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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jus talionis; Jussion; Jussuf; Just; Justament; Justaucorps; Juste; Juste-milieu; Justement; Justi

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Jussion - Justi.

23. Dez. 1797 zu Paris, ward 1826 Professor der Botanik am Pflanzengarten, Direktor des naturhistorischen Museums, machte sich gleichfalls durch mehrere Monographien über einzelne Pflanzenfamilien, z. B. über die Euphorbiaceen (Par. 1824), die Rutaceen (das. 1825), die Meliaceen (das. 1830), die Malpighiaceen (das. 1843) u. a., bekannt und starb 29. Juni 1853 in Paris. Seine "Botanique" oder "Cours élémentaire de la botanique" (Par. 1842, 12. Aufl. 1884) wurde von Schmidt, Göbel und Pfund (Prag 1844) und von Kißling (Stuttg. 1848) ins Deutsche übersetzt.

5) Laurent Pierre de, bekannt durch Einführung des wechselseitigen Unterrichts und der Gaultierschen Unterrichtsspiele in Frankreich, geb. 7. Febr. 1792 zu Villeurbanne bei Lyon, Neffe von J. 3). Unter seinen Schriften, welche alle eine stark betonte moralische Tendenz verfolgen und zum Teil von der Akademie gekrönt worden sind, ist namentlich das in vielen Auflagen erschienene und in viele Sprachen übersetzte Volksbuch "Simon de Nantua, ou le marchand forain" (1818, mehrfach aufgelegt; deutsch, Ulm 1849) hervorzuheben. Er starb 23. Febr. 1866 in Passy.

Jussion (lat.), Befehl; jussu, auf Befehl.

Jussuf (arab.), Joseph.

Just (v. lat. juste), genau, gerade; auch s. v. w. richtig (so, wie es sein soll), geheuer, gehörig.

Jus talionis (lat.), Recht der Wiedervergeltung (s. Talion).

Justament (franz. justement), genau, gerade, eben jetzt.

Justaucorps (spr. schüstokor), franz. Bezeichnung für einen eng anliegenden Oberrock der männlichen Tracht, der um 1660 in Frankreich aufkam und bis etwa 1740 in verschiedenen Abwandlungen in Mode blieb. S. Tafel "Kostüme III", Fig. 7 u. 10.

Juste (spr. schüft), Théodore, hervorragender belg. Geschichtschreiber, geb. 11. Jan. 1818 zu Brüssel, machte den gewöhnlichen Studiengang und ist seit längerer Zeit Direktor des Museums für Altertümer und Professor der Geschichte an der belgischen Kriegsschule sowie Mitglied der belgischen Akademie. Seine zahlreichen historischen Arbeiten beziehen sich meist auf die Geschichte Belgiens, der Niederlande und Frankreichs. Wir erwähnen: "Histoire populaire de la Belgique" (Brüssel 1838); "Histoire de la révolution française" (1839); "Histoire du Consulat et de l'Empire" (1840); "Histoire de Belgique" (1840; 4. Aufl. 1868, 3 Bde.); "Essai sur l'histoire de l'instruction publique en Belgique" (1844); "Précis de l'histoire dumoyen-âge considérée dans ses rapports avec la Belgique" (2. Aufl., 3 Bde.) und "de l'histoire moderne" (1845, 4. Aufl. 1873); "Histoire de la révolution belge de 1790" (1846, 3 Bde.; neue Ausg. 1858, u. d. T.: "La révolution brabançonne 1789" und "La république belge 1790"; "Charles V et Marguerite d'Autriche, 1477-1521" (1858); "Histoire du congrès national de Belgique, ou de la fondation de la monarchie belge" (1850, auch deutsch; 3. Aufl. 1880, 2 Bde.); "Histoire de la révolution des Pays-Bas sous Philippe II" (2 Abt., 1855-63, 4 Bde.; neue Ausg. 1885, 4 Bde.); "Les Pays-Bas sous Charles V. Vie de Marie de Hongrie 1505-58" (1855, 2. Aufl. 1861); "Vie de Marnix de Sainte-Aldegonde" (1858); "Christine de Lalaing, princesse d'Épinoy" (1861); "Le comte d'Egmont et le comte de Hornes" (1862); "Le comte de Mercy-Argenteau" (1863); "Histoire des États-généraux des Pays-Bas" (1864, 2 Bde.); "Le soulèvement de Hollande en 1813 et la fondation du royaume des Pays-Bas" (1870); "La révolution belge de 1830" (1872, 2 Bde.); "Guillaume le Taciturne, d'après sa correspondance et les papiers d'État" (1873); "Précis d'histoire contemporaine 1815-71" (1875); "La rivalité de la France et de la Prusse" (1877); "Pierre le Grand, son règne et son testament" (1877); "Léopold I et Léopold II, rois des Belges" (1878); "Le congrès national de Belgique 1830-31" (1880); "Le Panthéon national" (1881); "La révolution de juillet 1830" (1883) und das biographische Werk "Les fondateurs de la monarchie belge" (1865-81, 27 Bde.), woraus die Biographie des Königs Leopold I. ins Deutsche übersetzt wurde (Gotha 1869).

