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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jocus; Jod; Jodammonium; Jodargyrit

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Jocus - Jodargyrit.

die, besonders von Brunet vortrefflich dargestellt, von Dorvigny für seine Dramen verwendet wurde; dann allgemein s. v. w. Einfaltspinsel; endlich ein Ehemann, der sich zu sehr um die wirtschaftlichen Dinge bekümmert ("Topfgucker").

Jocus (lat., korrumpiert: Jux), Spaß, Scherz; auch der Genius des Scherzes (Gott J.), daher Jocusstab, Narrenstab, ein Stab mit einem Narrenkopf.

Jod (Jodum), J, chemisch einfacher Körper, findet sich nicht im freien Zustand in der Natur, aber seine Verbindungen begleiten in geringen Mengen nicht selten die entsprechenden Chlorverbindungen, mit welchen sie große Ähnlichkeit haben. Besonders finden sich Jodnatrium und Jodmagnesium im Meerwasser, aus welchem Meerpflanzen, namentlich die Tange (Laminaria, Fucus), J. aufnehmen und in sich konzentrieren. Auch Carragaheen, Schwämme, Seesterne, Heringe, Seekrebse, der Thran der Schellfischarten enthalten J. Außerdem findet es sich in vielen Salzquellen (Sulza, Adelheidsquelle bei Heilbronn, Hall), im Chilisalpeter, in der Pottasche aus Rübenmelasse, in Steinkohlen (daher im Gaswasser), in Eisenerzen (also auch im Gichtstaub der Eisenhochöfen), in bituminösen Schiefern, Phosphoriten, als Jodsilber, Jodblei und in sehr geringen Mengen weitverbreitet, z. B. in Ackererde und Quellwasser. Zur Darstellung des Jods dienen fast ausschließlich die Tange (besonders Fucus digitatus und F. saccharinus), welche man an den englischen und französischen Küsten sammelt und verbrennt. Aus dem so erhaltenen Kelp (s. d.) scheidet man die Kalisalze ab und gewinnt dabei schließlich eine Mutterlauge, in welcher sich die leicht löslichen Jodverbindungen angesammelt haben. Neuere Verbesserungen in der Jodindustrie nehmen besonders Bedacht auf eine bessere Ausnutzung der Tange, die man gut abtropfen läßt, dann der Gärung unterwirft, abpreßt und im Schachtofen einäschert. Die bei der Gärung entstehenden Flüssigkeiten sind sehr reich an J. und werden verdampft, indem man die (jodhaltigen) Feuerungsgase von der Einäscherung der Tange über sie hinwegziehen läßt. Hierbei geben die Gase ihren Jodgehalt an die Lauge ab. Nach einer andern Methode unterwirft man die Tange der trocknen Destillation und erhält neben brennbaren Gasen, Teerölen, Essigsäure, Ammoniak und Methylalkohol eine Kohle, welche, nachdem ihr alle Salze durch Wasser entzogen sind, zu verschiedenen Zwecken gut verwertbar ist. Die Salzlösung wird ebenso wie die Kelplauge verarbeitet. Die letzte Mutterlauge versetzt man mit Schwefelsäure (wobei sich Kohlensäure und Schwefelwasserstoff entwickeln und Schwefel abgeschieden wird) und destilliert sie dann mit Schwefelsäure und Braunstein. Die hierbei entwickelten Joddämpfe werden in einer Reihe thönerner Vorlagen verdichtet. Man kann auch die Jodverbindungen in der Lauge durch Chlor zersetzen und das frei gewordene J. mit Benzin in einem Apparat ausziehen, welcher so eingerichtet ist, daß das Benzin das gelöste J. sofort an Natronlauge abgibt, worauf es von neuem jodlösend wirken kann. Die Natronlauge nimmt das J. auf unter Bildung von Jodnatrium und jodsaurem Natron und wird schließlich wie Jodlauge verarbeitet. Vorteilhaft fällt man aus der zur Zersetzung der Schwefelverbindungen mit Salzsäure versetzten Jodlauge mit chlorsaurem Kali das J., welches abgepreßt, getrocknet und sublimiert wird. Die Lauge, in welcher man noch etwas J. übrigläßt, versetzt man