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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kahlschlag - Kain.

des Haars und der Haut beugen den örtlichen Ursachen in meist völlig ausreichender Art vor; eine kräftige allgemeine Ernährung nach schweren Krankheiten stellt auch ohne besondere Mittel den Haarwuchs langsam wieder her. Vgl. Pincus, Krankheiten des menschlichen Haars (2. Aufl., Berl. 1879).

Kahlschlag (Kahlschlagbetrieb), forstlicher Verjüngungsbetrieb, bei welchem die Begründung eines jungen Holzbestandes nach vorherigem kahlen Abtrieb des Vorbestandes durch Anbau (Saat, Pflanzung), welcher die Regel bildet, oder durch Naturbesamung von angrenzenden Beständen (Seiten-Ansamung) erfolgt. Der K. mit Anbau ist bei Kiefern und Fichten-Hochwaldungen die herrschende Verjüngungsart.

Kahlwild, das weibliche Elch-, Rot- und Damwild, weil es keine Geweihe trägt.

Kahm, auf Essiggut und Wein sich bildende dünne Haut, besteht aus Pilzen, welche die Oxydation des Alkohols veranlassen. Näheres s. Essig und Wein.

Kahmpilz, s. Mycoderma.

Kahn ("Pfund"), anamit. Gewichtseinheit, = 16 Lüong à 10 Dong = 624,80 g.

Kahn, kleines, spitz gebautes Binnenfahrzeug mit niedrigem Bord und flachem Boden, wird gewöhnlich mit Rudern, seltener durch Segel fortbewegt. Größere derartige Fahrzeuge von ähnlicher Bauart, 20-25 m lang, dienen auf unsern Strömen zum Warentransport, sie haben ein Verdeck und werden bei gutem Winde durch Segel, sonst mit Stangen, die man in den Grund stößt, fortbewegt. Am ausgebildetsten ist der Weserkahn, welcher auch als Lichter zwischen Bremen und Brake oder Bremerhaven benutzt wird.

Kahnbein, ein Knochen der Handwurzel und Fußwurzel bei den höhern Wirbeltieren (s. Fuß).

Kahnfüßer, s. Schnecken.

Kahnis, Karl Friedrich August, luther. Theolog, geb. 22. Dez. 1814 zu Greiz, studierte Philologie und Philosophie, dann Theologie in Halle, habilitierte sich 1842 zu Berlin und wurde 1844 außerordentlicher Professor in Breslau. 1848 schloß er sich den sogen. Altlutheranern an, ward darauf von der altlutherischen Gemeinde in Breslau zum zweiten Prediger gewählt, aber von der obersten Behörde nicht bestätigt. Seit 1850 ist er Professor der Theologie an der Universität Leipzig und Kapitular des Hochstifts Meißen. Seine Orthodoxie ist seit 1861 mannigfach bemängelt und angegriffen worden. Von seinen Schriften nennen wir außer drei Sammlungen "Predigten" (Leipz. 1866-77): "Die Lehre vom Heiligen Geist" (Halle 1847); "Die Lehre vom Abendmahl" (Leipz. 1851); "Die moderne Unionsdoktrin" (das. 1853); "Der innere Gang des deutschen Protestantismus seit Mitte des vorigen Jahrhunderts" (das. 1854; 3. Aufl. 1874, 2 Tle.; engl., Edinb. 1856); "Zeugnis von den Grundwahrheiten des Protestantismus gegen Hengstenberg" (Leipz. 1862); "Christentum und Luthertum" (das. 1871); "Die deutsche Reformation" (das. 1872); "Die lutherische Dogmatik" (das. 1861-68, 3 Bde.; 2. Aufl. 1874-75, 2 Bde.); "Der Gang der Kirche in Lebensbildern" (das. 1881).

Kahnlippe, Pflanze, s. Cymbidum. ^[richtig: Cymbidium.]

Kahul (Kagul, Formosa), Städtchen im russ. Gouvernement Bessarabien, an einem Arm des Pruth, mit 6876 Einw. Der südlich davon gelegene See K. ist bekannt durch den Sieg, welchen 13. Aug. 1770 die Russen unter Romanzow über die Türken unter Halil Pascha erfochten. Die Stadt gehörte 1856-78 zur Moldau.

