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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kalugyér - Kalypso.

eine Realschule, 2 Kirchenschulen, viele andre Lehranstalten und mit den beiden Sloboden Jamskaja und Podsawalja (1883) 39,969 Einw. K. wird schon 1389 erwähnt.

Kalugyér, kleines Dorf im ungar. Komitat Bihar, unweit des Bergwerksortes Rézbánya, mit einer höchst merkwürdigen Schwefelquelle, aus der das Wasser während der Monate Dezember bis Juli viertelstündlich unter heftigem Brausen hervorquillt.

Kalumbin, Kalumbowurzel, s. Jateorrhiza. ^[richtig: Jateorhiza.]

Kalumniant (lat.), Verleumder.

Kalumnieneid, s. Gefährdeeid.

Kalunda (richtiger bloß Lunda, da Ka-Lunda "ein Lunda" bedeutet, Molua), Bantustamm im innern Südafrika, zwischen dem 9. und 12.° südl. Br., die Kernbewohner des Lundareichs. Sie sind von dem deutschen Forscher Pogge beschrieben worden, der sie gutmütig, leutselig, friedliebend, aber auch faul, feig, überaus eitel und abergläubisch nennt. Sie sind von großer Statur, an Farbe etwas heller als die Küstenneger von Loango, leben in Polygamie, sind schlechte Jäger und Fischer, betreiben aber lebhaften Sklavenhandel, der ihnen den Unterhalt zu liefern scheint. Männer und Frauen gehen mit Fazenda (Tuchstreifen) bekleidet, erstere, wenn sie vornehm, mit künstlichen Haarfrisuren; die Frauen brechen die untern Schneidezähne aus und scheren das Haupt. Industrie findet sich bei den K. sehr wenig und besteht nur im Verfertigen von Holzschüsseln, Gewehrschäften, Ruhekissen, Löffeln, Schmuck- und Fetischgerätschaften, Perücken, Töpferwaren, Pfeifen etc. Sie lieben die Musik, wohnen in backofenartigen Hütten. Den neugebornen Kindern wird der Kopf zusammengedrückt, so daß er monströs weit nach hinten steht. Die Frau bearbeitet den Acker zusammen mit den Sklaven. An Haustieren finden sich Ziegen, Hühner, Hunde, aber keine Rinder und Hauskatzen. Vgl. Pogge, Im Reich des Muata Jamwo (Berl. 1880).

Kaluschin (poln. Kaluszyn), Stadt im russ. Gouvernement Warschau, mit (1880) 7246 Einw., meist Juden, und Fabrikation von Öl, Essig, Seife, Talglichten und Tales, dem schwarz und weiß gestreiften Wollzeug, das die Juden zu ihren Gebetmänteln brauchen.

Kalusz (spr. kalusch), Stadt in Galizien, an der reißenden Lomnitza und der Lemberg-Stryi-Stanislauer Bahnlinie, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine Saline, Kalibergbau und Kalisalzproduktion (100,000 metr. Ztr. Kalirohsalz, 30,000 Ztr. Kaliprodukte), Bierbrauerei und (1880) 7210 Einw.

Kalvarienberg (v. lat. calvaria, "Hirnschädel"), Schädelstätte an Hinrichtungsplätzen, besonders s. v. w. Golgatha; daher in katholischen Ländern Hügel, welche, mit 1 oder 3 Kreuzen, Statuen und Bildern (14 Stationen) bezeichnet, die Todesstätte Christi veranschaulichen und als Wallfahrtsorte dienen.

Kalvillen, s. Apfelbaum, S. 675.

Kalvörde (Calvörde), Marktflecken im braunschweig. Kreis Helmstädt, in einer Exklave im Preußischen, an der Öhre, hat ein Amtsgericht, Spiritusbrennerei, Kartoffelstärkefabrikation, Tabaks- und Hopfenbau und (1885) 2010 evang. Einwohner.

