Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Houchard; Houdetot; Houdon; Houghton; Houghton le Spring; Hougue, La; Hounslow; Houppelande; Houri; Housatonic

741

Houchard - Housatonic.

gen, geb. 1698 zu Dordrecht, zog mit seinem Vater nach Amsterdam, wo er bis in sein 80. Jahr thätig war und, meist Edelinck und Devret sich zu Vorbildern nehmend, mehr als 600 Porträte stach, die fast durchgehends sowohl in Hinsicht der Leichtigkeit, mit der sie ausgeführt sind, als durch die Kraft der Farbe einen hohen Wert haben. Seine erste größere Arbeit waren die Bildnisse zu seines Vaters kunsthistorischem Werk. Von Interesse ist die Sammlung der Bildnisse der Statthalter aus dem Haus Oranien-Nassau sowie die der vorzüglichsten Personen in Wagenaers "Vaterländischer Geschichte" und einer großen Anzahl von Gelehrten, Dichtern, Fürsten, Staatsmännern etc. H. starb 1780 in Amsterdam. Vgl. Verhuel, Jacobus H. et son œuvre (Par. 1875).

Houchard (spr. uschar), Jean Nicolas, General der franz. Republik, geb. 1740 zu Forbach in Lothringen, machte als Gemeiner in dem Reiterregiment Royal-Allemand den Siebenjährigen Krieg mit. Beim Ausbruch der Revolution Hauptmann im Dragonerregiment Bourbon, wurde er 1792 Oberst eines Jägerregiments zu Pferde, als welcher er sich unter Custine auszeichnete, so daß ihm 1793 an dessen Stelle der Oberbefehl über die Rhein-, dann über die Nordarmee übertragen wurde. Er brach mit seinem Korps 6. Sept. 1793 aus seiner Position bei Steenvorde und Bailleul hervor, warf das 18,000 Mann starke Beobachtungsheer des Feldmarschalls Freytag auf Hondschoote zurück und nahm 8. Sept. auch diese Position. Infolgedessen mußte der Herzog von York die Belagerung von Dünkirchen, welches Hoche verteidigte, aufheben und war der Plan der Alliierten, in Frankreich selbst einzudringen, vereitelt. Am 13. Sept. schlug H. die Holländer bei Menin, erlitt aber selbst 15. Sept. bei Courtrai durch den österreichischen General Beaulieu eine Niederlage, ward deshalb auf Befehl der Schreckensmänner verhaftet, als Vaterlandsverräter von dem Revolutionstribunal zum Tod verurteilt und 17. Nov. 1793 in Paris guillotiniert. Sein Sohn gab zu des Vaters Rechtfertigung die "Notice historique et justificative sur la vie militaire du général H." (Straßb. 1809) heraus.

Houdetot (spr. udetoh), Elisabeth Françoise Sophie de La Live, Gräfin von, geistreiche Französin, geboren um 1730, seit 1748 mit dem General d'H. verheiratet, gehört zu den litterarischen Berühmtheiten des 18. Jahrh. teils wegen ihrer langjährigen Beziehungen zu dem Dichter Saint-Lambert, mehr aber noch durch die glühende Neigung, welche sie J. J. Rousseau einflößte, der ihrer in seinen "Bekenntnissen" mit Leidenschaft gedenkt und ihrem Einfluß viel poetische Anregungen verdankt. Durch Herzensgüte und Geist gleich ausgezeichnet, verfaßte sie gelegentlich kleine, feinsinnige Poesien, die heimlich bei ihren Freunden zirkulierten. Sie starb, die letzte aus dem Kreis der Encyklopädisten, 22. Jan. 1813.