mit schwefliger Säure, um das J. in Jodwasserstoffsäure zu verwandeln, und fügt sie dann wieder zu der weniger konzentrierten Lauge hinzu. In neuerer Zeit hat der Chilisalpeter der europäischen Jodindustrie sehr ernstliche Konkurrenz gemacht. Er enthält 0,059-0,175 Proz. J., welches sich in der Mutterlauge in Form von Jodnatrium ansammelt und durch Chlor abgeschieden wird. Man trennt es durch Gipsplatten von der Mutterlauge und bringt es roh in den Handel oder reinigt es durch Sublimation. Man hat auch aus der Mutterlauge mit Hilfe von saurem schwefligsaurem Natron (oder Eisenvitriol) und Kupfervitriol Kupferjodür gefällt, und dies ist mehrfach nach Europa gebracht worden, wo es mit Schwefelwasserstoff zersetzt wurde. Es bilden sich Schwefelkupfer und Jodwasserstoffsäure, welche man mit kohlensaurem Kali neutralisiert, um Jodkalium zu erhalten. Reines J. bildet schwarzgraue, metallglänzende, oft sehr große Tafeln, riecht eigentümlich, der unterchlorigen Säure nicht unähnlich, schmeckt herb, scharf, färbt die Oberhaut braun und greift als Dampf Augenlider, Nasen- und Mundhöhle heftig an. Das spezifische Gewicht ist 4,95, das Atomgewicht 126,53, es ist sehr weich, verdampft schon bei gewöhnlicher Temperatur ziemlich schnell, schmilzt bei 114°, siedet über 200° und gibt einen im gesättigten Zustand blauen, im verdünnten veilchenblauen (daher der Name, v. griech. iodes) Dampf vom spez. Gew. 8,716 (der schwerste aller Dämpfe), der sich beim Erkalten zu Jodkristallen verdichtet. Es löst sich wenig im Wasser; die braune Lösung (Jodwasser) bleicht Indigo und zersetzt sich allmählich unter Bildung von Jodwasserstoffsäure. Letztere und Jodmetalle erhöhen die Löslichkeit des Jods im Wasser ungemein. J. ist leicht löslich in Alkohol (Jodtinktur, s. d.), mit höchst intensiv violetter Farbe in Schwefelkohlenstoff, auch in Chloroform, Benzin und Äther. Es verhält sich in chemischer Hinsicht im allgemeinen wie Chlor und Brom, aber sein Vereinigungsstreben ist schwächer; nur zum Sauerstoff hat es größere Verwandtschaft und deplaciert das Chlor aus der Chlorsäure. Mit Kalilauge bildet es Jodkalium und jodsaures Kali, charakteristisch ist die intensiv blaue Färbung des Stärkemehls durch J. (s. Jodstärke). Es ist einwertig, und seine Verbindungen gleichen denen des Chlors und Broms, werden aber durch Chlor und Brom zersetzt. J. wirkt äußerlich ätzend, im Magen bei größern Dosen heftig verdauungsstörend, ähnlich wie Chlor und Brom. In giftiger Dosis tötet es unter Benommenheit des Gehirns, Anätzung des Magens und Lähmung des Atmungszentrums. Eigentümlich ist seine Wirkung auf drüsige Organe, die es zum Schwinden bringt. Auf niedere Organismen, z. B. bei Malaria, wirkt es als heftiges Gift. Man benutzt J. als Arzneimittel bei entzündlichen Prozessen, Syphilis, Skrofulose, Hypertrophie drüsiger Organe (Kropf etc.), bei Rheumatismus, Neuralgien, gegen Frostbeulen etc., zur Darstellung von Jodpräparaten, von denen manche (Jodkalium, Jodammonium, Jodkadmium, Jodmethyl) ebenfalls als Arzneimittel und in der Photographie, andre zur Darstellung von Teerfarben benutzt werden. J. wurde 1811 von Courtois entdeckt. Hauptsitze der Jodfabrikation sind Glasgow und das Departement Finistère. Auch in Peru und Bolivia wird J. dargestellt, und in Frankreich hat man angefangen, Phosphorite auf J. zu verarbeiten. Die Produktion beträgt etwa 9500 Ztr.; davon entfallen auf Schottland und Irland 2600, Frankreich 1050, Südamerika 5800 Ztr. Vgl. Pellieux, L'industrie française de l'Jode (Par. 1878).

Jodammonium, s. v. w. Ammoniumjodid.

Jodargyrit, s. v. w. Jodit.