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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Invinzibel - Io.

rauschten kommt deren wahre Natur zu Tage. Der Ausdruck kommt in griechischer Sprache schon in Platons "Symposion" vor.

Invinzibel (lat.), unüberwindlich.

Inviolabel (lat.), unverletzlich, unantastbar.

Invisibel (lat.), unsichtbar.

Invita Minerva (lat.), "wider den Willen der Minerva", d. h. ohne die gehörigen Anlagen, ohne Fähigkeit und Geschick (etwas unternehmen).

Invitatorium (neulat.), im allgemeinen das Zeichen, womit zum Gottesdienst, besonders zum Frühgottesdienst, der Matutine, eingeladen wird. Die Klostergeistlichen wurden mit "Venite, adoremus", die Nonnen mit "Halleluja" geweckt. Diese Sitte ging in den öffentlichen Gottesdienst über, wo man unter I. insbesondere die Antiphonie versteht, in welcher, nach dem Breviarium romanum, auf den Zuruf: "Venite, exultemus Domino!" geantwortet wird: "Adoremus Dominum, qui fecit nos".

Invitieren (lat.), höflich auffordern, einladen; Invitation, Einladung.

Invituperabel (lat.), untadelhaft.

Invocavit (lat.), Name des ersten Fastensonntags, nach den Worten Ps. 91, 15: "I. me et ego exaudiam eum", womit an diesem Tag der katholische Gottesdienst beginnt. S. Quadragesima.

Invoice (engl., spr. innweus), spezifizierte Warenrechnung, Faktur.

Invokation (lat.), Anrufung.

Involucellum (lat.), s. v. w. Hüllchen, s. Hülle.

Involucrum (lat.), s. Hülle.

Involution (lat., "Einwickelung, Einhüllung"), nach dem jetzt verlassenen Sprachgebrauch älterer Algebraiker die Erhebung zu einer Potenz, im Gegensatz zur Evolution oder Wurzelextraktion. Heutigestags spielt die I. in anderm Sinn eine wichtige Rolle in der Geometrie. Die Punkte einer Geraden sind in I., wenn jedem Punkte derselben ein andrer zugeordnet ist, so daß mit dem einen Punkt eines solchen Paars auch der zweite gegeben ist. Diese Beziehung läßt sich dadurch herstellen, daß man durch zwei Punkte außerhalb der Geraden beliebig viele Kreise legt, welche die Gerade schneiden; je zwei auf demselben Kreis liegende Punkte der Geraden bilden dann ein Paar zusammengehörige Punkte der I. - In der Medizin versteht man unter I. die Rückbildung des Körpers im höhern Alter.

Involvieren (lat., "einwickeln"), einschließen, mit in sich begreifen.

Invulnerabel (lat.), unverwundbar; Invulnerabilität, Unverwundbarkeit.

Inzersdorf, Dorf in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Sechshaus, am Wienerberg, an der Liesing und an der Wien-Pottendorfer Bahn, mit (1880) 8317 Einw., einer Irrenanstalt, Druckwarenfabrik und einem großartigen Etablissement der Wienerberger Ziegelfabrik- und Baugesellschaft, welches außer Ziegeln Thonwaren verschiedenster Art, Terrakotten und Bauornamente liefert.

