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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalyptrogen; Kama; Kâma; Kamaïeu; Kamail; Kamala; Kamaldulenser-Einsiedler; Kamaon

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Kalyptrogen - Kamaon.

Kalyptrogen (griech.), in der Pflanzenanatomie eine Zellteilungsschicht, welche die Wurzelhaube an der Wurzelspitze vieler Phanerogamen durch Zellteilung hervorgehen läßt.

Kama, persische Waffe, s. Jatagan.

Kama (bei den Wotjäken Budshim-kam, bei den Tschuwaschen Schoiga-adil, bei den Tataren Tscholman Idel oder Ak Idel genannt, welche Worte "weißer Fluß" bedeuten), der größte Nebenfluß der Wolga, entspringt aus den Sümpfen des Glasowschen Kreises, unweit des Dorfs Polonska, im Gouvernement Wjätka, fließt anfangs nördlich, dann nordöstlich und dringt in das Gouvernement Perm ein, wo er sich westlich von Tscherdyn gegen S. wendet und, in südöstlicher Richtung fließend, eine Zeitlang die Grenze zwischen Wjätka und Orenburg bildet; tritt darauf in das Gouvernement Kasan über, wendet sich gegen W. und mündet 69 km unterhalb Kasan gegenüber dem Kirchdorf Bogorodizk in die Wolga. Er hat keine Stromschnellen, ein völlig freies Fahrwasser und ist von Perm an schiffbar. Die Tiefe variiert von 3-21 m; die Länge beträgt 1690 km, wovon 1500 km schiffbar sind, sein Flußgebiet 460,000 qkm (9500 QM.); der obere Lauf ist nur 185 Tage im Jahr, der untere 205 eisfrei. Im Frühjahr steigt das Wasser so, daß der Fluß stellenweise bis 30 km breit wird. Schiffbare Nebenflüsse sind links: Wischera, Tschussowaja, Bjelaja; rechts: Inwa, Obwa, Wjätka. Die Zahl der Werften an den Ufern der K. ist ansehnlich und der durch diesen Strom vermittelte Handel zwischen Sibirien, Nishnij Nowgorod und Petersburg recht lebhaft. Auf der K. wurden 1882: 1229 Fahrzeuge und 26 Flöße mit Warenladungen im Wert von 20½ Mill. Rubel befördert.

Kâma (auch Manmatha), in der ind. Mythologie der Gott der Liebe, dem griechischen Eros zu vergleichen. Er reitet auf einem Papagei und verwundet mit einem Pfeil diejenigen, welche Liebe empfinden; er gehört zur Familie des Gottes Wischnu (s. d.). Siwa, der strenge Asket, den er einst in seinen Bußübungen störte, hat ihn durch einen Zornesblick zu Asche verbrannt, aber sobald Siwa die Pârwatî heiratet, wird er wiedergeboren als Sohn der Krischna. Seine Begleiterin ist die schöne Rati, die er sich aus dem Haus des Riesen Sambara erobert hat. Im ganzen wird die edle poetische Seite der menschlichen Liebe, wie sie sich in K. darstellt, im Unterschied vom häßlichen Saktidienst, welcher das weibliche Prinzip, den Mutterschoß der Natur, verehrt, in Indien wenig gepflegt.

Kamaïeu (franz., spr. -jöh), erhaben oder vertieft geschnittener Onyx, Sardonyx etc., wobei die verschieden gefärbten Lagen des Steins zur bildlichen Darstellung benutzt sind (vgl. Kamee); dann Malereien von einerlei Farbe, wie grau in grau, oder auch solche, die mit Einer Farbe auf einen Grund von einer andern Farbe gemalt sind (franz. en camaïeu). Erstere nannte man auch Cirage oder Grisaille, je nachdem die Grundfarbe braun oder grau war. Jetzt ist nur noch der Name Grisaille für grau in grau ausgeführte Tuschzeichnungen oder Ölskizzen üblich. Auch führen die ähnlich behandelten Handzeichnungen und Holzschnitte, in Deutschland zumeist Helldunkelblätter (Clair-obscur-Schnitte) genannt, den Namen K. Jene Malereien hatten ihre eigentliche Blütezeit in Italien im 16. Jahrh., wo Maturino, Pol. da Caravaggio u. a. die Häuser damit schmückten; doch spielen sie noch bis zum Ende des Rokoko eine große Rolle und sind auch in der Gegenwart wieder üblich. Auch jene Manier des Formschnittes (Wechtlin, Burgkmair, Ugo da Carpi, Antonio da Trento, Andreani, Jegher u. a.) hat ihre Blüte im 16. und 17. Jahrh.

