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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Josquin des Prés; Josselin; Jost; Jostedalsbrä; Josua; Joten

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Josquin des Prés - Joten.

Debüts in der Politik von 1834 an ausschließlich der Litteratur zu. Seine ersten litterarischen Versuche erschienen 1834 unter dem Titel: "Irány" ("Tendenz") und "Vázlatok" ("Skizzen"). Neben politischen und belletristischen Beiträgen für Zeitungen und Sammelwerke hat J. dann bis zur Revolution von 1848 unter steigendem Beifall an 60 Bände Romane veröffentlicht, die von einem tiefen Studium des ungarischen Charakters und Volkslebens zeugen und in lebendigem Stil geschrieben sind. Als die bedeutendsten davon gelten: "Abafi" (3. Aufl. 1851); "Zrinyi a költö" ("Der Dichter Zrinyi", 1843, 4 Bde.); "Az utólsó Bátory" ("Der letzte Bátory", 2. Aufl. 1840, 3 Bde.); "A Csehek Magyarországban" ("Die Böhmen in Ungarn", 2. Aufl. 1845, 4 Bde.); "Jósika István" ("Stephan Jósika", 1847, 5 Bde.). J. beteiligte sich lebhaft an der Bewegung von 1848/49, war infolgedessen nach der Katastrophe von Világos zur Flucht ins Ausland genötigt und nahm seinen Wohnsitz zu Brüssel, wo er sich wieder schriftstellerischen Arbeiten widmete. Von den seitdem veröffentlichten Romanen sind besonders beachtenswert: "Egymagyar család a forradalom alatt" ("Eine ungarische Familie während der Revolution", Braunschw. 1851, 4 Bde.) und die deutsch abgefaßte "Familie Mailly" (Leipz. 1852, 2 Bde.). Wegen seiner revolutionären Thätigkeit ward J. im September 1851 mit Kossuth und 35 andern zu Pest in effigie gehängt, später jedoch begnadigt. Seit 1864 in Dresden wohnhaft, starb er 27. Febr. 1865 daselbst. Fast alle seine Romane wurden auch ins Deutsche und in andre Sprachen übersetzt. Von seinen "Memoiren" sind nur 4 Bände (Pest 1865) erschienen.

Josquin des Prés (spr. schoskäng dä preh, lat. Jodocus Pratensis oder a Prato), Komponist, geboren um 1450 vermutlich zu St.-Quentin (nach Fétis zu Condé) in Nordfrankreich, erhielt seine Ausbildung durch Johann Ockenheim, der um 1476 in Tours die Hofkapelle Ludwigs XI. leitete, ging dann nach Rom, wo er unter dem Pontifikat Sixtus' IV. (1471-84) als Mitglied der päpstlichen Sängerkapelle fungierte, kehrte jedoch, nachdem er mutmaßlich noch eine Zeitlang am Hof des Herzogs von Ferrara, Herkules' I. von Este, geweilt, in sein Vaterland zurück. Hier wurde er am Hof Ludwigs XII. als erster Sänger (Protokapellan) angestellt, nach langjährigen Diensten aber von diesem mit einer Pfründe zu Condé belohnt, wo er 27. Aug. 1521 als Kanonikus starb. J. gilt mit Recht als der größte Meister der sogen. niederländischen Schule, deren Aufgabe, die Ausbildung des kontrapunktischen Tonsatzes, er so vollständig und endgültig löste, daß mit ihm für die Tonkunst eine neue Epoche begann. Während die Bestrebungen seiner Vorgänger in erster Reihe darauf gerichtet gewesen waren, die Schwierigkeiten der noch unausgebildeten Technik des Kontrapunktes zu bewältigen, war J. ihrer so weit Herr geworden, daß er neben den Tonsatzkünsten auch den eigentlichen Zweck der Vokalmusik, die sinnvolle Deutung der Textesworte vermittelst des Tons, zu berücksichtigen beginnen konnte. Von seinen Kompositionen (Messen, Motetten, französischen Chansons) ist eine große Zahl in den von Petrucci und andern Verlegern des 16. Jahrh. veröffentlichten Sammlungen enthalten; eine Auswahl gab Commer heraus in den "Publikationen älterer Musikwerke der Gesellschaft für Musikforschung", Bd. 6 (Leipz. 1877).