Justement (franz., spr. schüst'mang, meist in deutscher Aussprache: justemént, justamént, auch bloß: just), eben (jetzt), ebenso, genau, gerade.

Juste-milieu (franz., spr. schüst-miljöh, "richtige Mitte, Mittelstraße"), ein schon von Voltaire in einem Brief an den Grafen d'Argental vom 28. Nov. 1765 gebrauchter Ausdruck, besonders seit der Julirevolution 1830 ein politisches Schlagwort, indem die Minister und die Presse des Königs Ludwig Philipp wiederholt erklärten, das Staatswohl Frankreichs könne nur gewahrt werden, wenn die Regierung dem Parteitreiben gegenüber "le juste milieu" einhalte. So ward das Wort bald im freundlichen, bald im feindlichen Sinn als das politische Prinzip der Juliregierung gebraucht.

Justi, 1) Karl Wilhelm, protest. Theolog, geb. 14. Jan. 1767 zu Marburg, wurde 1790 Prediger daselbst, 1801 Superintendent und Konsistorialrat, 1822 ordentlicher Professor der Theologie und starb 7. Aug. 1846. Er veröffentlichte: "Nationalgesänge der Hebräer" (Leipz. 1803-18, 3 Bde.); "Das Buch Hiob" (Kassel 1840); einige Monographien über die Geschichte Hessens, z. B. "Elisabeth die Heilige" (2. Aufl., Marb. 1835); auch setzte er Strieders "Hessische Gelehrten- u. Schriftstellergeschichte" (das. 1831) fort.

2) Karl, Kunstgelehrter, geb. 2. Aug. 1832 zu Marburg, Enkel des vorigen, studierte in seiner Vaterstadt und in Berlin Theologie und Philosophie, habilitierte sich 1860 daselbst mit der Schrift "Die ästhetischen Elemente in der Platonischen Philosophie" (Marb. 1860), wurde 1867 Professor in Marburg und nach längerm Aufenthalt in Italien 1871 Professor der Philosophie in Kiel und ist seit 1873 Professor der neuern Kunstgeschichte in Bonn. Sein Hauptwerk ist: "Winckelmann. Sein Leben, seine Werke und Zeitgenossen" (Leipz. 1866-72, 2 Bde. in 3 Tln.), die einzig vollständige, die ganze Zeit umfassende Lebensbeschreibung des großen Altertumsforschers. Außerdem veröffentlichte er: "Dante und die Göttliche Komödie" (Stuttg. 1862); "Die Verklärung Christi, Gemälde Raffaels" (Leipz. 1870) und eine Anzahl kunstwissenschaftlicher Aufsätze in Zeitschriften.

3) Ferdinand, Orientalist und Sprachforscher, geb. 2. Juni 1837 zu Marburg, Bruder des vorigen, widmete sich in seiner Vaterstadt, später in Göttingen sprachwissenschaftlichen und orientalischen Studien und habilitierte sich 1861 zu Marburg, wo er 1865 zum außerordentlichen, 1869 zum ordentlichen Professor für vergleichende Grammatik ernannt wurde. Auf seine sprachvergleichende Schrift "Über die Zusammensetzung der Nomina in den indogermanischen Sprachen" (Götting. 1861) folgten sein treffliches "Handbuch der Zendsprache" (Leipz. 1864) und andre auf die zoroastrische und altpersische Litteratur und Geschichte bezügliche Arbeiten, namentlich seine kritische