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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jagd

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Jagd (Jagdschutzvereine etc.; Jagdlitteratur).

auf den Domänen den Revierverwaltern, resp. den Domänenpachtern verpachtet ist, während die hohe und mittlere J. für den Fiskus administriert wird. Auf den Gemeinde- und Kommunalgrundstücken wird die J. auf den daraus gebildeten Jagdbezirken verpachtet, und hierdurch ist es ermöglicht, daß die Gemeinden erhebliche Pachtbeträge beziehen, sowie daß größere Schichten der Bevölkerung sich Jagden anpachten können, wodurch das den Körper stärkende und die Sinne schärfende Jagdvergnügen immer weitere Ausbreitung gewonnen hat. Zur Hebung und größern Sicherung der Wildstände sind in neuerer Zeit in kleinern und größern Kreisen Jagdverträge und Jagdschutzvereine entstanden. Dieselben bezwecken teils eine gleichmäßige Ausübung der J. auf bestimmte Wildgattungen und Geschlechter (z. B. Nichtabschuß starker Hirsche behufs Erzielung stärkern Wildbrets und vollkommener ausgebildeter Geweihe oder bei Rehen die Schonung sämtlicher Ricken für mehrere Jahre zur Hebung des Rehstandes größerer Jagdbezirke), teils sind dieselben zur gemeinschaftlichen Anpachtung bedeutender Flächenkomplexe für bestimmte Jagdarten, namentlich die Hetzjagden mit Windhunden, oder zur Hebung des Sports durch (Parforce-) Jagen mit Jagdhundmeuten, welche auf Vereinskosten unterhalten werden, geschlossen worden. Auch haben jene Vereine die Tendenz, sich gegenseitig selbst und die Staatsbehörden in Bezug auf Durchführung der Gesetze über Jagdpolizei und Wildschonung zu unterstützen sowie den Wilddiebstahl und den Handel mit gestohlenem Wildbret nachdrücklich zu verfolgen. Sie erreichen die letztgedachten Zwecke durch Prämienzahlung für entdeckte Wilddiebstähle und durch Benutzung der Presse. Außerdem haben sich Vereine gebildet, welche sich die Aufgabe stellten, die Erhaltung und Züchtung reiner Hunderassen zu erstreben und zu fördern (s. Hund, S. 802). Auch die Jagdlitteratur (s. unten) ist in neuerer Zeit ebenso wie die Litteratur über die Kynologie durch eine überaus große Zahl von Büchern und Zeitschriften bereichert worden.

Endlich sind auch die Jagdgewehre (s. d.) in neuerer Zeit durch Erfindung der Hinterlader sehr wesentlich verbessert und vervollkommt worden.

Jagdlitteratur.

