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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ingenieurgeographen - Inghirami.

im J. 1720 in Frankreich gegründet, worauf zum Zweck einer wissenschaftlichen Ausbildung der Ingenieure in Paris die Eröffnung der Zivilingenieurschale 1747, der polytechnischen Schule und der Schule für Straßen- und Brückenbau 1795 folgte. Seit dieser Zeit sind die auch in zahlreichen andern Ländern gegründeten technischen Hochschulen (s. d.) die Bildungsanstalten auch der Bauingenieure geworden. In der Gegenwart, worin die einzelnen Zweige der Technik sich immer mehr als Spezialbranchen entwickeln, unterscheidet man auch Maschinen- und Hütteningenieure, von welchen die erstern den Bau und die Aufstellung aller Arten von Maschinen, die letztern die Erzeugung und erste Verarbeitung der Metalle, insbesondere des Eisens, leiten.

Ingenieurgeographen (Geniegeographen), früher obere Militärbeamte (mit Offiziersrang) der geographisch-statistischen Abteilung des preußischen Generalstabs, welche bei der Landesvermessung thätig waren. Bei der Neuorganisation der Abteilung für die Landesaufnahme traten Trigonometer und Topographen an Stelle der I.

Ingenieurkomitee (Geniekomitee), eine aus Ingenieur- und Pionieroffizieren gebildete beratende Behörde zur Aufstellung und Prüfung von Entwürfen für Festungsbauten sowie aller in dies Gebiet schlagenden Fragen. In Deutschland ist das I. dem Chef des Ingenieurkorps (s. d.) unterstellt; in Österreich ist das Geniekomitee eine Abteilung des technischen und administrativen Militärkomitees.

Ingenieurkorps, s. v. w. Geniekorps (s. Genie). In Deutschland sind (Organisation vom 3. Aug. 1885) dem Chef des Ingenieur- und Pionierkorps und Generalinspekteur der Festungen das Ingenieurkomitee, die Inspektion der Militärtelegraphie, die 4 Ingenieur- und 2 Pionierinspektionen unterstellt. Die Ingenieurinspekteure leiten den Ingenieurdienst in den Festungen; ihnen sind die 10 Festungsinspektionen und diesen die Fortifikationsbehörden in den Festungen, an deren Spitze je ein Ingenieuroffizier vom Platz mit einer Anzahl Ingenieuroffizieren steht, unterstellt. Die Ingenieuroffiziere bilden vier Offizierkorps nach ihren Inspektionen, die Pionieroffiziere gehören zu ihren Bataillonen und tragen deren Nummer. Ingenieur- und Pionieroffiziere bilden demnach zwei getrennte Offizierkorps, doch ergänzen sich erstere aus den letztern, da nur die Pionierbataillone Offizierersatz ausbilden können, wie bei der Feld- und Fußartillerie. Die außerhalb der Etats dieser Korps, z. B. beim Ingenieurkomitee, verwendeten Offiziere werden à la suite einer Ingenieurinspektion oder eines Pionierbataillons geführt (s. Pioniere).

Ingenieuroffizier vom Platz, in Deutschland in jeder Festung Leiter des Festungsbauwesens und Vorstand der "Fortifikation", der für diesen Zweck dort bestehenden Festungsverwaltungsbehörde; er gehört zum Festungsstab und ist bei der Verteidigung Organ des Kommandanten.

Ingenieurpark, s. Belagerungspark.

Ingenieurschulen, Lehranstalten zur Ausbildung von Ingenieuroffizieren. Karl VI. gründete bereits 1716 I. zu Brüssel und Wien; letztere wurde 1758 Ingenieur-, 1851 Genieakademie und 1869 mit der Artillerieakademie vereinigt. 1742 wurden in Dresden, 1750 in Mézières, 1788 in Potsdam I. gegründet, aber nach und nach überall mit den Artillerieschulen (s. d.) vereinigt.

Ingeniös (franz.), sinnreich, scharfsinnig, erfinderisch; Ingeniosität, Erfindungsgabe.