Kamail, s. Camail und Rüstung.

Kamala (Wurus, Waras), leichtes, lockeres, rotes Pulver, besteht im wesentlichen aus den zinnoberroten Drüschen, welche die Früchte von Mallotus philippinensis J. Müll. (Rottlera tinctoria Roxb.) bedecken. Man gewinnt es in Indien durch Schütteln oder Abreiben der Früchte. Es ist fast geruch- und geschmacklos, enthält als Beimengungen Sternhaare, Bruchstückchen der Früchte und Blätter, Staub etc. Es wird von Wasser kaum angegriffen, gibt an Alkohol, Äther und Kalilauge ein prächtig rotes Harz ab, enthält Spuren von ätherischem Öl etc., im wesentlichen aber Harze (an 80 Proz.) und Rottlerin C22H20O6 ^[C_{22}H_{20}O_{6}]. Letzteres bildet gelbe Kristalle, löst sich in Wasser, Alkohol und Äther, in wässerigen Alkalien mit tiefroter Farbe, ist nicht flüchtig und entsteht auch bei Behandlung von Aloin mit Salzsäure. K. dient in Indien seit alter Zeit zum Färben der Seide und gibt ein schönes Orangebraun; seit der Mitte dieses Jahrhunderts wurde es in Europa als Bandwurmmittel benutzt, und seit 1872 ist es auch bei uns offizinell. Vor dem Kusso hat es den Vorzug, daß es weniger leicht Übelkeit und Erbrechen erregt. Auch gegen Hautkrankheiten ist es benutzt worden. Ein ähnliches Material findet sich als wichtiger Handelsartikel in Südarabien und Nordostafrika als Wars (Warras, falscher Safran). Es bildet ein dunkel violettschwärzliches Pulver und wird ebenfalls zum Färben, als Wurmmittel und gegen Hautkrankheiten benutzt. Seine Abstammung ist unbekannt.

Kamaldulenser-Einsiedler (Kamaldulisten oder Romualdiner), ein vom heil. Romuald (gest. 1027) gestifteter geistlicher Orden, welcher nach seinem ersten Sitz, Camaldoli, benannt wurde und 1072 die päpstliche Bestätigung erhielt. Die K. trugen einen weißen langen Rock, ein Skapulier, eine runde Kapuze und Schuhe. Wasser und Brot war ihre gewöhnliche Nahrung. Der Genuß von Fleisch war ganz untersagt. Während der großen Fasten pflegten viele, dem Beispiel des Stifters nacheifernd, ein 40tägiges Schweigen zu beobachten. Ganz gegen die Benediktinische Regel führte nämlich dieser das beschauliche, aller Einwirkung nach außen fremde Einsiedlerleben ein, was dem Orden im Verlauf der Zeit sehr nachteilig ward. Denn kaum hatte sich 1300 die Kamaldulenser-Einsiedelei San Michele di Murano bei Venedig zu einem förmlichen Kloster erhoben, als sich demselben sogleich die Kamaldulenser-Observanten, d. h. die der ursprünglichen Regel treu Gebliebenen, feindlich gegenüberstellten, und seitdem zerspaltete sich der Orden in langjährigen Zwistigkeiten in mehreren Kongregationen. Im 17. und 18. Jahrh. zählten sämtliche Kongregationen 2000 Religiosen unter 5 Generalen (majores). Jetzt ist der Orden bis auf wenige Stätten in Italien und Galizien zusammengeschmolzen. Die Kamaldulenser-Nonnen, für die das Kloster 1086 zu Mucellano in Toscana gegründet wurde, sind jetzt aufgehoben.

Kamaon (Kumaun), Division der Nordwestprovinzen des angloindischen Reichs unter einem Commissioner, liegt ganz im Himalajagebirge und hat ein Areal von 32,213 qkm (585 QM.) mit (1881) 1,046,263 Einw., meist Hindu. Die Division K. zerfällt in die Distrikte Garwhal, Tarai und K., der letzte ist der wichtigste. Das Land besteht teils aus rauhen Gebirgen, teils aus dem südlichen Babhar,