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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italienische Litteratur

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Italienische Litteratur (17. und 18. Jahrhundert).

Lazzarellis "La Cicceide", Giambattista Lallis "La Moscheide" und "La Franceide", Lorenzo Bellinis "La Bucchereide", Ippolito Neris "La presa di Samminiato". Als ein Spätling und ein letzter Nachklang einer längst verschollenen Zeit verdient das romantische Epos "Ricciardetto" des römischen Prälaten Niccolò Forteguerra (gest. 1735) eine ehrenvolle Erwähnung. In die Zahl der komischen Dichtungen gehört ohne Zweifel auch noch die poetische Bearbeitung eines ältern Volksbuches: "Astuzie di Bertoldo" von Giulio Cesare Croce (gest. 1620), einer Art von Eulenspiegel, welches unter dem Titel: "Bertoldo con Bertoldino e Cacasenno" von 20 verschiedenen Verfassern italienisch geschrieben, nachher von ebenso vielen Damen in die bolognesische Mundart übersetzt ward. Ebenso wurden die Späße des Gonello, eines Hofnarren des Herzogs Borso von Ferrara aus dem 14. Jahrh., von Giulio Cesare Becelli (gest. 1750) in Ottave Rime gebracht. Ein wunderliches, in der italienischen Litteratur ganz vereinzelt stehendes Gedicht ist der "Cicerone" von Giovanni Carlo Passeroni (gest. 1803), eine sehr ins Breite und Geschwätzige ausartende Satire auf die Zeit des Dichters. Geistreich, aber ganz durchdrungen von der frivolsten französischen Manier ist der Abbé Giambattista Casti (gest. 1803) in seinen "Animali parlanti" und noch mehr in seinen witzigen, aber schlüpfrigen "Novelle galanti". Die zuerst im 18. Jahrh. poetisch bearbeitete Fabel hat außer den beiden schon genannten Passeroni und Casti noch aufzuführen: Aurelio Bertola (gest. 1798), welcher zuerst versuchte, Geßners Manier nach Italien zu verpflanzen, und Lorenzo Pignotti (gest. 1812); ferner Luigi Clasio (Fiacchi) aus Toscana (gest. 1825), der sich durch vorzügliche Sprache auszeichnet. Das Beste dieser Art ist vereinigt in der "Raccolta di apologhi scritti nel secolo XVIII". Die Satiren Virginia Cesarinis, Lorenzo Azzolinis sowie Lodovico Adimaris sind verschollen. Mehr, als es geschieht, verdienten die "Sermoni" des Chiabrera (gest. 1637) und die Satiren des Jacopo Soldani (gest. 1641) beachtet zu werden. Außer diesen hat dieser Zeitraum nur einen wahrhaft originellen Dichter dieser Art aufzuweisen, Salvatore Rosa (gest. 1673), dessen sechs Satiren, weil sie zu persönlich und bitter sind, lange nicht gedruckt werden durften. - Von den didaktischen Dichtern dieser Periode ist der berühmteste Giambattista Spalverini (gest. 1763), dessen "Coltivazione del riso" von den Italienern als eins ihrer besten Lehrgedichte angesehen wird. Erwähnung verdienen noch: Giovanni Vincenzo Imperiali (gest. 1645) wegen seines "Stato rustico", Zaccaria Betti (gest. 1788) wegen seiner "Bachi da seta" und Bartolommeo Lorenzi (gest. 1822), glücklicher Improvisator und Verfasser des Lehrgedichts "Coltivazione de' monti".

