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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kainardschi; Kainit; Kainozoisch; Kainsdorf; Kainzenbad; Kaiparahafen; Kaiphas; Kaiping; Kairin; Káiro

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Kainardschi - Kairo.

griffen, z. B. im "K." von Chr. Weise (1704); bei den spätern, besonders seit Byrons Tragödie "Cain", in eigentümlicher Weise reflektiert. Eine charakteristische Probe der letztern Auffassung ist Kastropps Epopöe "K." (Stuttg. 1880).

Kainardschi, Dorf, s. Kütschük Kainardschi.

Kainit, Mineral aus der Ordnung der Sulfate, kristallisiert monoklinisch, findet sich meist derb in selbständigen, oft mächtigen Schichten als feinkörniges Aggregat, ist gelblich graugrün, durchscheinend, Härte 2,5, spez. Gew. 2,13, besteht aus Chlorkalium und schwefelsaurer Magnesia KCl+MgSO4+3H2O ^[KCl+MgSO_{4}+3H_{2}O] und findet sich im Hangenden der Kalisalze der Carnallitregion des Staßfurter Salzlagers und bei Kalusz. K. wird in Leopoldshall in großen Mengen gewonnen (Produktion s. Kalisalze) und auf Kalisalze, Düngesalze etc. verarbeitet.

Kainozoisch, s. Känozoisch.

Kainsdorf (Cainsdorf), Dorf in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Zwickau, an der Zwickauer Mulde und der Linie Zwickau-Schwarzenberg der Sächsischen Staatsbahn, hat das größte Eisenwerk Sachsens (Königin Maria-Hütte mit 1750 Arbeitern, 4 Hochöfen, 2 Gießereien, Schienen- und Feineisenwalzwerk, Bessemerstahlhütte, bedeutender Brückenbauwerkstatt, Maschinenbauanstalt etc.), schwunghafte Bierbrauerei und (1885) 3066 evang. Einwohner.

Kainzenbad, s. Partenkirchen.

Kaiparahafen, großer Einschnitt in die Westküste des nördlichsten Teils der Nordinsel von Neuseeland, in welchen die größten Schiffe einlaufen können. Der in sein Nordende einmündende Wairoa ist für große Schiffe 30 km aufwärts befahrbar.

Kaiphas, eigentlich Joseph Kaiaphas, jüd. Hoherpriester während Jesu öffentlicher Wirksamkeit und Kreuzigung, hatte seine Würde 18 n. Chr. von Valerius Gratus, dem römischen Prokurator von Judäa, übertragen erhalten und fungierte während der ganzen Prokuratur des Pontius Pilatus, ward aber 36 von dem Prokonsul Vitellius abgesetzt. In der alten Kirche verwechselten ihn einige mit dem Geschichtschreiber Josephus und glaubten, er habe sich zum Christentum bekehrt.

Kaiping, Stadt in der chines. Provinz Petschili, 120 km nordöstlich von Tientsin, nahe dem linken Ufer des Taoho, der in den Golf von Petschili abfließt. Eine 13 km lange Eisenbahn führt von hier zu den reichen Kohlenlagern im Gebirge, welche von einer englischen Gesellschaft ausgebeutet werden.

Kairin, salzsaures Oxychinolinmethylhydrür oder Oxyhydromethylchinolin C9H9OHN.CH3.HCl ^[C_{9}H_{9}.OHN.CH_{3}.HCl], entsteht, wenn man Amidophenol mit Glycerin und Schwefelsäure erhitzt, das entstandene Oxychinolin durch Behandlung mit Zinn und Salzsäure in Oxyhydrochinolin und dies durch Jodmethyl in Oxyhydromethylchinolin überführt. Das salzsaure Salz dieser Base bildet farblose Kristalle, schmeckt salzig-bitter, etwas zusammenziehend, ist leicht löslich in Wasser, färbt sich leicht violett und verliert bei 110° sein Kristallwasser. Es wurde von Fischer entdeckt und als Fiebermittel benutzt, bald aber durch das Antipyrin verdrängt. Der Name (kairos, der rechte Zeitpunkt) bezieht sich darauf, daß es entdeckt wurde, als man mehrfach nach einem Ersatz für Chinin suchte.