Inzést (lat. Incestus, Blutschande), der Beischlaf zwischen nahe verwandten oder verschwägerten Personen. Dieser ist bei allen Kulturvölkern aus sittlichen und sozialpolitischen Gründen für strafbar erklärt worden, denn die Geschlechtsgemeinschaft zwischen nahe verwandten Personen schädigt die Reinheit und das sittliche Wesen der Familie und des verwandtschaftlichen Verkehrs, wie sie erfahrungsmäßig auch zur Degeneration der Nachkommenschaft führt. Das deutsche Reichsstrafgesetzbuch bestraft den Beischlaf zwischen Verwandten auf- und absteigender Linie, also namentlich zwischen Eltern und Kindern (schwere Blutschande), an den erstern mit Zuchthaus bis zu fünf, an den letztern, als den nach Reife, Stellung und Einfluß minder strafwürdigen, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren, wobei aber vorausgesetzt wird, daß der zu Bestrafende das verwandtschaftliche Verhältnis gekannt hat. Dieselbe Voraussetzung gilt für die sogen. einfache Blutschande, welche in dem Beischlaf zwischen Verschwägerten in auf- und absteigender Linie (Schwiegereltern und Schwiegerkindern, Stiefeltern und Stiefkindern) oder zwischen Geschwistern besteht und mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft werden soll. Für beide Arten des Inzestes gilt übrigens die Bestimmung, daß der Verwandte oder Verschwägerte absteigender Linie straflos bleiben soll, wenn er das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Vgl. Deutsches Strafgesetzbuch, § 173.

Inzéstzucht, s. Viehzucht.

Inzicht, Beschuldigung, Anzeige (s. Indiz).

Inzidént (lat.), einfallend; zufällig, beiläufig.

Inzidéntfeststellungsklage, s. Zwischenstreit.

Inzidénzpunkte (Inzidéntsachen), Zwischenfälle, Zwischenangelegenheiten, welche während des Verlaufs einer andern Angelegenheit zu erledigen sind, insbesondere die während eines schon begonnenen Rechtsstreits entstehenden Nebenstreitigkeiten; Inzidentstreit, s. Zwischenstreit.

Inzidénzwinkel, s. v. w. Einfallswinkel, s. Spiegelung und Brechung des Lichts.

Inzipieren (lat.), anfangen; Inzipiént, Anfänger, Lehrling.

Inzision (lat.), das Einschreiben, der Einschnitt (chirurgische Elementaroperation); auch s. v. w. Cäsur.

Inzivil (lat.), unhöflich; Inzivilität, Unhöflichkeit; Inzivilismus, Mangel an Bürgersinn.

Inzucht, s. Viehzucht.

Io (spr. i-o), in der griech. Mythologie die schöne Tochter des Inachos, nach andern des Jasos und der Peitho, war Priesterin der Hera zu Argos und wurde wegen ihres Liebesverhältnisses zum Zeus von der eifersüchtigen Hera in eine Kuh verwandelt, welche den alles sehenden Argos zum Hüter erhielt. Um die Kuh zu entführen, tötete Hermes im Auftrag des Zeus den Argos durch einen Steinwurf (daher angeblich sein Beiname "Argostöter"); Hera aber sandte der Io aus Rache dafür eine Bremse (d. h. machte sie wahnsinnig) und trieb sie in unsteter Flucht durch alle Länder Europas und Asiens, bis sie endlich in Ägypten Ruhe fand, ihre Menschengestalt wieder erhielt und von Zeus den Epaphos (s. d.) gebar. Die Deutungen des Mythus sind verschiedenartig. Schon die Alten sahen in Io ("Wandlerin") den Mond. Ihnen folgen Hug und Creuzer sowie Welcker u. a. (die wandernde Io der Mond in seinem Kreislauf, der hundertäugige Argos der Sternenhimmel). G. Hermann sucht den Schlüssel zur Deutung des Mythus in dem jährlichen Anschwellen des Nils; Buttmann sieht Io für eine Personifikation des Ionierstammes; Forchhammer ("Die Wanderungen der Inachostochter Io", Kiel 1881) für die der Nässe an. Noch andre halten Io für eine Erdgöttin, eine Ansicht, welcher wenigstens die Kuhhörner der Io nicht widersprechen, da die Kuh auch das Symbol der Erde ist; so J. Overbeck ("De Ione telluris non lunae dea", Leipz. 1872). Auf Bildwerken erscheint sie entweder als gehörnte Jungfrau oder als die von Argos bewachte Kuh. Berühmt ist das Gemälde Correggios im Museum zu Berlin, wo Io von dem in einer Wolke verhüllten Zeus umarmt wird. Vgl. Plew in den "Jahrbüchern für Philologie" (Bd. 107, S. 697 ff.);