Josselin (spr. schoss'läng), Stadt im franz. Departement Morbihan, Arrondissement Ploërmel, an der Oust und dem von Nantes nach Brest führenden Kanal, hat ein schönes, im 15. Jahrh. von den Herzögen von Rohan erbautes Schloß, eine Kirche mit dem Grabdenkmal des Ritters Olivier de Clisson, des frühern Herrn von J., (1881) 2437 Einw., Nagelschmieden, Gerberei und ein Collège.

Jost, Isaak Markus (Mordechai), Pädagog und jüd. Geschichtschreiber, geb. 22. Febr. 1793 zu Bernburg, widmete sich in Göttingen und Berlin dem Studium der Philologie, stand 1826-35 an letzterm Ort einer Schule vor und folgte sodann einem Ruf als Oberlehrer an die jüdische Realschule (Philanthropin) zu Frankfurt a. M., wo er 20. Nov. 1860 starb. Seinen litterarischen Ruf verdankt J. hauptsächlich seiner "Geschichte der Israeliten" (Berl. 1820-1829, 9 Bde.), an welche sich die "Neuere Geschichte der Israeliten von 1815 bis 1845" (das. 1846-47, 3 Bde.) als 10. Band anschließt, und seiner "Geschichte des Judentums und seiner Sekten" (Leipz. 1857-59, 3 Bde.). Außerdem veröffentlichte er eine "Allgemeine Geschichte des jüdischen Volkes" (Berl. 1831-1832, 2 Bde.) und eine deutsche Übersetzung der "Mischna" mit Text und Kommentar (das. 1832-34, 6 Bde.), gab die "Israelitischen Annalen" (Frankf. 1839-41) und 1841-42 mit Creizenach die Zeitschrift "Zion" heraus und gehörte mit zu dem Vorstand des Instituts zur Förderung der israelitischen Litteratur, für welches er durch Begründung des "Jahrbuchs" und durch litterarische Arbeiten thätig war. Vgl. Goldschmidts Nachruf im "Jahrbuch für die Geschichte der Juden" (Leipz. 1861); Zirndorf, Isaak Mark. J. und seine Freunde (New York 1886).

Jostedalsbrä, der größte Gletscher nicht nur Norwegens, sondern des ganzen europäischen Kontinents, bedeckt in einer Länge von 90-100 km das Plateau der Vogteien Nordfjord, Söndfjord und Sogn, während er in die angrenzenden pittoresken Thäler seine Ausläufer sendet. Unter diesen zeichnen sich der Bojabrä, die Suphellebräen, deren unterste Ränder nur 50 m vom Meer entfernt sind, und die Gletscher von Tunsbergdal, Austerdal, Lodal und Brigsdal durch ihre großartige Naturschönheit aus. Der ganze J. hat einen Umfang von 900 qkm und liegt in seinem höchsten Teil 2055 m ü. M.

Josua (hebr. Jeschûa, s. v. w. Jesus), Sohn Nuns vom Stamm Ephraim, nach dem Tode des Moses Führer der Israeliten. Als solcher soll er das Volk über den Jordan geführt, von dem befestigten Lager zu Gilgal aus einen beträchtlichen Teil von Palästina erobert, das Land unter die israelitischen Stämme verteilt haben und im Alter von 110 Jahren gestorben sein. Das im alttestamentlichen Kanon befindliche Buch J., welches diese Erzählung gibt, ist freilich durchaus legendenhaften Charakters. Es schließt sich eng an den Pentateuch, besonders an das Deuteronomium, an, sowohl im Stil als im Inhalt, und hat jedenfalls eine ähnliche Entwickelungsgeschichte durchgemacht wie der Pentateuch (s. d.), auch seine Schlußredaktion mit diesem von derselben Hand empfangen. Ein ganz andres und noch späteres Werk ist das samaritanische Buch J., herausgegeben von Juynboll (Leiden 1848). Kommentare schrieben Keil (2. Aufl., Leipz. 1874) und Knobel (Leipz. 1861).

Joten (Jötun, auch Thursen), in der nord. Mythologie ungeheure Riesen und Zauberer, die, über die Kräfte der Natur gebietend, in ihrem Reich Jötunheim, das sich rings um den Rand der Erde erstreckt, in finstern Höhlen und Felsenschluchten wohnten und in ewiger Feindschaft mit den Asen lebten. Ursprünglich sind die Thursen trotzige, finstere Sturm- und Wetterriesen; daher auch ihre Beziehung zu Reif und