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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Huhn; Hühnerauge

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Huhn (Hahnenkämpfe, Mythologisches etc.) - Hühnerauge.

ropa und Nordamerika von England aus einen mächtigen Impuls. Geflügelzüchtervereine (der erste in Deutschland 1852 zu Görlitz von Öttel gegründet), deren Anzahl in Deutschland sich jetzt auf nahezu 700 belaufen mag, Klubs für besondere Rassen, Ausstellungen mit Prämiierungen und Verlosungen, kurz der ganze Apparat des Sports hat sich seit etwa 20 Jahren der englischen und deutschen Geflügelzucht bemächtigt, nicht immer zu Nutz und Frommen der angestrebten Veredelung und Verbreitung der für die Volkswirtschaft so hochwichtigen Hühnerzucht.

Die Hahnenkämpfe (Alektryomachien) waren schon im Altertum gebräuchlich. In Athen wurden solche jährlich veranstaltet in der Erinnerung daran, daß die Athener aus dem Anblick zweier kämpfender Hähne eine gute Vorbedeutung für ihren Widerstand gegen die Perser genommen hatten. Auch in andern Städten Griechenlands, Kleinasiens und Siziliens, besonders aber in Rom waren Hahnenkämpfe beliebt. Man machte die Tiere durch Reizmittel kampflustig und versah sie mit eisernen Sporen. Die christliche Kirche eiferte gegen dies Vergnügen, aber durch das ganze Mittelalter und bis in die neueste Zeit waren Hahnenkämpfe in England, den Niederlanden, Italien, Deutschland wie auch in Zentralamerika, in Ostindien und China beliebt. In England wurden die Hahnenkämpfe systematisch geregelt, namentlich unter Heinrich VIII. und Karl II., und ersterer veranstaltete das erste große nationale Hahnengefecht in Westminster, das sich seitdem in dem Royal cockpit erhielt. In neuerer Zeit wurden die Hahnenkämpfe in England gesetzlich verboten, doch finden sie im geheimen noch immer statt.

In der Mythologie nahm der Hahn als besonders wachsames Tier eine vorzügliche Stelle ein. Er war als stets kampffertig dem Ares heilig, und sein Krähen wurde, besonders in Beziehung auf Krieg, für weissagend und siegverkündend gehalten. Zugleich war er aber auch dem Apollon (als Sonnengott), der Athene (als Zeichen der Wachsamkeit), dem Asklepios, dem Hermes, auch der Nacht und den Laren geweiht. Die Griechen opferten, von einer Krankheit genesen, dem Asklepios einen Hahn. Merkwürdig sind die heiligen Hühner (pulli) der Römer, die in einem Verschlag von dem Pullarius behufs der Vornahme der Auspizien (Alektryomantie) gepflegt wurden. Man zog einen Kreis, schrieb die Buchstaben des Alphabets in denselben, legte auf jeden ein Korn und ließ den hineingesetzten Hahn fressen. Die Buchstaben, von denen das Korn weggefressen wurde, stellte man zu der Antwort zusammen. Wegen seiner Verliebtheit erscheint der Hahn in den indischen Mythen als Begünstiger der Liebeshändel. Dieselbe Rolle spielte er bei den Griechen, und bei den Vermählungsfesten der alten Römer bezeichnete er den Bräutigam. Noch heutigestags weist das Sprichwort: "Hahn im Korbe sein" auf diese Spur. In Rußland führt man einen Hahn in einen Kreis junger Mädchen, von denen jede ein Haferkorn vor sich liegen hat. Diejenige, deren Korn er zuerst aufpickt, hofft sich zuerst zu verheiraten.

