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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Frankreich).

durchstreiften, sammelte er und entsendete sie gegen Peter den Grausamen von Kastilien. Den Engländern nahm Duguesclin fast alle ihre Besitzungen in Frankreich wieder ab. Schon 1367 hatte K. ein Landfriedensgesetz erlassen, wie er denn überhaupt Sicherung des Landes vor den Söldnerbanden, vor dem Druck des Adels und seinen Binnenzöllen und vor den Ungerechtigkeiten der Gerichte erstrebte. Durch Handelsbegünstigungen zog er auch Fremde ins Land, begünstigte Künste und Wissenschaften, stiftete die königliche Bibliothek in Paris und erbaute die Bastille daselbst. Doch erregte er durch seine übermäßige Zentralisation und durch harten Steuerdruck vielfache Unzufriedenheit, so daß 1379 in der Bretagne, in Flandern und Languedoc Aufstände gegen ihn ausbrachen, die bei seinem Tod (16. Sept. 1380) noch nicht gestillt waren. Seine Gemahlin Johanna von Bourbon gebar ihm zwei Söhne, seinen Nachfolger Karl VI. und Ludwig, Herzog von Orléans. Vgl. Choisy, Vie de Charles V (Par. 1689, neue Ausg. 1784); Barthélemy de Beauregard, Histoire de Charles V (das. 1843); Delisle, Mandements et actes divers de Charles V (das. 1874).

21) K. VI., der Geliebte oder der Wahnsinnige, Sohn des vorigen, geb. 3. Dez. 1368 zu Paris, kam, bei dem Tod seines Vaters erst zwölf Jahre alt, 1380 auf den Thron unter Vormundschaft seiner väterlichen Oheime Ludwig von Anjou, Johann von Berri und Philipp von Burgund, die das Land aufs äußerste bedrückten und viele Aufstände des Volkes in Paris und andern Städten hervorriefen. Dieselben wurden blutig unterdrückt, die aufrührerischen Flandrer 1382 bei Roosebeke besiegt und die Herrschaft des Adels neu begründet. Erst 1388 übernahm K. die Regierung selbst. Er war guten Regungen leicht zugänglich, freundlich und herablassend, persönlich tapfer; doch war er phantastisch, nervös aufgeregt und steigerte diese für einen Regenten so gefährlichen Eigenschaften durch Ausschweifungen, die ihn bald jeder ernstern Beschäftigung entfremdeten. Dies benutzten die Oheime des Königs, um auf den erregten Geist des jugendlichen Monarchen zu wirken. Auf einem Zuge gegen den aufrührerischen Herzog von der Bretagne (1392) fiel der König, erschreckt durch die plötzliche Erscheinung eines Mannes in weißen Kleidern, der, aus einem Buschwerk kommend, des Königs Pferd anhielt, ihn dringend warnte, nicht weiter zu ziehen, und alsbald wieder verschwand, in Geisteszerrüttung, worauf Philipp von Burgund und Johann von Berri wieder als Regenten auftraten, den Herzog Ludwig von Orléans, den Bruder des Königs, als zu jung ausschließend. Zwar erholte sich K. wieder, aber ein zufälliger Brand bei einer Maskerade, der mehreren Personen das Leben kostete, brachte bei ihm den Wahnsinn 1393 von neuem und zwar unheilbar zum Ausbruch. Um die Herrschaft stritten sich nun zwei Parteien, die Armagnacs unter dem Herzog Ludwig von Orléans und nach dessen Ermordung 1407 unter dem Grafen von Armagnac und die Bourguignons unter dem Herzog Johann von Burgund. Jenen schloß sich der Dauphin Karl, diesen Karls Gemahlin Isabeau von Bayern an. Die innern Kämpfe benutzte Heinrich V. von England zu einem neuen Eroberungskrieg, und 1420 schloß der König unter dem Einfluß Isabeaus und Burgunds mit Heinrich V. den Vertrag von Troyes, in welchem er diesem seine Tochter Katharina vermählte und ihn als Thronfolger anerkannte. K. starb 21. Okt. 1422. Vgl. Duval-Pineux, Histoire de France sous le règne de Charles VI (Par. 1842, 2 Bde.).

