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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Jakobinermütze - Jakobsstab.

derschlug. Die Agitation für die Hinrichtung des Königs, der Sturz der Girondisten (Ende Mai 1793), die Aufwiegelung der Massen gegen den besitzenden Mittelstand, die massenhaften Proskriptionen, die seit dem September 1793 ins Leben tretende revolutionäre Propaganda in den angrenzenden Ländern: alles dies ward vornehmlich von den Jakobinern ins Werk gesetzt, die nur der Form wegen dem Konvent die Genehmigung überließen. Auch die Presse wurde von ihnen streng überwacht, und das Revolutionstribunal stand unter dem besondern Einfluß des Klubs. Als zu Anfang 1794 der Wohlfahrtsausschuß die Aufhebung aller Klubs, mit Ausnahme der J., anordnete, erhielten diese augenblicklich großen Zuwachs; doch hatte der Vernichtungskampf zwischen den Häuptern der Revolution, der mit dem Sturz Robespierres endete (Juli 1794), auch den Untergang der übermächtigen Stellung des Klubs zur Folge. Die J. wurden durch die nun eintretende Reaktion so eingeschüchtert, daß sie eine Deputation an den Konvent schickten, die Robespierre verleugnete und eine Änderung in dem Benehmen des Klubs versprach. Umsonst machten Barère, Vadier, Duhem, Billaud-Varennes und Collot d'Herbois Anstrengungen, die Begeisterung des Volkes für den Krieg wieder zu wecken. Am 16. Okt. 1794 erließ der Konvent ein Verbot aller Affiliationen des Klubs, und 11. Nov. d. J. ward endlich derselbe für immer geschlossen und das Sitzungsgebäude später demoliert. Die Überbleibsel des Klubs zogen sich in die Vorstädte St.-Antoine und St.-Marceau zurück, wo sie Sympathie und Aufnahme in den Arbeitergesellschaften fanden. Die mißlungenen Aufstände vom 12. Germinal und 1. Prairial 1795 sowie Babeufs kommunistische Verschwörung waren die letzten Regungen des Jakobinismus, dessen letzte Vereinigung, die Gesellschaft des Reithauses (manège) in der Rue du Bac, 13. Aug. 1799 vom Direktorium aufgelöst wurde. Vgl. Zinkeisen, Der Jakobinerklub (Berl. 1852-54, 2 Bde.); Taine, Origines de la France moderne; Bd. 2.: "La conquète Jacobine" (Par. 1881).

Jakobinermütze (Bonnet rouge), die rote Mütze, die auszeichnende Kopfbedeckung aller Radikalen der ersten französischen Revolution und die Zierde der Freiheitsbäume (s. d.). Die wegen Aufruhrs in Nancy verhafteten und nach Brest auf die Galeeren gebrachten Schweizersoldaten trugen, als man sie befreite und feierlich in den Saal der Volksvertreter einführte, jene roten, den Galeerensklaven eigentümlichen Mützen; ihnen zu Ehren nahmen sie die Jakobiner an. Schon 20. Juni 1792 zwang man den König, die J. aufzusetzen. Es ist dies übrigens die allgemein übliche Kopfbedeckung der Fischer am Mittelmeer. Man hat sie daher auch von den Marseillern herleiten wollen, die als Konföderierte nach Paris kamen; allein die rote Mütze war schon vor der Ankunft der Marseiller in Paris das allgemeine Erkennungszeichen der Partei.

Jakobiten, 1) Name, welchen sich die Monophysiten (s. d.) beilegten, nachdem sie der zum Bischof von Edessa geweihte Mönch Jakob Baradai oder Zanzalos (gest. 578) wieder zu einer Gemeinschaft vereinigt hatte. Die Gemeinden der J., welche in nicht geringer Zahl in Syrien, Mesopotamien und Persien vorhanden waren, bestanden auch nach der Eroberung dieser Länder durch die Araber fort. Die ägyptischen J. haben seit dem 13. Jahrh. Verfolgungen zu erleiden, durch welche ihre allmähliche Absonderung von ihren Glaubensgenossen in Asien und ihre nunmehrige Gestaltung zur Sekte der Kopten (s. d.) herbeigeführt wurden. Gegenwärtig besteht die Zahl der syrischen und mesopotamischen J. aus etwa 40,000 Familien. Wie die Kopten, erkennen sie nur die drei ersten ökumenischen Konzile und die Räubersynode von Ephesos an; ihre Dogmatik konzentriert sich ganz darin, daß die menschliche Natur Christi in seiner Gottheit verschwindet.