Bei den Persern gilt der Hahn als das tröstende Bild der Auferstehung aus der Todesnacht, und auf manchen Abraxasgemmen figuriert er als Hinweis auf die Sonne, wie er ja den Aufgang der Sonne oder den Anbruch des Tags anzuzeigen pflegt (s. Abraxas). Die Brahmanen verboten den Genuß seines Fleisches als unrein. Bei den Juden vertritt er die Stelle des Sündenbocks am Vorabend des Versöhnungsfestes. Im christlichen Volksglauben verscheucht der Hahnruf die bösen Geister (Havelot), weil dem Hahn selbst ein dämonischer Charakter zugeschrieben wurde. Die Völuspa (s. Edda) weist ihm neben dem Höllenhund Garmor seinen Platz in Helheim an, und noch im heutigen Volksglauben ist der Teufel an der Hahnenfeder kenntlich ("Faust"). Der Talmud gibt den Nachtgeistern Hahnenfüße. Die kriegerischen Gallier, welche wie die Römer den Mars zum Landesgott erwählten, haben mit demselben auch den Hahn in den Kauf genommen und ihn mit Anspielung auf ihren Namen zum Nationalzeichen gemacht. Bei den Böhmen erscheint der Hahn als Gesellschafter des später in den heil. Vitus umgetauften Sonnen- und Feuergottes Swantewit. Daher das Sprichwort vom "roten Hahn" (Feuersbrunst). Auf dem Kirchturm erscheint der Hahn als Symbol der Wachsamkeit, auch als Wetterprophet. Seit dem 15. Jahrh. gehört der Hahnenkamm zum Narrenputz, die Narren erhielten einen ausgezackten Streifen roten Tuches, und daher heißt noch heute bei den Engländern ein Narr oder Geck coxcomb. Übrigens stammt der Hahnenkamm auf der Narrenkappe wohl noch aus dem klassischen Altertum (vgl. Lukianos in den "Lapithen"), ein rechter Lustigmacher sollte Keckheit und Streitlust besitzen wie ein Hahn.

Vgl. Temminck, Histoire naturelle générale des Gallinacées (Amsterd. 1815, 3 Bde.); Fitzinger, Arten und Rassen der Hühner (Wien 1877); Drechsler, Die Zuchthühner (3. Aufl., Dresd. 1857); Wegener, Hühnerbuch (Leipz. 1861); Öttel, Der Hühner- oder Geflügelhof (7. Aufl., Weim. 1886); Schlitte, Anleitung zur Fleisch- und Fettproduktion unsers Hausgeflügels (Nordh. 1868); Fries, Die Geflügelzucht in ihrem ganzen Umfang (3. Aufl., Stuttg. 1883); Pribyl, Geflügelzucht (2. Aufl., Berl. 1884); Baldamus, Illustriertes Handbuch der Federviehzucht (2. Aufl., Dresd. 1881, 2 Bde.); Derselbe, Das Hausgeflügel (das. 1882); Völschau, Illustriertes Hühnerbuch (Hamb. 1884); Bungartz, Handbuch zur Beurteilung der Rassen des Haushuhns (Leipz. 1884); Dürigen, Geflügelzucht (Berl. 1885); Klasen, Die Federviehställe (Leipz. 1879); Zürn, Die Krankheiten des Hausgeflügels (Weim. 1882); Tegetmeier, Poultry book (neue Ausg., Lond. 1872); Piper, The poultry guide (4. Aufl. 1877); Arbuthnot, The henwife in her poultry yard (neue Ausg. 1879); Wright, Practical poultry-keeper (20. Aufl. 1885; deutsch, Münch. 1880); Derselbe, Illustrated book of poultry (neue Ausg. 1885). Zeitschriften: "Blätter für Geflügelzucht. Zentralorgan sämtlicher deutscher Geflügelzüchtervereine" (Dresden); "Pfälzische Geflügelzeitung" (Kaiserslautern); "Der praktische Geflügelzüchter" (Hannover); "Schleswig-Holsteinische Blätter für Geflügelzucht" (Kiel).

Hühnerauge (Krähenauge, Leichdorn, verdorben aus dem altdeutschen hörnin ouge, "hörnernes Auge"), eine hornartige Verdickung der Oberhaut an einer kleinen umschriebenen Stelle, welche zapfenartig mit einem harten Kern (Wurzel) in die Lederhaut eindringt und diese durch Druck verdünnt, ja ganz zum Schwinden bringt. Die Hühneraugen entstehen durch den anhaltenden Druck einer unpassenden, zu engen oder zu weiten Fußbekleidung, welche durch Reibung oder Druck an hervorragenden Stellen des Fußes einen Reizungszustand unterhält. Zuweilen bildet sich unter dem H. ein kleiner Schleimbeutel im Unterhautfettgewebe. Aufhebung der Reibung und des Druckes heilt das H. am sichersten. Einmal entstanden, muß es öfters geschnitten werden,