22) K. VII., der Siegreiche, dritter Sohn und Nachfolger des vorigen, geb. 22. Febr. 1403, wurde nach dem Tod seiner ältern Brüder 1417 Dauphin und Regent, aber 1418 von den Bourguignons aus Paris vertrieben und nahm in Bourges seine Residenz. Als er jedoch auf Anstiften Duchâtels Johann den Unerschrockenen von Burgund auf der Yonnebrücke zu Montereau 10. Sept. 1419 hinterlistig hatte ermorden lassen, fielen alle burgundischen Länder, ganz Nordfrankreich, den Engländern zu, auf deren Seite auch Karls eigne Mutter Isabeau trat. König Heinrich V. ließ K. durch das Pariser Parlament für des Throns verlustig erklären (1421), und nach Heinrichs und Karls VI. Tod (1422) wurde des erstern einjähriger Sohn Heinrich VI. in Paris als König anerkannt. Bei Crevant (1423) und bei Verneuil (1424) vollständig geschlagen, wurde das Heer des "Dauphins" K. durch die verbündeten Engländer und Burgunder hinter die Loire getrieben, so daß man K. spottweise den "König von Bourges" nannte. Leichtsinnig vertändelte K. zu Chinon seine Zeit mit üppigen Festen und zahlreichen Mätressen. Nur Orléans hielt der heldenmütige Dunois, und endlich verschaffte die Jungfrau von Orléans (s. Jeanne d'Arc) K. den Sieg und führte ihn 1429 in die Krönungsstadt Reims. Trotz des glücklichen Aufschwungs seiner Sache versank aber K. sogleich wieder in Thatlosigkeit. Ein Versuch gegen Paris endete mit dem Rückzug nach Chinon. Indes versöhnte sich 1435 Burgund mit K. durch den freilich für letztern sehr opfervollen Vertrag von Arras, während den Engländern durch den Tod Bedfords ein unersetzlicher Verlust bereitet wurde. Seitdem ging es mit der Herrschaft der Engländer unaufhaltsam rückwärts, zumal K., durch seine Geliebte Agnes Sorel veranlaßt, mehr Thätigkeit und Eifer entwickelte. Im April 1436 wurde den Engländern Paris abgenommen, und bis zum Oktober 1453 wurden sie gänzlich aus Frankreich vertrieben. Inzwischen begründete K. durch die Pragmatische Sanktion vom Jahr 1438 die Freiheit der gallikanischen Kirche. Vor allem ordnete er die Finanzen und die Rechtspflege, beseitigte die zügellosen Söldnerbanden (Armagnaken), errichtete ein kleines, aber zuverlässiges stehendes Heer und hemmte durch energische Verordnungen den Druck des Adels auf die untern Klassen, was einen offenen Aufstand, die sogen. Praguerie, hervorrief, dem sich sogar der Dauphin Ludwig anschloß. Die wiederholten Empörungsversuche desselben trübten die letzten Tage des Königs, und die Furcht vor Vergiftung übte einen gleich zerstörenden Einfluß auf seinen Geist und Körper. K. starb 22. Juli 1461 zu Melun sur Yèvre in Berry. Er war vermählt mit Maria von Anjou, die ihm einen Sohn, den nachherigen Ludwig XI., gebar. Vgl. Vallet de Viriville, Histoire de Charles VII (Par. 1862-65, 3 Bde.); du Fresne de Beaucourt, Le caractère de Charles VII (das. 1875, 2 Bde.); Derselbe, Histoire de Charles VII (das. 1881-85, Bd. 1-3); Clément, Jacques Coeur et Charles VII (2. Aufl., das. 1868).

23) K. VIII., ältester Sohn Ludwigs XI., Enkel des vorigen, geb. 30. Juni 1470 zu Amboise, bestieg nach dem Tod seines Vaters 1483 den Thron, worauf sogleich ein heftiger Streit zwischen seiner Schwester Anna von Beaujeu und Ludwig von Orléans um Vormundschaft und Regentschaft entbrannte. K. war ein schwächlicher, phantastischer und beschränkter Fürst. Durch seine Vermählung mit Anna, der Erbin der Bretagne, erwarb er dies Land für die Krone. Als Erbe der Rechte der Anjous auf Neapel unter-^[folgende Seite]