In "Tristan und Isolde" von Gottfried von Straßburg finden wir die ältesten Spuren deutscher Jagddichtung. Aus ungefähr gleicher Zeit stammt für die Falknerei ein Werk des Kaisers Friedrich II., "De arte venandi cum avibus", Kaiser Maximilians I. "Geheimes Jagdbuch" (1508) und "Der geöffnete Fechtboden, Reitstall und Jägerhaus" (Hamb. 1506); den forstlichen Interessen zugleich dienend: Noe Maurer, Jagd- und Forstrecht (Frankf. a. M. 1561); ferner: "Neuw Jag vnnd Weydwerk Buch" (das. 1582); sodann: "New Jägerbuch: Jacoben von Fouilloux, einer führnehmen Adelsperson in Frankreich etc." (Straßb. 1590; letzte deutsche Ausgabe, Danz. 1726). Hervorragende Wichtigkeit hat die "Oeconomia ruralis et domestica, darinne das ganze Ampt aller treven Hauß Väter, Hauß Mütter... auch Wild- und Vogelfang, Weidwerk, Fischerei, Holzfällung, von Jacob Coler" (Wittenb. 1591-1601, viele spätere Auflagen) und die "Fürstliche Jäger-Burg von Vit. Bremer" (Hamb. 1657). Eine hohe jagdliche Autorität besitzen wir in Hans Friedrich v. Flemming, Der vollkommene teutsche Jäger (Leipz. 1719), welchem sich gleichwertig anschließt: Döbel, Neu eröffnete Jäger-Praktica oder vollständige Anweisung zur hohen und niedern Jagdwissenschaft (das. 1746; 4. Aufl., neu [aber schlecht] bearbeitet von Döbel u. Benicken, 1828). Aberglaube und Geheimniskrämerei durchdringen bei dem Mangel wirklicher wissenschaftlicher Begründung die Werke der ältern Jagdautoren, doch sind sie durchweht von einem gewissen romantischen Hauch. Erst am Ende des vorigen Jahrhunderts beginnt Bechstein in seinem "Vollständigen Handbuch der Jagdwissenschaft" (Nürnb. 1801-1809, Gotha 1820-22) die Jagdkunde wissenschaftlich zu behandeln. An seine bahnbrechende litterarische Thätigkeit reihen sich an: Jester, Die kleine J. (Königsb. 1793; 5. Aufl. von Riesenthal, Leipz. 1884; für angehende Jäger); Hartig, Lehrbuch für Jäger (Stuttg. 1811, 10. Aufl. 1877); Dietr. aus dem Winckell, Handbuch für Jäger, Jagdberechtigte und Jagdliebhaber (Leipz. 1804-1805; 5. Aufl. von Tschudi, 1878, 2 Bde.); Gödde, Die J. und ihr Betrieb in Deutschland (2. Aufl., Berl. 1881). Dazu sind noch zu erwähnen: Pfeil, Vollständige Anweisung zur Jagdverwaltung und Jagdbenutzung (Leipz. 1848); Diezel, Erfahrungen aus der Niederjagd (Offenb. 1849; 5. Aufl. von v. d. Bosch, Berl. 1880); Boner, Tiere des Waldes (a. d. Engl., Leipz. 1862); Grunert, Jagdlehre (Hannov. 1879 bis 1880, 2 Bde.); v. Riesenthal, Das Weidwerk (Berl. 1880); v. Nolde, J. und Hege des europäischen Wildes (das. 1883); Ponetz, Jagdkunde (Prag 1884); Corneli, Die J. und ihre Wandlungen (Amsterd. 1884); Horn, Jagdsport (Wien 1882). Monographien über unsre einzelnen Wildarten s. bei den betreffenden Artikeln. Das bedeutendste Werk über Tiergärten ist das vom Grafen Mellin: "Unterricht, eingefriedigte Wildbahnen oder große Tiergärten anzulegen" (Berl. 1800). Jagdlexika wurden herausgegeben von v. Hartig (2. Aufl., Berl. 1861), v. Riesenthal (Leipz. 1882), Dombrowski ("Allgemeine Encyklopädie der Forst- und Jagdwissenschaften", Wien 1886). Von Jagdzeitungen sind anzuführen: "Der deutsche Jäger" (Münch., seit 1879); "Deutsche Jägerzeitung" (Neudamm, wöchentlich); "Deutsche Jagdzeitung" (später als "Neue deutsche Jagdzeitung" fortgesetzt, Organ des Prüfungsklubs für Dachs- und Hühnerhunde, Berlin); "Der Weidmann" (redigiert von Paul Wolff, 17. Jahrg., Leipz. 1886); "Jagdliche Rundschau" (für 1885/86, hrsg. von Krichler, Berl. 1887).

Speziell für Forst- und Jagdgeschichte wichtig sind zu nennen: Stisser, Forst- und Jagdhistorie der Teutschen (Jena 1737; verbessert von Franke, Leipz. 1754); Anton, Geschichte der deutschen Landwirtschaft von den ältesten Zeiten bis zum 15. Jahrhundert (Görl. 1799-1804); Stieglitz, Geschichtliche Darstellung der Eigentumsverhältnisse an Wald und J. in Deutschland (Leipz. 1832); Laurop, Das Forst- und Jagdwesen und die Forst- und Jagdlitteratur Deutschlands etc. (Stuttg. 1843); Niemann, Vaterländische Waldberichte etc. (Altona 1820-22); Pfeil, Die Forstgeschichte Preußens bis zum Jahr 1806 (Leipz. 1839); Bernhardt, Geschichte des Waldeigentums, der Waldwirtschaft und Forstwissenschaft (Berl. 1872-75, 3 Bde.); Roth, Geschichte des Forst- und Jagdwesens in Deutschland (das. 1879); Schwappach, Handbuch der Forst- u, Jagdgeschichte Deutschlands (das. 1885 ff.), und dessen kleinerer "Grundriß" (das. 1883); außerdem: Grässe, Jägerbrevier. Jagdaltertümer, Weidsprüche und Jägerschreie, Jagdkalender etc. (2. Aufl., Wien 1869); Derselbe, Jägerhörnlein. Jägerlügen, Jägerlieder, Tierzauber (Dresd. 1860); Derselbe, Hubertusbrüder (Wien 1875); v. Berg, Pürschgang im Dickicht der Jagd- und Forstgeschichte (Dresd. 1869); v. Ko-^[folgende Seite]