Káiro (Masr el Káhira, die "Siegreiche", hierzu der Plan "Kairo und Umgebung"), die Hauptstadt Ägyptens, liegt am rechten Ufer des Nils, 18 km oberhalb der Stromspaltung, am Fuß des Mokattamgebirges. Der Charakter der Stadt, ursprünglich ein rein arabischer, ist jetzt ein gemischter geworden, indem das europäische Element mehr und mehr an Boden gewinnt, ein Verhältnis, welches auch in der Architektur hervorzutreten beginnt. Auf der Esbekieh, dem Hauptplatz, halten sich das europäische und orientalische Element das Gleichgewicht; sie ist der Sammelplatz der Fremden, da die besten Häuser und Gasthöfe, mehrere Konsulate, die Theater etc. hier liegen. Die Mitte des achteckigen Platzes nimmt ein parkartig angelegter Garten ein; von ihm aus geht nach SO. die Muski genannte Hauptstraße, in welcher die europäischen Kaufläden, Buchhandlungen und Apotheken liegen und unter dem schützenden Dach aufgespannter Zelttücher und Brettdächer den ganzen Tag über eine große Menschenmenge hin und her wogt. Zu beiden Seiten liegen die arabischen Quartiere, ein wahres Labyrinth kreuz- und querlaufender, winkeliger Gäßchen und Gänge. Einige Straßen werden nur von Handwerkern bewohnt und zwar gewöhnlich von Mitgliedern einer Zunft, so daß die Waffenschmiede, die Schuhmacher, die Kesselschmiede, die Sattler etc. beisammen sind. Charakteristisch für K. sind die Bazare, unter welchen der Chan el Chalili der Hassanên-Moschee gegenüber, hervorragt. Er besteht aus mehreren gedeckten Straßen und Höfen, in welchen die verschiedensten orientalischen Waren in offenen Buden zum Verkauf ausliegen oder in Magazinen aufgestapelt sind. Neben ihm liegt der Bazar der Gold- und Silberschmiede; Seiden- und Wollenstoffe werden im Bazar El Ghuriye, Posamentierwaren im Bazar Akkadim, Früchte und Zucker im Bazar Sukkariye, Waffen im Suz es Selah feilgehalten. Neben den Bazaren erscheinen die Kaffeehäuser, zugleich Barbierstuben, und die öffentlichen Brunnen (Sebil), oft Meisterwerke arabischer Architektur, für die Physiognomie der Stadt bestimmend. An Märkten fehlt es nicht; einer der bedeutendsten ist der Karameidan (Plusa Mehemed Ali) im S., wo Pferde, Esel und Kamele feilgeboten werden und oft Beduinen in ihren Zelten lagern. Von den öffentlichen Gebäuden ist zunächst die Citadelle zu nennen, welche im SO. der Stadt auf einem Vorsprung des Mokattam bereits 1166 von Jussuf Saladin erbaut wurde, dessen mit antiken Säulen geschmückter Palast hier bis 1823 stand, wo er durch eine Pulverexplosion zerstört wurde. Was man heute sieht, ist das Werk Mehemed Alis, welcher auch die Befestigungen neu herstellen und mehrere Forts auf den überragenden Höhen des Mokattam erbauen ließ. Als größte Merkwürdigkeit der Citadelle wird der 90 m tief in den Felsen gesprengte Josephsbrunnen, vielleicht ein Pharaonisches Werk, gezeigt; neben ihm liegt die mit schlanken Minarets gekrönte Alabastermoschee Mehemed Alis, von deren Terrasse aus man die berühmte Aussicht auf K. hat, welches wie eine Insel mitten in der Wüste daliegt. K. besitzt nicht weniger als 400 Moscheen (Dschâmas), die alle mehr oder weniger nach dem Plan der heiligen Moschee in Mekka angelegt sind, und deren Besuch auch den Christen freisteht, wenn sie sich der mohammedanischen Sitte unterwerfen, beim Eintritt die Fußbekleidung abzulegen. Die Sultan Hassan-Moschee (1356-59 erbaut) ist eins der bedeutendsten Werke arabischer Baukunst, mächtig in den Verhältnissen, edel in allen Linien, reich und doch maßvoll verziert, gegenwärtig aber in völligem Verfall. Wahrhaft majestätisch ist das an der Ostseite befindliche Portal, welches aus einer 20 m hohen, im kleeblattförmigen Bogenschnitt endenden Nische besteht. Die Tulûn-Moschee ist die älteste, sie wurde 879 durch Ahmed ibn Tulûn nach dem Vorbild der Kaaba in Mekka erbaut, ist jetzt aber