Kai (niederländ. Kaje, franz. Quai), Mauer oder Steindamm an Fluß- oder Meeresufern, von der Höhe, daß sie selbst beim höchsten Wasserstand nicht überschwemmt werden und zum Schutz des Ufers gegen den Andrang der Wellen sowie als Ein- und Ausladeplatz für die Schiffe dienen, mit Treppen, damit bei jedem Wasserstand auch die Boote anlegen können; eingemauerte Ringe oder an den Kais eingerammte Pfähle (Dulte, Dalben, Duc d'Alben, s. d.) dienen zur Befestigung der Schiffe. K. heißt auch das ganze so ausgestattete Ufer, auch die längs des Ufers befindliche Straße; in Häfen auch der Ladeplatz für Schiffsgüter, wofür die Kajengebühr zu zahlen ist. Bollwerk (richtiger Bohlwerk) heißt die Kaje, wenn die Uferseite mit Planken verkleidet ist.

Kai (Kei, Großer Fluß), Fluß auf der Ostgrenze des Kaplandes, entsteht aus dem Schwarzen K., der vom Winterberg, dem Weißen K., der von den Stormbergen, und dem Indwe, der von den Drakenbergen kommt, und mündet nach 280 km langem, sehr gewundenem, sturzbachähnlichem Lauf, nördlich vom Kap Morgan, in den Indischen Ozean.

Kaien (holländ.), die Raaen aus der wagerechten in die senkrechte Lage bringen.

Kaieteur, Wasserfall des Rio Potaro, eines Nebenflusses des Essequibo in Britisch-Guayana, 251 m tief, 113 m breit, 1870 von C. B. Brown entdeckt.

Kailas, Gebirge, s. Gangri.

Kailâsa, Tempel, s. Ellora.

Kailcedraholz (Madeira-Mahagoni), das Holz des senegalensischen Mahagonibaums, Khaya senegalensis Guill. et Perott., aus der Familie der Meliaceen, ist rotbraun, mit deutlichen Jahresringen und mit bloßem Auge wahrnehmbaren Markstrahlen und Poren. Es wird seit Anfang dieses Jahrhunderts nach Europa gebracht und wie echtes Mahagoniholz verwendet, besonders auch zu Kasten für Mikroskope etc.

Kaim (Kayim, türk.), Wächter und Diener in den Moscheen.

Kaimakam (arab., "Stellvertreter"), in der Türkei Titel des Vorstehers eines Kreises (Kasa), in Ägypten Kaschif genannt. Über dem K. steht der Wali, über dem Kaschif der Mudir. Dann heißt K. auch jeder Stellvertreter eines hohen Beamten, z. B. K.-Sadraazam, Stellvertreter des Großwesirs. K. entspricht in der Armee dem Titel Oberstleutnant.

Kaiman, s. Alligatoren.

Kaimeh, das türk. Papiergeld.

Kaimeni, Inseln, s. Santorin.

Káin (hebr., "Erwerb", 1. Mos. 4, 1), nach biblischem Bericht erstgeborner Sohn Adams, Erfinder des Ackerbaues, tötete seinen Bruder Abel, weil nur dessen Opfer Gott wohl gefiel, und mußte seitdem, durch ein Zeichen (Kainszeichen, 1. Mos. 4, 15) gegen Blutrache geschützt, unstet umherirren, bis er sich zuletzt im Land Nod niederließ, wo er ein hohes Alter erreichte, nach einigen sogar bis zur Zeit der Sündflut lebte. Seine Gattin wird in der Sage Save genannt. Nach ihm nannten sich die Kainiten, eine gnostische Schwärmersekte des 2. Jahrh. (auch bekannt unter dem Namen Kainianer, Kajaner, Kainäer, Kaianisten und Kaianiten), welche K. als einen höhern Äon betrachtete und seinen Brudermord wie auch Judas Ischariots Verrat billigte. Wie die That Kains, als des ersten Mörders, durch welchen der Tod in die Welt kam, ein Lieblingsgegenstand der ältern wie der neuern Kunst wurde, so hat auch die Dichtung das poetische Motiv der biblischen Erzählung erfaßt und in mannigfacher Weise gestaltet. Bei den ältern Dichtern ist die Auffassung durchaus naiv, so namentlich in den biblischen und Schuldramen des 16. und 17. Jahrh., welche den Stoff vielfach auf-^[folgende Seite]