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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Jodate - Jodoigne le Marché.

Jodate (Jodsäuresalze), s. Jodsäure.

Jodäther, s. v. w. Äthyljodür.

Jodäthyl, s. v. w. Äthyljodür.

Jodblei; s. v. w. Bleijodid.

Jode, 1) Pieter de, der ältere, niederländ. Kupferstecher, geb. 1570 zu Antwerpen, bildete sich nach seinem Vater Gerrit de J. (gest. 1599) und nach Goltzius und ging dann nach Italien, von wo er um 1601 zurückkehrte. Er stach nach Tizian (Verlobung der heil. Katharina), Cousin (das Jüngste Gericht), Rubens (Übergabe der Schlüssel an Petrus), F. Vanni, van Dyck, der ihn in seine Ikonographie aufnahm, u. a. Kurze Zeit war er auch mit seinem Sohn in Paris thätig. Er starb 1634 in Antwerpen.

2) Pieter de, der jüngere, Kupferstecher, Sohn und Schüler des vorigen, geb. 22. Nov. 1606 zu Antwerpen, bildete sich nach den Stechern der Rubensschen Schule und war um 1631 in Paris thätig, wo er nach Vouet und andern französischen Malern stach. Seine besten Stiche sind diejenigen nach Gemälden von Rubens, Jordaens und van Dyck, zu dessen Ikonographie er zwölf Bildnisse beisteuerte. Sein Hauptwerk ist Rinaldo und Armida nach van Dyck. 1651 gab er die von seinem Vater begonnene Porträtsammlung "Theatrum pontificum, imperatorum, regum etc." heraus. Er starb nach 1674.

Jodeisen, s. v. w. Eisenjodür.

Jodelle (spr. schodäl), Etienne, franz. Dramatiker, Mitglied der "Pleiade", geb. 1532 zu Paris, gest. 1573, versuchte es zuerst, die bisher beliebten Mysterien, Moralitäten und Farcen durch das sogen. klassische, griechischen und römischen Mustern nachgebildete Schauspiel in Frankreich zu verdrängen. 1552 wurde seine Tragödie "Cléopâtre captive" und die Komödie "Eugène, ou la rencontre" vor Heinrich II. aufgeführt; beide hatten viel Erfolg, während seine zweite Tragödie: "Didon se sacrifiant", wahrscheinlich gar nicht aufgeführt worden ist. Er hat noch keine Ahnung von dramatischer Verknüpfung, während ihm die lyrischen Partien besser gelingen, ebenso wie seine kleinern Gedichte. Die größte Zahl seiner Stücke ist verloren. Seine "OEuvres" ^[Œuvres] erschienen Paris 1574 und 1583, eine neue Ausgabe 1872.

Jodeln, eine eigentümliche Singmanier der Schweizer und Tiroler, bestehend in wortlosem Jauchzen mit häufigem Überschlagen aus dem Brustregister in das Kopfregister; ein Lied, dem als Refrain eine solche Vokalise angehängt ist, heißt ein Jodler. Das Wort ist wahrscheinlich onomatopöetisch gebildet.

Jodformyl, s. v. w. Jodoform.

Jodgrün, s. Anilin, S. 592.

Jodhpur, Staat und Stadt, s. Dschodhpur.

Jodide, s. Jodmetalle.

Jodinrot, s. v. w. Quecksilberjodid.

Jodismus, s. v. w. Jodvergiftung.

Jodit (Jodargyrit, Jodsilber), Mineral aus der Ordnung der einfachen Haloidsalze, kristallisiert hexagonal, findet sich meist in dünnen Blättchen und Platten, auch derb und eingesprengt, ist grau, gelb, grünlichgelb, fettglänzend, durchscheinend, Härte 1-1,5, spez. Gew. 5,71, besteht aus Jodsilber AgJ mit 46 Proz. Silber und findet sich in Mexiko, Chile und bei Guadalajara in Spanien.

Jodkadmium, s. v. w. Kadmiumjodid.

Jodkalium, s. v. w. Kaliumjodid.

Jodkupfer, s. v. w. Kupferjodür.

Jodlauge, die bei der Verarbeitung von Kelp und Varech nach Abscheidung der Alkalisalze resultierende jodreiche Mutterlauge, aus welcher das Jod abgeschieden wird.

