Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalmia; Kalmieren; Kalmit; Kalmuck; Kalmücken; Kalmückenachat; Kalmus

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Kalmia - Kalmus.

täglich durch heftige Gewitter unterbrochen, auch ist hier die Wolkenbildung im allgemeinen so stark, daß man diese Gegend den Wolkenring genannt hat. Trotz der vielen elektrischen Entladungen ist die Lust dick und schwül und die Hitze oft kaum erträglich. Auch außerhalb der beiden Passate finden sich Zonen mit ziemlich viel Windstillen, welche nach den beiden Wendekreisen der Windstillengürtel des Wendekreises des Krebses und des Steinbockes genannt werden.

Kalmia L., Gattung der Erikaceen, kleine, immergrüne Sträucher mit länglichen oder elliptischen Blättern, kurzröhrigen, napf- und präsentiertellerförmigen, meist roten Blüten und fünffächeriger, fünfklappiger Kapsel. Mehrere Arten, wie K. angustifolia L., K. latifolia L. und K. glauca Ait. aus Nordamerika, werden in mehreren Varietäten als Ziersträucher kultiviert, sind aber gegen Kälte empfindlich.

Kalmieren (franz. calmer), beruhigen, besänftigen; kalmierende Mittel, s. v. w. betäubende Mittel.

Kalmit, Berg im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, der höchste Punkt der Hardt (s. d.), südwestlich von Neustadt gelegen, 681 m hoch, mit einem Aussichtsturm.

Kalmuck, locker gewebtes, aber dicht gewalktes, langhaariges, mit Glanz appretiertes Köpergewebe aus dickem Streichwollgarn, wird verschieden gefärbt und zu Winterkleidern benutzt. Einen ähnlichen Stoff stellt man aus starkem, rauhem Baumwollgarn dar, indem man ihm in der Appretur das Aussehen des echten K. gibt.

Kalmücken (Westmongolen), ein zum mongolischen Zweig der Altaier gehöriges Volk, wo sie heute Olöd genannt werden, dessen Hauptvertreter heute die Choschoten, Dsungaren, Dorboten und Torgoten (Törga-Uten) in China und Sibirien sind. Die letztern beiden Stämme zogen, die Torgoten 1636, die Dorboten 1723, aus ihren Stammsitzen in der Dsungarei infolge von Zwistigkeiten, sowie um das Reich Dschengis-Chans wiederherzustellen, nach W.; doch fehlte es dem "Oirat" genannten Bund an einem gemeinsamen Oberhaupt, und so zogen sie, Niederlassungen gründend, zuerst zum Altai, von da in die Kirgisensteppe, dann zum Quellengebiet des Tobol, endlich an den Muhadscharbergen vorüber zum Uralfluß und zur Wolgamündung. Dort ließen sie sich nieder, doch kehrte 1771 ein großer Teil, unzufrieden mit der russischen Regierung, unter unsäglichen Gefahren nach China zurück. Die zurückgebliebenen K. nomadisieren seit Ende vorigen Jahrhunderts friedlich in der Steppe zwischen Wolga und Ural, um Astrachan und Stawropol bis gegen Saratow, wo sie oft mit den Herrnhutern in Sarepta in Berührung kamen. Die K. am Altai heißen auch schwarze oder Bergkalmücken, zum Unterschied von den türkisierten Teleuten (s. d.) oder weißen K. im Gouvernement Tomsk. Die K. wohnen in Europa im Gouvernement Astrachan (129,550), im Gebiet der Donischen Kosaken (23,000) und im Gouvernement Stawropol (6000), in Sibirien im Gouvernement Tomsk (20,000), in Zentralasien in Semiretschinsk und Kuldscha (120,000), endlich in China in Kobdo und der Dsungarei (320,000) und in Ostturkistan im Thianschangebirge (50,000). Seit dem Aufstand der Dunganen (s. d.) und der Annektierung des Ilithals siedelten aus der Dsungarei viele K. nach Sibirien und Russisch-Turkistan über. Im ganzen schätzt man ihre Zahl auf 6-700,000 Seelen, doch mag dieselbe sich bis zu einer Million erheben. Ihr Äußeres (s. Tafel "Asiatische Völker", Fig. 10) stimmt ganz mit dem der Mongolen (s. d.) überein, auch ihre Sitten und Gebräuche sind denen jener nahe verwandt. Als Oberhaupt haben die russischen K. einen vor 1800 vom Dalai-Lama, seitdem von der russischen Regierung eingesetzten Lama, welcher in Bazar Kalmuk an der Wolga bei Astrachan wohnt und jeden Sommer eine Rundreise durch die Steppe macht. Das Christentum hat hier und da unter ihnen Wurzeln geschlagen, auch bekennt sich ein Teil der K. zur mohammedanischen Religion. Ihre Sprache ist eine Mundart der mongolischen, trägt Spuren hohen Alters an sich, ist aber sehr arm. Grammatiken derselben schrieben Rémusat in "Recherches sur les langues tartares", Zwick (Donauesching. 1852) und die Russen Popow (Kasan 1847) und Bobrownikow (das. 1849). Ein Wörterbuch veröffentlichte Zwick (Donauesching. 1853). Die K. haben geschriebene Gesetze und auch eine Litteratur, die meist aus Gedichten und historischen, mit Sagen verwebten Überlieferungen besteht; eine epische Dichtung, die "Dschangariade" (kalmückisch hrsg. von Golstunskij, Petersb. 1864), wurde von Erdmann ins Deutsche übersetzt ("Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" 1857), die Märchensammlung "Siddi-Kür" von Jülg (mit Übersetzung, Leipz. 1866) herausgegeben. Ihr Handel ist Tauschhandel von Vieh gegen Korn, wollene Kleider, Küchengeräte u. dgl. Bei den chinesischen und sibirischen K. liegt die Verwaltung in den Händen ihrer Stammfürsten (Jaisang) und deren Unterbeamten; Chinesen wie Russen wissen aber auf sie durch Ehrenbezeigungen aller Art einzuwirken. In Rußland sind die K. des donischen Gebiets der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen, während die im Gouvernement Astrachan vorhandenen davon befreit sind. Vgl. Bergmann, Nomadische Streifereien unter den K. (Riga 1804-1805, 4 Bde.); Wenjukow, Die russisch-asiatischen Grenzlande (deutsch, Leipz. 1874).

