und reichte nach dem Wunsch ihrer Eltern dem reichen, aber alten, häßlichen und rohen Baireuther Kammerherrn Freiherrn v. Leutrum ihre Hand. Auf Einladung des Herzogs Karl Eugen von Württemberg kam sie 1771 mit ihrem Gemahl nach Stuttgart, ward des Herzogs Geliebte und blieb an seinem Hof, als Leutrum ihn verließ; ihre Ehe mit demselben ward 1772 gelöst. Nachdem der Kaiser sie 1774 zur Reichsgräfin von H. erhoben, vermählte sich der Herzog mit ihr 1785; die Ehe ward 1786 öffentlich anerkannt. Durch Verstand, angenehme Sitten und liebenswürdige Weiblichkeit übte sie den wohlthätigsten Einfluß auf denselben und wirkte segensreich für Württemberg, das sie noch heute in dankbarem Angedenken hält. Nach des Herzogs Tod (1793) zog sie sich auf ihren Witwensitz zu Kirchheim unter Teck zurück, wo sie 1811 starb. Vgl. Vely, Herzog Karl von Württemberg und Franziska von H. (3. Aufl., Stuttg. 1877).

2) Theophrastus von, s. Paracelsus.

Hohenhöwen, Burgruine, s. Engen.

Höhenklima, s. Klima.

Höhen, korrespondierende, in der Astronomie gleiche Höhen eines Gestirns vor und nach seinem Durchgang durch den Meridian. Sie dienen zur Zeitbestimmung. Vgl. Melde, Theorie und Praxis der astronomischen Zeitbestimmung (Tübing. 1876); Zinger, Die Zeitbestimmungen aus korrespondierenden Höhen verschiedener Sterne (a. d. Russischen von Kelchner, Leipz. 1877).

Hohenkrähen, Bergkuppe des Schwäbischen Jura, im Hegau, nördlich von dem badischen Flecken Singen, 620 m hoch, mit Burgruine.

Höhenkreis (auch Vertikalkreis), in der Astronomie jeder durch Zenith und Nadir gehende, also auf dem Horizont senkrechte Kreis (vgl. Himmel, S. 545). H. heißt auch das astronomische Instrument, dessen man sich bedient, um die Höhen der Gestirne nach Graden, Minuten etc. zu messen. Zu Beobachtung der Höhe in der Ebene des Meridians dient der Meridiankreis (s. d.). Zu Höhenmessungen außerhalb des Meridians dienen Instrumente, die meist in der Weise konstruiert sind, daß eine vertikale Säule um ihre Achse drehbar ist. Dieselbe trugt an ihrem obern Ende die horizontale Achse eines drehbaren vertikalen Kreises, wie auch ein gleich großer konzentrischer Kreis fest mit der Säule verbunden ist, so daß man an einer auf einem der beiden Kreise angebrachten Teilung mittels des am andern befindlichen Nonius die Größe der Drehung messen kann, welche ein an der Achse des beweglichen Vertikalkreises angebrachtes und mit diesem zugleich bewegliches Fernrohr machen muß, um aus der horizontalen Stellung in der Richtung nach dem Stern zu gelangen.

Hohenleuben, Flecken im Fürstentum Reuß j. L., 367 m ü. M., hat ein Amtsgericht, Textilindustrie, Zigarrenfabrikation, Strumpfwirkerei und (1885) 1957 evang. Einwohner. Nahebei das fürstliche Schloß Reichenfels.

Hohenlimburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Iserlohn, an der Lenne und der Linie Hagen-Betzdorf der Preuß. Staatsbahn, 123 m ü. M., hat ein Amtsgericht, eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, eine höhere Stadtschule, Drahtziehereien, Hammerwerke, ein Puddlings- und Walz- und ein Stahlwerk, Fabrikation von Messinggußwaren, Werkzeugen, Tuch etc., Zeugdruckerei und Färberei, Leinweberei, Kalkbrennerei und (1885) 5836 meist evang. Einwohner. - H. ist der Hauptort der Grafschaft Limburg des Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda; das Schloß H. liegt auf einem Berg über der Stadt. Die alten Grafen von Limburg starben 1508 aus, ihre Besitzungen gingen auf die Grafen von Nuenar und um 1600 auf die Grafen von Bentheim-Tecklenburg über.

Hohenlinden, Pfarrdorf im bayr. Kreis Oberbayern, Distrikt Ebersberg, mit 300 Einw., bekannt durch den am 20. Sept. 1800 abgeschlossenen Waffenstillstand zwischen Österreich und Frankreich und die Schlacht 3. Dez. 1800 zwischen den Franzosen unter Moreau und den Österreichern unter dem 18jährigen Erzherzog Johann, welchem der General Lauer als Ratgeber beigegeben war, ein bejahrter und verdienter Offizier, der aber noch nie ein größeres Kommando geführt hatte. Die französische Armee, 70,000 Mann stark, stand auf dem Plateau zwischen Isar und Inn bei Rosenheim und Ampfing. Die Österreicher, über 60,000 Mann, hatten erst, den linken feindlichen Flügel umgehend, direkt auf München vorgehen wollen; da aber der Übergang über den Inn sich verzögerte,