Die dramatische Poesie ist zu keiner Zeit die glänzende Seite der italienischen Litteratur gewesen, am wenigsten im 17. Jahrh., wo zwar großer Luxus mit Errichtung von Theatern getrieben und große Summen auf Dekorationen und Maschinerie verwandt wurden, aber alles nur, um die Lust des Publikums an der Oper und an äußerm Glanze zu befriedigen. Bombastisch und hohl, ohne Wahrheit und ohne Interesse, oft bis zum Albernen und Lächerlichen herabsinkend sind die meisten Produkte der zahlreichen Tragiker jener Zeit, unter denen höchstens, als die minder unvollkommenen, Giovanni Delfino und Antonio Carraccio zu erwähnen sind. Die blinde Nachahmung der spanischen Dramatiker namentlich artete in Unsinn und ins Lächerliche aus. Später versuchte man das Publikum durch Dramatisierung alter Legenden, abenteuerliche Darstellungen heiliger Gegenstände und durch Bearbeitung von aus der Bibel entlehnten Stoffen anzuziehen. Von dieser Art ist der durch die Sage, daß Milton durch ihn zu seinem "Paradise lost" veranlaßt worden, berühmt gewordene "Adamo" (1613) von dem Schauspieler Giambattista Andreini. Später, als der Ruf der französischen Dramatiker nach Italien drang, ahmte man diese nach, ohne ihnen jedoch gleichkommen zu können. Der erste, der die französische Tragödie und zwar nicht bloß ihre Methode, sondern auch ihren Vers nach Italien zu verpflanzen suchte, war der Bolognese Pier Jacopo Martello (gest. 1727). Das Beste, was das 18. Jahrh. im Tragischen hervorgebracht, ist ohne Zweifel die "Merope" des schon erwähnten Scipione Maffei (gest. 1755). Ihm steht nicht unwürdig zur Seite der auch als Mathematiker bekannte Antonio Conti aus Padua (gest. 1748), obwohl seine vier Tragödien wenig Aufsehen machten. Gänzlich verschollen sind die Produkte Pietro Chiaris aus Brescia (gest. 1788), welcher in der letzten Hälfte des 18. Jahrh. viele mittelmäßige Komödien und Tragödien, auch einige unbedeutende Romane geschrieben hat. Reicher und bedeutender waren die Leistungen der Italiener während dieses Zeitraums in der Komödie, wobei nicht vergessen werden darf, daß trotz aller Anfeindungen die schon früher erwähnte Commedia dell' arte sich bis herauf in die neueste Zeit behauptete. Oft waren die Schauspieler auch selbst Verfasser dieser kurzen Stücke, welche nicht selten nach dem Muster eines andern, der schon sein Glück damit gemacht, zugeschnitten und dem Publikum dargeboten wurden. Einer dieser Dichter und Schauspieler, Flaminio Scala, erwarb sich großen Beifall mit seiner Truppe in Paris und hat eine bedeutende Zahl seiner Stücke sogar herausgegeben. Noch mehr Aufsehen erregten in Paris die Talente des Neapolitaners Tiberio Fiorelli (gest. 1696), welcher unter dem Namen Scarramuccia ein für Molière gefährlicher Nebenbuhler war. Auch Salvatore Rosa that sich unter dem Namen Signore Formica durch gleiches Talent in Rom und Florenz hervor. Im Anfang des 17. Jahrh. blühte die Komödie vorzüglich in Neapel. Der berühmteste unter den dortigen Dichtern ist Giambattista della Porta (geb. 1615), dessen 14 Komödien zum Teil dem Plautus nachgebildet sind; nächstdem erregen die beiden Stücke: "La fiera" und "La Tancia" des jüngern Michelangelo Buonarroti (gest. 1646) unser Interesse. In den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrh. ward dann die italienische Komödie zugleich mit den Sitten der höhern Gesellschaft ganz dem französischen Einfluß unterthan: an die Stelle des hohlen Bombastes trat nunmehr grenzenlose Nüchternheit, und erst als ein nationaler Geist im 18. Jahrh. zu erwachen begann, vermochte auch das Lustspiel einen Aufschwung und nationalen Charakter anzunehmen. Von den Talenten, welche das 18. Jahrh. für die Komödie entwickelt hat, sind zunächst zu nennen: Girolamo Giglio (gest. 1722), obschon derselbe mehr Übersetzer und Nachahmer als selbständiger Dichter war (nur "La sorella di Don Pilone" hat einigermaßen originale Haltung); der Lyriker Giambattista Fagiuoli (gest. 1742), der mehrere nicht eben bedeutende Komödien schrieb; der Marchese Liveri aus Neapel, der zwischen 1740-50 besonders durch reich ausgestattete Volksszenen Aufsehen erregte; endlich der oben erwähnte Pietro Chiari (gest. 1788), dessen zahlreiche, wenn