Kalmückenachat, s. v. w. Kascholong, s. Opal.

Kalmus (Acorus L.), Gattung aus der Familie der Araceen, Kräuter mit kriechendem, stark verzweigtem, aromatischem Wurzelstock, reitenden, scheidigen und schwertförmigen Blättern, sehr langem Blütenschaft, walzenförmigen Blütenkolben ohne Blütenscheide und oblong kegelförmigen, rötlichen Beeren. A. Calamus L., mit schwammig-fleischigem, bis 56 cm langem, walzenförmigem, geringeltem, auf den Blattnarben punktiertem, blaß pfirsichblutrotem Wurzelstock, linealschwertförmigen, 60-120 cm langen Blättern, grünlichgelben Blüten und einem 30 cm langen Blatt, welches die Verlängerung des Blütenschafts bildet und die Blütenscheide ersetzt. Die Frucht ist unbekannt. Der K. stammt aus den Küstenländern des Schwarzen Meers, findet sich auch in Mittelasien bis zum Altai und Japan sowie verwildert im größten Teil Europas und in Nordamerika am Ufer stehender und langsam fließender Gewässer. Der Wurzelstock ist als Kalmuswurzel (Rhizoma Calami) offizinell. Er wird geschält, gespalten und getrocknet, ist dann gelblichweiß, schwammig, weich, schmeckt stark aromatisch bitterlich, riecht aromatisch und enthält außer einem Bitterstoff etwa 1 Proz. gelbes ätherisches Öl, welches fast ganz aus einem bei 260° siedenden Kohlenwasserstoff besteht. Die Wurzel dient als Stomachikum bei atonischer Verdauungsschwäche, zu Zahnpulvern und Bädern; die Konditoren bereiten daraus durch Kochen mit Zucker ein besonders im Orient beliebtes Konfekt; das Öl dient gleichfalls als Arzneimittel, zu Likören und in der Parfümerie. Persern und Arabern gilt die Wurzel als kräftiges Aphrodisiakum. K. war schon in der altindischen Medizin, auch bei Griechen, Römern und Arabern gebräuchlich. 1574 kultivierte