2) In England und Schottland Name der Anhänger des 1689 vertriebenen Königs Jakob II. von England wie auch seines von den katholischen Mächten als König Jakob III. anerkannten Sohns und seines Enkels, des Prätendenten Karl Eduard. Viele derselben gingen mit Jakob II. nach Frankreich, von wo aus sie mit Hilfe des dortigen Hofs dem Hause Stuart die britische Krone wiederzugewinnen versuchten. In England und Schottland selbst gehörten dieser Partei sehr viele Tories, in Hochschottland aber der ganze Adel an. Sie widersetzten sich vorzüglich der Union zwischen England und Schottland, die deshalb erst 1707 zu stande kam. Die Thronbesteigung Georgs I. veranlaßte die J. in Schottland zu einem Aufstand, der indessen durch die Maßregeln des britischen Parlaments bald gedämpft ward. Auch unter Georg II. ward noch einmal ein Versuch gemacht, den 1745 in Schottland erschienenen Prätendenten Karl Eduard durch Waffengewalt auf den Thron zu setzen; allein die J. erlitten bei Culloden (27. April 1746) eine blutige Niederlage und sahen, nachdem die bedeutendsten Parteihäupter hingerichtet worden waren, ihre Macht auf immer gebrochen. Vgl. Hogg, Jacobite relics (Edinb. 1819, 2 Bde.); Chambers, Jacobite memoirs (das. 1834); Jesse, Memoirs of the pretenders and their adherents (neue Ausg., Lond. 1856, 2 Bde.); Doran, London in Jacobite times (das. 1877-79, 2 Bde.).

Jakobsbrüder, im Mittelalter Name der Wallfahrer nach dem Grab des Apostels Jacobus in Spanien (s. Santiago de Compostela), dem Hauptwallfahrtsziel, seitdem der Zugang zum Heiligen Grab immer mehr erschwert worden war. Es war für die Pilger im 11. Jahrh. ein bequemer Weg (Jakobsstraße) dahin angelegt worden, und auf beiden Seiten der Pyrenäen sowie tief nach Frankreich und nach Deutschland hinein waren Hospize errichtet; auch bildete sich in Spanien ein eigner Ritterorden (s. Jakob vom Schwert) zum Schutz der J. Das Zeichen der Pilger war der Jakobsstab und der Muschelschmuck ihrer Kleidung. Vgl. das "Jakobslied" in Uhlands "Volksliedern", worin der Weg der Pilger beschrieben ist.

Jakobshagen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Stettin, Kreis Saatzig, am Saatziger See, hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei und (1885) 1957 evang. Einwohner.

Jakobsklee, s. Lotus.

Jakobskraut, s. Senecio.

Jakobskreuz, s. Jakob vom Schwert (S. 139).

Jakobslauch, s. Lauch.

Jakobsleiter, die Leiter, welche der Patriach ^[richtig: Patriarch] Jakob nach 1. Mos. 28, 12 von der Erde in den Himmel sich erstrecken sah; auch ein Pflanzenname (s. Polemonium).

Jakobslilie, s. Amaryllis.

Jakobsstab, 1) Stab, wie man ihn dem Apostel Jacobus dem ältern beilegte, und wie ihn darum die Pilger nach seinem Grab trugen; auch ein in einem solchen Pilgerstab versteckter Dolch oder Degen. - 2) Die drei in gerader Linie stehenden Sterne zweiter Größe am Gürtel des Orion (s. d.). - 3) Ein früher vielfach, namentlich bei den Seefahrern, übliches Instrument zum Winkelmessen (auch Bam-^[folgende Seite]