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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Indische Religion und Philosophie; Indischer Balsam

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Indischer Balsam - Indische Religion und Philosophie.

bes, die Ostreihe in den Molukken. Die große Übereinstimmung des geologischen Baues sowie der Floren und Faunen dieser Inselgruppen nötigt zu der Annahme, daß dieselben Bruchstücke einer später auseinander gerissenen Landmasse sind, welche Asien und den Australkontinent in ähnlicher Weise verband, wie Zentralamerika die beiden Hälften der Neuen Welt noch jetzt verbindet. Die zusammenhängende Gebirgskette der Sundainseln hat im W. und S. den Rand dieser Landbrücke gebildet, die Molukken und Philippinen sind Trümmer des Ostrandes. Die die Verbindung mit Asien vermittelnde Landenge wäre an der Stelle von Celebes zu suchen. Neben einer eigentümlichen Fauna finden sich in der westlichen Hälfte des Archipels die Tierformen Indiens; im O. treten dagegen Beuteltiere und Kasuare auf, die sich sonst nur in Australien finden. Alle Inseln des Archipels sind, mit Ausnahme kleiner Koralleneilande, gebirgiger Natur und haben, wie es scheint, überwiegend plutonische Bildung. Durch die Großen und Kleinen Sundainseln, die Molukken und Philippinen erstreckt sich eine Reihe von Vulkanen, die meist unmittelbar aus der See oder der Ebene emporsteigen, oft auch paarweise beisammenstehen; im übrigen herrscht in der Gestaltung der Inseln auch große Verschiedenheit. Wo vulkanische Bildung vorwiegt, sind die Inseln langgestreckt, wo diese zurücktritt, nach Länge und Breite gleichmäßiger ausgedehnt. Der Indische Archipel hat ein tropisches, feuchtes, gleichmäßiges Klima und, mit Ausnahme der hohen Gebirgsgegenden, etwa +25° bis 26° C. Mittelwärme. Wechselnde Monsune scheiden die trockne und nasse Jahreszeit, nördlich vom Äquator April bis Oktober, südlich davon Oktober bis April. Die Inseln zeigen das üppige Pflanzen- und Tierleben der beiden indischen Halbinseln, die baumartigen Gräser und Farnkräuter, Kokos- und andre Palmen, die strotzenden Urwälder, zusammengesetzt aus edlen Holzarten, dem Sandel- und Ebenholz-, dem Acajou- und Teakbaum, sowie die mannigfachsten Gewürzbäume und Gewürzpflanzen: die Gewürznelke, die Muskatnuß, den Kampferbaum, welche sämtlich Hauptprodukte liefern, die neben Kaffee, Zucker, Indigo, Baumwolle, Manilahanf, Kochenille, Chinarinde, Vanille, Zimt, Tabak, Pfeffer, Rotang, Kautschuk, Zinn, Diamanten etc. in meist steigender Menge in den Handel kommen. In den feuchtheißen Sümpfen um die Küsten gedeiht der Reis, während im O. die Bevölkerung von dem Mark der Sagopalme lebt. Die Blumenwelt zeigt gigantische Erscheinungen, z. B. die Rafflesia Arnoldi; aus dem Tierreich finden sich der Elefant und der Königstiger, der Orang-Utan, das Zwergmoschustier, der Tapir, das Rhinozeros, zahlreiche, meist durch Farbenpracht ausgezeichnete Vögel, darunter die wichtige Salangane (Collocallia esculenta), doch sind einige der genannten Tiere nur gewissen Inseln eigentümlich. Die Bevölkerung des Indischen Archipels, deren Zahl auf über 25 Mill. angegeben wird, weist ebenfalls auf den oben erwähnten Zusammenhang mit Indien und Australien. Ursprünglich scheint er von einem dunkelfarbigen Volksstamm bewohnt gewesen zu sein, von dem sich nur noch hier und da schwache Überreste erhalten haben. Neben diesen besteht eine große Zahl von nahe verwandten Völkern eines hellfarbigen Stammes, der schon in alten Zeiten (hauptsächlich wohl infolge von Einwanderungen aus Indien) eine nicht geringe Stufe der Bildung erreicht hatte. Zu ihnen gehören die verschiedenen Volksstämme der Malaien (s. d.), die sich seit dem 12. Jahrh. von Sumatra aus über dem Archipel verbreitet und Staaten gegründet haben, deren Blüte später (im 16. Jahrh.) durch die Eroberungen der Europäer zusammensank. Zu diesen Bewohnern kommen noch etwa 2 Mill. eingewanderter Chinesen, besonders in Borneo, sowie zahlreiche Europäer. Seit der schon im Anfang des 16. Jahrh. erfolgten Festsetzung der Portugiesen in den Molukken waren diese im Indischen Archipel das herrschende Volk, bis die Niederländer, welche im Anfang des 17. Jahrh. ihre ersten Kolonien auf Java gründeten, ihnen den Vorrang abgewannen, den sie bis heute behauptet haben. Das Generalgouvernement von Niederländisch-Indien begreift jetzt bei weitem den größten Teil des Archipels; es umfaßt die Inseln Java und Madura, Sumatra, Borneo mit Ausnahme eines kleinen Teils im W. und NO., Celebes, Menado, Amboina, Ternate, den westlichen Teil von Timor, Bali und Lombok. Die nicht niederländischen Teile von Borneo gehören den Sultanen von Brunei und Sulu und dem Herrscher von Sarawak. Der östliche Teil von Timor steht unter der Herrschaft von Portugal als dessen einziger Besitz im Archipel. Dagegen besitzt Spanien die große Gruppe der Philippinen und den Suluarchipel. England hat erst neuerdings und zwar dem mit Holland getroffenen Abkommen entgegen im Indischen Archipel Besitz erworben; ihm gehört außer den Andamanen und Nikobaren die Insel Labuan, und unter seinem Protektorat steht das Gebiet der Nordborneogesellschaft. Gegenwärtig ist das Areal des Indischen Archipels in folgender Weise verteilt:

QKilometer QMeil. Bevölkerung

Niederländisch-Indien (1882) 1462400 26540 26771471

Sultanat Brunei 46000 835 125000

Sultanat Sulu 27000 490 75000

Sarawak 90000 1635 250000

Spanische Besitzungen (1881) 296182 5379 5636232

Britische Besitzungen (1881) 65347 1189 176426

Portugiesische Besitzungen 16300 296 300000

Zusammen: 2003229 36362 33334129

Das Christentum hat auf dem Indischen Archipel keine tiefen Wurzeln geschlagen. Die protestantischen Missionen finden bei der holländischen Verwaltung keine Unterstützung; scharf und zäh tritt ihnen außerdem der Islam entgegen. Dagegen ist es auf den Philippinen den katholischen Missionären gelungen, den größten Teil der Bevölkerung zu bekehren. Näheres siehe unter den die einzelnen Gebiete behandelnden Artikeln. Vgl. Backer, L'Archipel indien (Par. 1874); Bastian, Indonesien oder die Inseln des Malaiischen Archipels (Berl. 1884 ff.).

Indischer Balsam, s. v. w. Perubalsam.

Indische Religion und Philosophie. Die Gottheiten der nach Ostindien eingewanderten Arier sind zunächst und vorwiegend Naturgottheiten, die Kräfte und Gewalten der Natur in ihren mannigfaltigen Äußerungen, Erscheinungen und Beziehungen: Licht, Luft, Feuer, Wasser, Erde etc. Als solche sind zu nennen: Weda, Agni, Indra, Waruna, Rudra, Marut, Pardschanja, Açvin, Uschas, Sûrja, Wischnu, Aditja, Soma, Brihaspati (s. diese Artikel). Daneben ist die Verehrung der Seelen der Verstorbenen und die Ahnung von der Fortdauer der Seele nach dem Tod ein wesentliches Element der Religion (vgl. Jama). Die Gottheiten der wedischen Hymnen bilden kein festes System, sondern, noch in der Formation begriffen, verschwimmen sie vielfach ineinan-^[folgende Seite]