Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hyde - Hydrargillit.

zu hydatogenen und pyrogenen aus einem glutflüssigen, mit überhitztem Wasserdampf imprägnierten Magma durch Erstarrung gebildet wurden, Die in den Gemengteilen (Feldspaten und besonders häufig Quarzen) vieler Gesteine (Granit, Syenit, Quarzporphyr, Melaphyr) nachgewiesenen Flüssigkeitseinschlüsse werden als Reste dieses Wassergehalts des frühern Magmas gedeutet und als Analogien Daubrées Versuche citiert, dem die Darstellung von Quarz und Feldspat und die Umwandlung von Glaslaven in kristallinische Gemenge unter Anwendung überhitzten Wasserdampfes gelang.

Hyde (spr. heid'), engl. Feldmaß, s. Hide.

Hyde (spr. heid'), Fabrikstadt in Cheshire (England), 3 km von Ashton, mit Baumwollmanufaktur, Steinkohlengruben und (1881) 28,630 Einw.

Hyde (spr. heid'), Edward, s. Clarendon 1).

Hyde Park (spr. heid'), großer Park in London (s. d.).

Hyder (griech.), s. Hydra.

Hyderabad, Staat und Stadt, s. Haidarabad.

Hyder Ali, s. Haider Ali.

Hydnum (Stachelschwamm), Pilzgattung aus der Unterordnung der Hymenomyceten und der Familie der Hutpilze, ansehnliche Schwämme mit fleischigen, leder- oder korkartigen, gestielten oder stiellosen Hüten, deren unterseitiges Hymenium aus dicht beisammenstehenden, ganzen oder gespaltenen Stacheln besteht. Eßbar sind der braune Habichtschwamm (Hirschzunge, H. imbricatum L., s. Tafel "Pilze") und der gelbe Stachelschwamm (H. repandum L.).

Hydor (griech.), Wasser, oft in Zusammensetzungen (Hydro...).

Hydra (griech., Hyder), s. v. w. Wasserschlange, besonders lernäische H., das vielköpfige Ungeheuer in dem Sumpf Lernä, welches Herakles (s. d.) tötete; dann Name eines Sternbildes, s. Wasserschlange.

Hydra (Süßwasserpolyp), die einfachste Form der zu den Hydromedusen (s. d.) gehörigen Polypen, besteht aus einem schlauchförmigen Körper mit 6-8 um die Mundöffnung gestellten Tentakeln, die sich bis zu der verhältnismäßig enormen Länge von 20 m ausstrecken können und mit vielen spiralig angeordneten Nesselkapseln bedeckt sind. Er sitzt meist auf der Unterseite der Blätter der Teichlinse (Lemna) und fängt sich die zu seiner Ernährung dienenden kleinen Krebschen etc. mit Hilfe der Tentakeln. Interessant ist seine ungemein große Fähigkeit, verloren gegangene Teile wieder zu ersetzen. Nach den zuerst von Trembley angestellten Versuchen wachsen nicht nur abgeschnittene Tentakeln nach, sondern es bilden sich aus einem der Länge nach halbierten Polypen zwei neue etc. Auch sollte das Tierchen, wenn man es wie einen Handschuhfinger völlig umstülpte, so daß die Haut des Magens nach außen kam, ungestört fortleben; indessen hat diese letztere Angabe von dem neuesten Beobachter nicht bestätigt werden können. Die Fortpflanzung findet sowohl durch Knospung, durch welche sich also Kolonien bilden, als auch durch Eier statt. Vgl. A. Trembley, Histoire d'un genre de polypes d'eau douce (Leid. 1744); N. Kleinenberg, H., eine anatomisch-entwickelungsgeschichtliche Untersuchung (Leipz. 1872).

