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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Käsefliege; Käsegift; Käsegummi; Kaseïn; Kaseïnmalerei; Käseklee; Kasel; Kaselowski; Käsemade; Käsemagen; Kasematte

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Käsefliege - Kasematte.

mittlern und südlichen Frankreich, welche noch gegenwärtig durch ihre Fabrikation bekannt sind, über die Darstellung des Käses bei den alten Germanen finden sich indes keine Nachrichten. Erst von den Zeiten Karls d. Gr. an kommt einiges Licht in die Geschichte der deutschen Landwirtschaft. Die Käsebereitung scheint damals eine wichtige Rolle gespielt zu haben und sogar eifriger betrieben worden zu sein als die Butterbereitung. Glarner Schabzieger wird bereits im 13. Jahrh. erwähnt. Vgl. v. Klenze, Handbuch der Käsereitechnik (Brem. 1884); weiteres bei Milch.

Käsefliege (Piophila casei L.), Insekt aus der Familie der Fliegen, 5 mm lang, schlank, glänzend schwarz, legt ihre Eier an Käse und andre Viktualien. Die weißen glänzenden Larven (Käsemaden) sind 8 mm lang und springen durch schnelles Einbiegen und Wiederausstrecken des Körpers. Man hält sie am besten durch Drahtglocken etc. vom Käse fern.

Käsegift, s. Käse, S. 585.

Käsegummi, s. Kasein.

Kaseïn (Käsestoff), ein Eiweißkörper, welcher sich besonders in der Milch der Säugetiere findet. Man erhält dieses lösliche K., wenn man Milch bei niederer Temperatur verdampft, den Rückstand mit Äther entfettet, in Wasser löst und durch Alkohol fällt. Unter 50° getrocknet, ist es bernsteingelb, geruchlos, schmeckt fade und gibt mit Wasser eine gelbe, schleimige, leicht faulende Lösung. Diese gerinnt nicht beim Kochen, aber bei 125-130° und überzieht sich beim Kochen an der Luft mit einer Haut, die sich nach dem Wegziehen stets wieder erneuert. Durch Mineralsäuren, Weinstein und Alaunlösung, Essigsäure, Milchsäure etc., Alkohol, Gerbsäure und Metallsalze wird Kaseinlösung gefällt, ebenso durch Lab (Molken und Käsebereitung). Geronnenes K. ist nach dem Trocknen hornartig, gelblich, quillt in Wasser und löst sich darin auf Zusatz einer Spur von Alkali oder Säure und wird aus diesen Lösungen durch Neutralisation wieder gefällt. Mit etwas Alkali versetztes Eiweiß zeigt viele Eigenschaften des Kaseins, und ebenso gerinnt Kaseinlösung nach Zusatz gewisser Stoffe bei 60-70° wie Eiweißlösung. K. besitzt hohen Wert als Nährstoff und ist Hauptbestandteil des Käses. In der Zeugdruckerei wird aus Milch gefälltes K. gewaschen, gepreßt, getrocknet und in Alkalien oder gebranntem Kalk gelöst, als Beize und Verdickungsmittel sowie zur Befestigung pulverförmiger Farben benutzt. Mit Käsekalk (Quarkleim, Käsegummi, Caséogomme) behandelte (animalisierte) Baumwolle und Leinenfaser nehmen Farbstoffe so leicht wie tierische Faser auf. Käsekalk dient auch als Kitt und zur Darstellung von Anstrichfarben.

Kaseïnmalerei, eine neue Technik der Wandmalerei zum Ersatz der Freskomalerei. Als Bindemittel dient der Käsestoff (s. Kasein), welcher eine leichtere technische Behandlung und zugleich eine reichere und tiefere Farbenskala ermöglicht, als sie die Freskomalerei gewährt.

Käseklee, s. Melilotus und Trigonella.

Kasel (Casula, Casubula, Planeta), das oberste Kleid der katholischen Priester beim Messelesen, war anfangs ein weiter, ärmelloser, glockenähnlicher Mantel, der den Priester wie ein kleines Haus (casula) umschloß, nur mit einem Ausschnitt für den Kopf, schon in frühster Zeit mit gewebten und gestickten Streifen an den Rändern, später mit Schnürenzügen auf den Achseln, wodurch die K. über den Armen hinaufgezogen wurde (s. die Abbildung). Erst gegen Ende des Mittelalters machte man an den Seiten Ausschnitte für die Arme. Der Stoff ist ein damastartiges Gewebe, glatt oder auch mit vertieft liegenden Mustern aus der Pflanzen- und Tierwelt. Die Farbe der K. war im frühern Mittelalter dunkelgelb oder gelblichgrün, später auch rot und dunkelviolett, gewöhnlich ohne andersfarbiges Muster. Außer jenen Streifen am Rand erhielt die K. seit dem 11. Jahrh. zwei goldgestickte Streifen (aurifrisiae), die vorn und hinten je ein Gabelkreuz (Y) bilden, also die Form des erzbischöflichen Palliums haben, auch wohl die ornamentale Form eines Baums mit Astwerk annehmen. Die Knaben, welche beim Abendmahl den Kommunikanten das Tuch vorhalten, tragen ebenfalls eine K. und heißen daher Kaselknaben.

^[Abb.: Kasel (nach Viollet le Duc).]

Kaselowski, August, Maler, geb. 26. April 1810 zu Potsdam, besuchte seit seinem 18. Jahr die Berliner Akademie, wurde später Schüler Hensels und reiste mit dem 1836 errungenen großen Staatspreis über Düsseldorf und Belgien nach Paris, wo er drei Jahre in Cogniets Atelier arbeitete. Von 1839 bis 1850 lebte er in Rom, italienische Szenen, Kopien nach Raffael und große historische Bilder eigner Komposition (Freisprechung der Susanna durch Daniel) ausführend. In den 50er Jahren verweilte er teils in Berlin, teils war er auf Reisen in England, Spanien, Griechenland etc. Für ein großes auf der Ausstellung von 1860 befindliches Bild: die Grablegung Christi, erhielt er die goldene Medaille. Er wurde Professor und 1861 Lehrer an der königlichen Kunstschule. Er malte vorzugsweise Altarbilder für Kirchen. Freskomalereien von ihm befinden sich in der Schloßkapelle und im neuen Museum zu Berlin, wobei er sich von Kaulbach beeinflussen ließ. Unter seinen letzten Werken sind Christus, die Kinder segnend, und ein durch die Photographie veröffentlichter Karton: Germanias Rechtsspruch, besonders hervorzuheben.

Käsemade, s. Käsefliege.

Käsemagen, s. v. w. Lab.

Kasematte (v. span. casa, Haus, und matar, töten, daher die alte Bezeichnung "Mordkeller"), bombenfest überwölbter Raum in Festungswerken. Stehen die Gewölbewiderlager senkrecht zur Stirnmauer, so heißt die K. Perpendikularkasematte, ist das Widerlager parallel der Stirnmauer geführt, Parallelkasematte oder bei geringer Breite Galerie. Verteidigungskasematten sind solche, deren Stirnmauer mit Scharten für Geschütz- oder Gewehrverteidigung versehen ist. Bei der Erbauung aller neuern Festungen legt man womöglich so viele Kasematten (Hohlräume) an, daß die ganze Besatzung darin gesichert untergebracht werden kann. Ein großer Teil der Kasematten dient schon im Frieden als Kasernen (Wohnkasematten), die übrigen als Aufbewahrungsräume. Mehrere nebeneinander lie-^[folgende Seite]