Houdon (spr. udóng), Jean Antoine, franz. Bildhauer, geb. 1741 zu Versailles, wurde Schüler Lemaires und Pigalles, gewann schon als 19jähriger Jüngling den großen Preis für die Skulptur, brachte sodann zu seiner weitern Ausbildung zehn Jahre in Italien zu und ließ sich hierauf in Paris nieder. Auf Einladung der Vereinigten Staaten ging er mit Franklin nach Philadelphia, um eine Statue Washingtons anzufertigen. Während der Revolution kam er vor das Revolutionstribunal, weil man ihn bei der Bearbeitung einer Statue der heil. Scholastika betroffen; sein Verteidiger aber erklärte diese für die Statue der Philosophie und rettete dadurch den Künstler. Er starb 16. Juli 1828 in Paris. Unter seinen Statuen sind besonders bemerkenswert: die sitzende Statue Voltaires (im Peristyl der Bühne des Théâtre français); die Statue Ciceros, dargestellt, wie er den Catilina aus dem Senat weist; die Fröstelnde (Museum zu Montpellier); Bronzefigur einer Diana (Louvre) und die Marmorstatue Washingtons (im Kongreßsaal in Philadelphia). Unter seinen zahlreichen Büsten ist die schönste und lebensvollste diejenige Molières. Andre Büsten von ihm sind diejenigen Glucks, Buffons, Mirabeaus, Rousseaus, d'Alemberts, Franklins, Barthélemys, Lafayettes, Napoleons I. und der Kaiserin Josephine. H. zeigte in seinen lebendig durchgeführten Arbeiten alle Vorzüge der Rokokokunst.

Houghton (spr. haut'n), Richard Monckton Milnes, Lord, engl. Politiker und Schriftsteller, geb. 19. Juni 1809 aus wohlhabender und angesehener Familie, studierte in Cambridge, wo er 1831 graduiert ward, trat schon 1837 als Vertreter der Stadt Pontefract ins Unterhaus und behielt diesen Sitz bis zu seiner Erhebung ins Oberhaus 1863. Ein Liberaler, unterstützte er Sir Robert Peel bei Abschaffung des Kornzolles, schloß sich dann an Lord Russell an, lehnte aber den Eintritt ins Ministerium Palmerston ab, obwohl er diesem seine volle Beihilfe lieh. Seine Thätigkeit im Parlament war vornehmlich auf die auswärtigen Angelegenheiten und auf die Gefängnisreform gerichtet. So brachte er 1846 die erste Bill von Besserungsanstalten jugendlicher Verbrecher ein; auch ist er Präsident des großen Besserungsinstituts zu Redhill. Er mißbilligte Gladstones russenfreundliche Politik 1876-80 und strebte die Versöhnung mit Irland an. Er starb 10. Aug. 1885 in Vichy. Mehrere Gedichtsammlungen aus seiner Feder wurden günstig aufgenommen, so: "Poems of many years", "Psalm leaves" etc. (gesammelt als "Poetical works", 2. Aufl. 1877, 2 Bde.). Auch zahlreiche kirchlich-politische Flugschriften sowie "Monographs, personal and political" (1873) und schließlich eine Denkschrift über W. S. Landor hat H. veröffentlicht.

Houghton le Spring (spr. hoht'n le), Stadt in der engl. Grafschaft Durham, südwestlich von Sunderland, hat eine ehrwürdige Kirche, Kohlengruben, Eisenwerke und (1881) 6041 Einw.

Hougue, La (spr. ügh, Hogue), Reede an der Ostseite der Halbinsel Cotentin im franz. Departement Manche, nahe von St.-Vaast de la H., an unwirtlicher Felsenküste, mit Fort und Leuchtturm. Hier 29. Mai 1692 Seesieg der englisch-holländischen Flotte unter Lord Russell über die französische unter Tourville.

Hounslow (spr. haunslo), Stadt in der engl. Grafschaft Middlesex, 13 km westlich vom Hyde Park (London), mit (1881) 7761 Einw., hat eine Kaserne, Pulvermühlen und Zementwerke. Vor dem Bau der Eisenbahnen war H. einer der belebtesten Postorte Englands; die benachbarte Heide (H.-Heath) wurde bis zu Anfang dieses Jahrhunderts durch Straßenräuber unsicher gemacht.

Houppelande (franz., spr. upplangd), langer, faltiger, oft bis zu den Füßen reichender, vorn offener Überrock, der mit einem Gürtel um die Hüften befestigt und besonders in Frankreich vom 14. bis 16. Jahrh. getragen wurde.

Houri, s. Huri.

Housatonic (spr. husatonnik), Fluß in den nordamerikan. Staaten, entspringt in dem nordwestlichen Winkel von Massachusetts, fließt zwischen den Taghonic- und Hoosachügeln durch ein fruchtbares Thal nach S. und ergießt sich nach einem Laufe von