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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jarlyk; Jarmarka; Jarmen; Jarmeritz; Jarmolinzi; Jarnac; Jarni; Jarochowski; Jaromierz; Jaroslau; Jaroslaw

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Jarlyk - Jaroslaw.

teien. Die bedeutendsten Orte sind: Laurvik, Tönsberg, Horten und die Festung Frederiksvärn mit der Strandstelle Stavärn. Das Amt führt seinen Namen von dem Edelhof Jarlsberg bei Tönsberg, der seit 1684 dem Grafen von Wedel-Jarlsberg gehört.

Jarlyk, in Rußland Bezeichnung für bestimmte Kontermarken im Zollwesen.

Jarmarka (Jarmonka, vom deutschen "Jahrmarkt"), in Rußland Name der Messen.

Jarmen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Stettin, Kreis Demmin, an der Peene, hat (1885) 1663 evang. Einwohner.

Jarmeritz, Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Znaim, an der Österreichischen Nordwestbahn, hat ein großes fürstlich Arenberg-Kaunitzsches Schloß mit Park, Bibliothek, Gemäldegalerie und Theater, eine schöne Kirche, Spiritusfabrik, Pottaschesiederei und (1880) 2331 Einw.

Jarmolinzi, Flecken im russ. Gouvernement Podolien, 30 km von Proskurow, mit 3000 Einw.; im Juni Pferdejahrmarkt, auf welchen regelmäßig bis 2000 Pferde gebracht werden.

Jarnac (spr. scharnack), Stadt im franz. Departement Charente, Arrondissement Cognac, an der Charente und der Eisenbahn von Angoulême nach Rochefort, hat (1881) 3759 Einw., Weinbau, Kognakfabrikation und Faßbinderei. In der Nähe bei Triac 13. März 1569 Sieg der königlichen Truppen unter dem Herzog von Anjou und dem Marschall von Tavannes über die Hugenotten unter dem Prinzen von Condé, der selbst gefangen und meuchlings erschossen ward. Eine Pyramide bezeichnet das Schlachtfeld.

Jarni (franz., spr. scharnih, d. h. je renie, ich verleugne; vollständiger Jarnidieu, spr. scharnidjöh), Fluchwort, s. v. w. zum Henker.

Jarochowski, Kasimir von, poln. Geschichtsforscher, geb. 12. Sept. 1829 zu Sokolniki, Sohn eines angesehenen Rittergutsbesitzers im Posenschen, erhielt im elterlichen Haus eine sorgfältige Erziehung, studierte in Berlin Jurisprudenz, ward 1862 Kreisrichter in Posen und nahm 1882 seine Entlassung. Er veröffentlichte die wichtigen Aktenstücke zur sächsischen Zeit unter dem Titel: "Teka Gabryela J. Podoskiego" (Pos. 1856-61, 6 Bde.), dann "Wielkopolska w czasie pierwszej wojny szwedzkiej" ("Geschichte des Schwedenkriegs 1655-57", das. 1864) und die "Geschichte Augusts II." (das. 1856-74, 2 Bde.). Seine kleinern historischen Schriften erschienen unter dem Titel: "Opowiadania historyczne" (1860-86, 6 Bde.). Außerdem schrieb er: "Próba emancypacyjna polityki Augustowéj" ("Ein Emanzipationsversuch Augusts", Lemb. 1878); "Sprawa Kalksteina" ("Die Affaire Kalksteins", Warsch. 1878); "Oblezenie Poznania przez Patkula r. 1704" ("Die Belagerung Posens durch Patkul", das. 1879); "Koniec Radziejowskiego" ("Das Ende Radziejowskis", das. 1879) und unter dem Pseudonym Severin Przerowa: "Literatura poznanska" ("Die Litteratur des Großherzogtums Posen", Krak. 1880).

Jaromierz (tschech. Jaromer, spr. -mjersch), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Königinhof, in nächster Nähe der Festung Josephstadt (s. d.), an der Mündung der Aupa in die Elbe (mit Kettenbrücke) und an der Pardubitz-Reichenberger Bahn gelegen, hat 2 Vorstädte, ein Bezirksgericht, eine Dekaneikirche mit Grabmal des 1554 hier ermordeten litauischen Fürsten Dimitri Sanguszko, eine Staats-Gewerbeschule, Flachsspinnerei, Bierbrauerei, Fabrikation von Zucker und Kaffeesurrogaten, bedeutende Märkte und (1880) 6555 Einw. - J. ward im 14. Jahrh. Leibgedingstadt und erhielt ansehnliche Privilegien. 1421 wurde es von den Hussiten erstürmt und 1645 von den Schweden unter Torstensson belagert. 4 km nördlich von J. liegt der Wallfahrtsort Herzmanitz, Geburtsort Albrechts von Wallenstein.