Ingenĭum (lat.), Geist, Geistesanlage, Erfindungskraft; auch s. v. w. Mann von Geist.

Ingénue (franz., spr. ängschenüh), unschuldig-naives Mädchen (besonders als Bühnenrolle: "Naive").

Ingenuĭtät (lat.), ursprünglich der Stand eines Freigebornen, angeborne Freiheit; dann s. v. w. Aufrichtigkeit, Freimütigkeit, Unbefangenheit.

Ingenŭus, Statthalter Pannoniens, einer der sogen. Dreißig Tyrannen, wurde 258 n. Chr. von den illyrischen Legionen zum Kaiser ausgerufen, bald darauf aber (260) vom Kaiser Gallienus angegriffen und besiegt. Er fiel nach der einen Nachricht in der Schlacht, nach der andern tötete er sich selbst.

Ingerénz (lat.), Einmischung.

Ingermanland, ehemalige schwed. Provinz, jetzt ein Teil des russischen Gouvernements St. Petersburg, begreift den Strich Landes zwischen dem Ladogasee, der Newa, dem Finnischen Meerbusen, der Narwa und dem Pskowschen und Nowgorodschen Gouvernement. Von der ursprünglichen Bevölkerung, einem finnischen, den Karelen verwandten Stamm, der nach dem Fluß Inger oder Ischora Ingrier oder Ischoren genannt wird, sind etwa noch 18-20,000 (überwiegend Lutheraner) übrig. - Der Name I. kam erst aus, als das Land 1617 von Rußland, zu welchem es schon seit dem 13. Jahrh. gehört hatte, an Schweden abgetreten wurde. Peter d. Gr. eroberte das Land 1702 wieder, und im Frieden von 1721 wurde es abermals zu Rußland geschlagen und diesem unter Elisabeth 1743 bestätigt. 1783 wurde es mit dem Gouvernement St. Petersburg vereinigt.

Ingersheim, Flecken im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Rappoltsweiler, an der Fecht und am Fuß der Vogesen, Station der schmalspurigen Eisenbahn Kolmar-Kaysersberg, hat. Spinnerei, Spindelröhrchenfabrikation, Pottaschesiederei, Weinbau und (1885) 2442 kath. Einwohner.

Ingersoll, Stadt in der britisch-amerikan. Provinz Ontario, in fruchtbarer Gegend, 27 km östlich von London, mit Eisengießerei, Schweineschlächterei und (1881) 4318 Einw.

Ingésta (lat.), die in den Körper "eingeführten" Stoffe, besonders Speisen und Getränke, aber auch die Luft; Ingestion, der Akt der Einführung derselben.

Inghirāmi, Name einer toscan. Patrizierfamilie aus Volterra, von der sich folgende Glieder einen Namen erworben haben:

1) Tommaso, geb. 1470 zu Volterra, kam 1483 nach Rom und erntete als Schauspieler in antiken lateinischen Dramen, welche Kardinal Riario aufführen ließ, namentlich in der Rolle der Phädra, großen Beifall. Auch war er ausgezeichnet als lateinischer Redner und Dichter, ward von den Päpsten Alexander VI. und Leo X. mit Ehren überhäuft und erhielt von Kaiser Maximilian I. mit der Dichterkrone zugleich den Titel eines Comes palatinus. Er starb 6. Sept. 1516 in Rom. Von seinen Schriften sind nur sieben Reden auf uns gekommen.

2) Francesco, ital. Archäolog, geb. 1772 zu Volterra, besuchte seit 1785 die Kriegsschule in Neapel, wurde später Bibliothekar zu Florenz und gründete daselbst die Poligrafia Fiesolana zum Druck seiner Werke, welche beinahe alle historisch-archäologischen Inhalts sind und einen staunenswerten Fleiß bekunden. Als die hauptsächlichsten nennen wir: "Monumenti etruschi" (Flor. 1820-27, 10 Bde.); "Galleria Omerica" (das. 1831-38, 3 Bde. mit 390 Kupfern); "Pitture dei vasi fittili" (das. 1831-1837, 4 Bde. mit 400 Kupfern); "Museo etrusco