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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kaninefaten - Kannegießer.

benutzt man in der Hutmacherei. Die Haare der Seidenhasen werden für sich oder in Vermischung mit Wolle oder Baumwolle versponnen und verwebt.

Kaninefaten, batav. Volksstamm, nördlich von den Batavern zwischen dem Meer und dem Flevo- (Zuider-) See wohnend (jetzt Kennemer Land in Nordholland). 4 n. Chr. von Tiberius bezwungen, nahmen sie Kriegsdienste in den römischen Heeren. Unter Caligula empörten sie sich, verbanden sich 70 unter Brinno mit Claudius Civilis gegen die Römer, zerstörten 71 die römische Flotte und schlugen die den Römern beistehenden Nervier.

Kanister (lat. Canistrum), Korb, auch eine Blechflasche oder Blechkiste zur Versendung von Öl etc.

Kanitz (tschech. Konice), Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Brünn, an der Iglawa und der Linie Wien-Brünn der Staatseisenbahn, bestehend aus einer Christen- und Judenstadt, hat eine bemerkenswerte Dekanatskirche, ein altes Schloß, Färberei und Druckerei, Wein- und Obstbau, Pottaschesiederei und (1880) 2802 Einw.

Kanitz, Philipp Felix, Kunsthistoriker und Ethnograph, geb. 2. Aug. 1829 zu Budapest, studierte seit 1846 in Wien Kunstgeschichte und bereiste zu diesem Zweck Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien. Ein Besuch Dalmatiens und eines Teils der Herzegowina (1858) sowie Montenegros wurde der Ausgangspunkt für eine umfassende Thätigkeit auf dem Gebiet der Kunstgeschichte und Ethnographie in den von Südslawen bewohnten türkischen Ländern. Als Resultat derselben veröffentlichte er: "Die römischen Funde in Serbien" (Wien 1861) und das Prachtwerk: "Serbiens byzantinische Monumente" (das. 1862), welches die verschiedenen Einflüsse von Byzanz und des Occidents auf dieselben nachwies. Später folgten außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften: "Reise in Südserbien und Nordbulgarien" (Wien 1868) und "Serbien, historisch-ethnographische Reisestudien aus den Jahren 1859-68" (Leipz. 1868, 2. Aufl. 1877), eine Zusammenfassung sämtlicher über Serbien gewonnener Resultate; "Donau-Bulgarien und der Balkan. Historisch-geographisch-ethnographische Reisestudien aus den Jahren 1860-75" (das. 1875-1879, 3 Bde.; 3. Aufl. 1882) und der "Katechismus der Ornamentik" (2. Aufl., das. 1877).

Kanizsa (spr.-scha), 1) Groß-K. (ungar. Nagy-K.), Stadt im ungar. Komitat Zala, am Fluß K., Knotenpunkt der Bahnlinien nach Budapest, Ödenburg, Pragerbof, Agram und Fünfkirchen, mit Piaristen- und Franziskanerkloster, (1881) 18,473 ungar. Einwohnern, lebhaftem Getreide-, Wein-, Obst-, Schafwoll- und Viehhandel, Bierbrauerei, Spiritusfabrikation und Ziegelbrennereien. Es hat rege Industrie, mehrere Geldinstitute, eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, einen Gerichtshof, ein Obergymnasium, eine Handelsschule und 4 Spitäler. Vgl. Horváth, Geschichte der Stadt K. (ungarisch, Kanizsa 1862). - 2) Ó- oder Alt-K., Markt an der Theiß, im ungar. Komitat Bács-Bodrog, mit (1881) 13,069 ungarischen und serbischen Einwohnern, starkem Getreide- und Tabaksbau, Getreidehandel, Rindvieh- und Schafzucht. - 3) Türkisch- oder Klein-K. (ungar. Török-K.). Markt im ungar. Komitat Torontál, an der Theiß, Ö-K. gegenüber, mit 3333 meist serbischen Einwohnern.

Kankakee (spr.-kih), Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, am Kankakeefluß, 80 km südlich von Chicago, mit Steinbrüchen, viel Wald und (1880) 5651 Einw.

Kanker (Phalangium), s. Gliederspinnen.

Kankhnurahanf, s. Chinagras.

Kankroid, s. Krebs.

Kannabineen (Hanfartige), dikotyle Pflanzengruppe, eine Unterfamilie der Urtikaceen bildend und nur aus zwei Arten in zwei Gattungen, nämlich dem Hanf (Cannabis sativa L.) und dem Hopfen (Humulus Lupulus L.), bestehend. Sie unterscheiden sich von der nächstverwandten Gruppe der Urticeen durch ihre freien Nebenblätter, die hängenden, gekrümmten Ovula und das Fehlen des Milchsaftes. Vgl. Baillon, Histoire des plantes (Bd. 6).

Kannaceen, s. Marantaceen.

Kannar, ind. Stadt, s. Kananor.

Kanne, ein bauchiges Gefäß mit engem Halse, schnabel- oder röhrenförmigem Ausguß und Henkel, welches schon im Altertum bekannt war (griech. prochoos, oinochoe, s. Tafel "Vasen"). Die Kannen des Altertums waren meist aus Thon, Erz, Silber oder Gold, erst in späterer römischer Zeit aus Glas gefertigt. Im Mittelalter waren Thon und Metall die vorwiegenden Stoffe. In der Renaissancezeit war die K. ein beliebtes Tafel- und Prunkgeschirr. Neben den meist mit Deckeln versehenen Steinzeugkannen (s. die Abbildung) für den gewöhnlichen Gebrauch wurden solche aus Gold, aus vergoldetem Silber, aus mit Silber und Bronze montiertem Kristall etc. gefertigt. Vgl. auch Krug.

^[Abb.: Steinzeugkanne von Siegburg.]

Kanne, Flüssigkeitsmaß, am gebräuchlichsten: in München (Bayern), wo bisher 60 Kannen = 1 Eimer und 100 Kannen = 106,902 Lit.; in Dresden, 72 Kannen = 1 Eimer Wein, 420 Kannen = 1 Faß Bier, 100 Kannen = 93,559 L. Das Liter wird in Deutschland ebenfalls K. genannt. Auch in den Niederlanden (kan), in Dänemark (kande), Norwegen und Schweden (kanna), hier 2,617 L., ist die K. als Flüssigkeitsmaß gebräuchlich. In Sachsen enthielt die K. Butter 1 kg an Gewicht.

Kannefaß, s. Kanevas.

Kannegießer, nach Holbergs Lustspiel "Der politische K." Bezeichnung eines über Politik schwatzenden Spießbürgers, Bierbankpolitiker.

Kannegießer, Karl Ludwig, verdienter Übersetzer, geb. 9. Mai 1781 zu Wendemark in der Altmark, studierte zu Halle Philologie, wurde 1814 Rektor am