Jaroslau (Jaroslaw), Stadt im westlichen Galizien, am San und an der galizischen Karl-Ludwigsbahn, von welcher die Bahn nach Sokal ausläuft, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Obergymnasium, ein Dominikaner-, Reformaten- und ein Nonnenkloster (mit Mädchenbildungsanstalt), Militärverpflegungsmagazin, Tuchweberei (Hauptartikel: "Tales", jüdische Betgewänder), Spodiumfabrikation, Kuchen- und Lebzeltenbäckerei, lebhaften Handel, besonders mit Getreide und Holz, und mit Einschluß von 1786 Militärpersonen (1880) 12,422 Einw. (davon 4474 Juden).

Jaroslaw (Jaroslawl), russ. Gouvernement, grenzt nordöstlich an das Gouvernement Wologda, nordwestlich an Nishnij Nowgorod, westlich an Twer, südlich an Wladimir, östlich an Kostroma und umfaßt 35,612,6 qkm (646,8 QM.). Das Land bildet eine Hochfläche mit vielen Sümpfen und Sandheiden, von Landrücken durchzogen, die aus Kalk, Mergel und Thon bestehen. Der Hauptfluß ist die Wolga, welche die Koroschilschna, Mologa, Scheksna und den Kotorost aufnimmt. An der Ostgrenze fließt die Kostroma, die den Sot und Kast empfängt. Unter etwa 34 Seen ist der größte der Nero- oder Rostowsche See, der durch den Kotorost in die Wolga abfließt. Das Klima ist ein nördliches, was schon die hier häufig vorkommenden Polargewächse beweisen, während die Eiche bereits nördlich von der Wolga nicht mehr fortkommt, obgleich die mittlere Jahrestemperatur +3,1° C. beträgt. Dabei sind Fröste von -40° C. und Hitze im Juli von +37° C. nichts Ungewöhnliches. Die Einwohnerzahl war 1882: 1,082,782, ca. 30 Menschen auf 1 qkm. Die äußerst regsame Bevölkerung Jaroslaws gehört einem hübschen Schlag an, auch sind die Frauen wegen ihrer Schönheit in ganz Rußland berühmt. Die Zahl der Geburten ist (1882) 42,877, darunter 1761 unehelich, der Sterbefälle 38,213, der Eheschließungen 7787. Unter den Konfessionen überwiegt die griechisch-katholische. Sektierer, Römisch-Katholische, Protestanten, Juden und Mohammedaner sind nur in geringer Anzahl vertreten. Beim Ackerbau überwiegen Roggen (1884er Ernte 2,290,000 hl, 8,3 hl pro Hektar) und Hafer (Ernte 2,820,000 hl, 14,8 hl pro Hektar); die südlichen Gegenden liefern Kirschen und Äpfel. Vom Areal kommen auf Acker 27, auf Weide und Wiesen 29, auf Wald 36, auf steriles Land 8 Proz. Der Viehstand beziffert sich auf (1882) 283,000 Stück Rindvieh, 226,000 Schafe, 4000 Schweine; der Fischfang, besonders in der Wolga, ist bedeutend. Die industrielle Produktion ist ansehnlich, sie geht in 939 Fabriken mit 15,965 Arbeitern vor sich und erreicht einen Wert von 21½ Mill. Rubel (1882). Die hauptsächlichsten Industriezweige sind: Baumwollspinnerei und -Weberei (Produktionswert 5,6 Mill. Rub.), Flachsspinnerei und Leinweberei (3,8 Mill. Rub.), Spiritusbrennerei (2,5 Mill. Rub.), Tabaksindustrie (2,4 Mill. Rub.), Herstellung von Mühlenfabrikaten (1,9 Mill. Rub.), chemische Industrie (1 Mill. Rub.), Seilerei (0,6 Mill. Rub.), Fabrikation von Stärkemehl und Sirup (0,5 Mill. Rub.), Papierfabrikation, Eisengießerei. Der Handel wird durch die Wolga und durch deren Verbindung mit der Newa und Dwina sowie durch zwei Eisenbahnen begünstigt und ist ausgedehnt. Die Ausfuhr besteht in Leder, Leinwand,