Hydra (bei den Alten Hydrea), griechische, zum Nomos Argolis u. Korinth gehörige Insel, 6 km von der Südostküste von Argolis, ist ein von SW. nach NO. langgestreckter, kahler, bis 597 m Höhe ansteigender Felsen von 52 qkm (0,94 QM.) Flächeninhalt, mit steilen Küsten, ohne Bäume und Quellen und mit geringem Anbau. Im Altertum spärlich bewohnt, zählte H. 1879: 7342 Einw., meist Nachkommen von Albanesen. Die Hydrioten zeichnen sich vor allen Insulanern des Archipels durch Unternehmungsgeist und Thätigkeit aus und sind ebenso geschickte und kühne Seeleute wie tapfere Krieger. Ganz auf das Meer angewiesen, gelangten sie, namentlich durch den Getreidehandel mit Südrußland, zu großem Reichtum. Die Volkszahl war 1813 angeblich bis zu 50,000 Seelen angewachsen, und das Vermögen der Familie Kondurioti allein schätzte man beim Ausbruch des Freiheitskriegs auf 14. Mill. Thlr. An letzterm nahm H. den lebhaftesten Anteil. Die Hydrioten allein rüsteten 100 Schiffe mit 2000 Kanonen aus und thaten sich als die kühnsten Seehelden hervor (Miaulis war in H. geboren). Ihr Ruhm ist von Dichtern vielfach verherrlicht worden; aber der äußere Glanz der Insel wurde gerade durch den Krieg vernichtet und ging auf Syra über. Hauptort der Insel ist die Stadt H. mit 6446 Einw. Sie ist Sitz eines Bischofs, hat enge und steile Straßen, aber schöne Häuser, einen sehr sichern Hafen, viele Kirchen (darunter eine prächtige Kathedrale) und eine Marineschule; sie betreibt Baumwoll- und Seidenweberei, Gerberei, Schiffbau, namentlich aber Schiffahrt, Schwammfischerei und Handel.

Hydrachnidae (Wassermilben), Familie aus der Ordnung der Milben (s. d.).

Hydrangea L. (Hortensie), Gattung aus der Familie der Saxifragaceen, holzartige, niedrig bleibende, bisweilen etwas kletternde Gewächse mit gegenüberstehenden, einfachen Blättern, großen, endständigen Blütenständen und häutiger, vielsamiger Kapsel. H. arborescens L. (amerikanische Hortensie), ein 1 m hoher Busch mit zahlreichen, unverästelten Stengeln, 10 cm im Durchmesser haltenden Blütenständen mit ziemlich kleinen, weißen Blüten, stammt aus Nordamerika und wird bei uns in Gärten kultiviert. H. opuloides (Hortensia) Lam. (echte Hortensie), aus China (und Japan?), bis 2 m hoch, blüht weiß, rot oder blau und wird vielfach bei uns in Töpfen kultiviert, hält in mildern Gegenden Deutschlands aber auch im Freien aus. Die "gefüllte" (d. h. nur mit großen, unfruchtbaren Blüten versehene) Abart wurde 1788 eingeführt und erhielt ihren Namen von dem Botaniker Commerson zu Ehren der Frau Hortense Lapeaute, welche ihren Gemahl, den Astronomen Lapeaute, der mit Commerson Mitglied der Bougainvilleschen Expedition war, begleitete. Die einfach blühende Form (mit fruchtbaren Blüten) wurde erst in neuester Zeit eingeführt. Die blau blühenden Formen hat man zum Teil als besondere Arten betrachtet; man glaubte sie durch Zusatz von Eisenvitriol zu der Erde erhalten zu können, doch glückte dies nicht immer. Sie finden sich auch in Japan und entstehen bei uns bisweilen ohne besonderes Zuthun.

Hydrangeen, Unterfamilie der Saxifragaceen (s. d.).

Hydrangium (griech.), Lymphgefäß; Hydrangiologie, Lehre von den Lymphgefäßen.

Hydrant (griech.), s. Feuerhahn.

Hydrárchos, s. Zeuglodon.

Hydrargillit (Gibbsit), Mineral aus der Ordnung der Hydroxyde, kristallisiert monoklinisch, bildet Tafeln oder Säulen, auch kugelige, radialfaserige und körnig-schuppige Aggregate, ist farblos, grünlich, rötlich, bläulich, glasglänzend, durchscheinend, Härte 2,5-3, spez. Gew. 2,34-2,39, besteht aus Aluminiumhydroxyd Al2H6O6 ^[Al_{2}H_{6}O_{6}] findet sich bei Slatoust am Ural, Villa rica in Brasilien, in Massachusetts, New York und Pennsylvanien.