Kalw (Calw), Oberamtsstadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, an der Nagold, 349 m ü. M., Knotenpunkt der Linien Zuffenhausen-K. und Pforzheim-Horb der Württembergischen Staatsbahn, hat eine evangelische, eine katholische und eine methodist. Kirche, ein Reallyceum, ein Georgenäum (öffentliche Bibliothek und Hörsaal, Stiftung des Generalkonsuls E. v. Georgii-Georgenau), eine Missionsgesellschaft mit bedeutendem Bücherverlag ("Kalwer Missionsblatt", "Kalwer Bibel"), ein Amtsgericht, eine Handels- und Gewerbekammer, Baumwoll- und Wollspinnerei, Fabrikation von Woll-(insbesondere Jacquard-) Decken, von Wirk- und Trikotwaren, Stahldrahtkratzen für Woll- und Baumwollspinnereien, Zigarren etc., Gerbereien, Holzhandel und (1885) 4632 meist evang. Einwohner. Unmittelbar über der malerisch gelegenen Stadt sind schöne Waldungen, in der Nähe die Badeorte Teinach, Liebenzell und Wildbad, das ehemalige berühmte Kloster Hirsau und einige Burgruinen. - K., bereits 1037 genannt, war einst im Besitz mächtiger Grafen, deren Gebiet 1308 und 1345 an Württemberg kam, und zeichnete sich schon früh durch seine Tuchfabrikation aus. 1634 wurde es von den Bayern, 1692 von den Franzosen erobert.

Kalwarya, Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Suwalki, rechts an der Scheschuppe, mit Stecknadel-, Leinwand-, Flanell-, Leder-, Hut- u. Kammfabriken, bedeutendem Handel und (1880) 10,606 Einw. (über zwei Drittel Juden).

Kalwitz, Sethus, s. Calvisius.

Kalycistoren (Kelchblütler), eine größere Abteilung im natürlichen Pflanzensystem, zuerst von De Candolle aufgestellt, begreift alle diejenigen Choripetalen, bei welchen die Staubgefäße perigyn oder epigyn sind.

Kalydon, im frühen Altertum berühmte Stadt in Ätolien, unweit der Mündung des Euenos, im Lande der Kureten, von Äolos gegründet; in historischer Zeit selten erwähnt und zu Strabons Zeit ganz heruntergekommen. Reste beim heutigen Kurtaga. Danach benannt war die von Dichtern oft behandelte kalydonische Jagd. Öneus, König von K., hatte nämlich einst der Artemis zu opfern vergessen, weshalb diese den gewaltigen kalydonischen Eber zur Verwüstung des königlichen Gebiets sandte. Meleagros, Öneus' Sohn, rief zur Erlegung der Bestie die berühmtesten hellenischen Heroen zusammen: Iason, Nestor, Theseus, die Jungfrau Atalante u. a. Zuerst verwundete Atalante den Eber, dann traf ihn Meleagros mit dem Wurfspieß tödlich, die übrigen erlegten ihn völlig. Über den Kopf und die Haut des Tiers entbrannte dann ein Streit unter den Helden, der dem Meleagros (s. d.) das Leben kostete.

Kalykádnos, Fluß in Kilikien, in welchem Kaiser Friedrich Barbarossa ertrank; jetzt Göksu.

Kalykantheen, dikotyle, nur wenige Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Polykarpen, Sträucher mit gegenständigen Blättern und perigynen Blüten, die durch die spiralige Anordnung ihrer zahlreichen Glieder ausgezeichnet sind. Sie unterscheiden sich von den nahe verwandten Magnoliaceen außer in der Blattstellung durch die eiweißlosen Samen. Vgl. Baillon, Histoire des plantes (Bd. 1). Diese Familie besteht aus den Gattungen Calycanthus, die mit wenigen Arten in Nordamerika, und Chimonanthus, die in Japan einheimisch sind. Die K. enthalten zimtähnliche aromatische Bestandteile u. werden in ihrem Vaterland arzneilich angewendet.

Kalypso, bei Homer eine Tochter des Atlas, welche die im Ozean liegende Insel Ogygia bewohnte, den schiffbrüchigen Odysseus freundlich aufnahm und sieben Jahre als Gatten bei sich behielt. Sie gebar ihm den Nausithoos und Nausinoos und starb nach späterer Sage aus Gram, als sie, von den Göttern genötigt, ihn endlich entlassen mußte. Ursprünglich bedeutete K. vielleicht die Unterwelt, in welcher der Sonnenheld (Odysseus) sieben Jahre (d. h. Monate) zu verbringen hat.