Jodmetalle (Jodide), Verbindungen der Metalle mit Jod, finden sich zum Teil als Mineralien in der Natur, wie Jodsilber, Jodblei, Jodnatrium, und entstehen bei Einwirkung von Jod auf Metalle, von Jodwasserstoffsäure auf Metalle, Metalloxyde oder Kohlensäuresalze der Metalle, die unlöslichen durch Wechselzersetzung. Sie gleichen im allgemeinen den Chlormetallen (s. d.); die der Alkali-, Erdalkali- und Erdmetalle sind farblos und gleichen den Chloriden auch in der Löslichkeit; die Jodverbindungen der Schwermetalle sind oft anders gefärbt und zeigen auch andre Löslichkeitsverhältnisse (scharlachrotes unlösliches Quecksilberjodid, schwarzes unlösliches Palladiumjodür); Jodsilber, Jodblei, Quecksilber- und Kupferjodür sind unlöslich. Alle werden durch Chlor zersetzt. Verbindet sich ein Metall in mehreren Verhältnissen mit Jod, so nennt man die jodärmern Verbindungen Jodüre, die jodreichern Jodide. Viele J., namentlich Jodkalium, Jodsilber, auch Jodeisen, Jodquecksilber etc., finden technische oder medizinische Verwendung.

Jodmethyl, s. v. w. Methyljodür.

Jodocus (griech., "Pfeilbehälter", im Deutschen zusammengezogen zu Jobst), männlicher Name. Bekannt ist: J. von Mähren, Sohn des Markgrafen Johann Heinrich von Mähren, zweiten Sohns des Königs Johann von Böhmen aus dem Haus Luxemburg, ein gelehrter, aber habsüchtiger und gewissenloser Fürst, erhielt 1375 nach seines Vaters Tod Mähren; 1388 wurde ihm von Wenzel Luxemburg, von Kurfürst Siegmund Brandenburg verpfändet. Er suchte Wenzel zu stürzen und stellte sich an die Spitze des Herrenbundes, der 1394 den König gefangen nahm. 1397 erzwang er durch eine neue Empörung von Wenzel die Abtretung der Lausitz und die Belehnung mit Brandenburg. Am 1. Okt. 1410 ward er zu Frankfurt von fünf allerdings zweifelhaften Kurstimmen gegen Siegmund zum Kaiser erwählt, starb aber 17. Jan. 1411. Vgl. Heidemann, Die Mark Brandenburg unter Jobst von Mähren (Berl. 1881).

Jodocus Pratensis, s. Josquin des Prés.

Jodoform (Jodformyl, Trijodmethan) CHJ3 ^[CHJ_{3}], dem Chloroform entsprechende chemische Verbindung, welche erhalten wird, wenn man Jod und kaustische oder kohlensaure Alkalien auf Methyl- oder Äthylalkohol, Äther, Aceton, Zucker, Dextrin, Gummi etc. einwirken läßt. Zur Darstellung erwärmt man Alkohol mit Sodalösung und setzt allmählich Jod hinzu. Sehr rein wird es auf elektrolytischem Weg erhalten. J. bildet gelbliche Kristalle, riecht durchdringend jod- und safranartig, schmeckt unangenehm jodartig, löst sich in Alkohol, Äther, Chloroform, Petroleumäther, ätherischen und fetten Ölen, leicht in Schwefelkohlenstoff, nicht in Wasser, verdampft bei mittlerer Temperatur, kann mit Wasserdämpfen destilliert werden, schmilzt bei 119° und zersetzt sich bei höherer Temperatur. Mit alkoholischer Kalilauge liefert es ameisensaures Kali und Jodkalium. Man benutzt es innerlich und äußerlich statt des Jods bei Skrofeln, Kropf, Rhachitis, Syphilis, Krebs, Tuberkulose und namentlich bei der Wundbehandlung, da es Fäulnis und profuse Eiterung verhindert. In großen Gaben wirkt es giftig und tötet durch Lähmung des Gehirns.

Jodoigne le Marché (spr. schodöannj lö marsché, vläm. Geldenaecken), Flecken in der belg. Provinz Brabant, Arrondissement Nivelles, an der Großen Geete und an der Eisenbahn Ramillies-Tirlemont, mit höherer Knabenschule und (1885) 4450 Einw., welche Wollspinnerei und Papierfabrikation treiben. In der Nähe das Schlachtfeld von Ramillies (s. d.).