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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Keller

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Keller (Personenname).

fertig wurde. Die Disputa ist Kellers Hauptwerk, worin sich Sorgfalt des Stichels und malerische Weichheit in gleicher Weise geltend machen. Sodann ging K. an den Stich der Sixtinischen Madonna von Raffael, wozu er eine von Schurig in Dresden hergestellte, von ihm selbst überarbeitete Zeichnung benutzte. Macht sich in den frühern Arbeiten Kellers noch die Manier des Kartonstichs geltend, so ist dieselbe bei der Sixtinischen Madonna ganz abgestreift; bei derselben ist jedoch die zu große Weichheit und Unbestimmtheit der Formengebung zu tadeln, so daß der Stich hinter F. Müller und Mandel zurückbleibt. K. starb 30. Mai 1873 in Düsseldorf.

7) Heinrich Adelbert von, Germanist und Romanist, geb. 5. Juli 1812 zu Pleidelsheim in Württemberg, studierte in Tübingen Theologie, wandte sich aber zugleich unter Uhlands Leitung mittelalterlichen Sprachstudien zu. Als Frucht eines 13monatlichen Aufenthalts in Paris erschien: "Li Romans des sept sages" (Tübing. 1836). Im Herbst 1835 habilitierte sich K. als Privatdozent der germanischen und romanischen Litteratur in Tübingen, wo er von 1837 bis 1841 auch das Amt eines Unterbibliothekars der Universität bekleidete. In dieser Zeit gab er heraus: "Altfranzösische Sagen" (2. Aufl., Heilbr. 1876), veranstaltete mit Notter eine deutsche Ausgabe sämtlicher Romane des Cervantes (Stuttg. 1838-42, 12 Bde.), edierte den "Romancero del Cid" (das. 1840) und "Zwei Fabliaux" (das. 1840) und übersetzte außer anderm die "Gudrun" (das. 1840). Aus Gesundheitsrücksichten ging er 1840 nach Italien, wo er zu Rom und Venedig die bedeutendsten Bibliotheken durchforschte. Eine reiche Ausbeute von schätzbaren Beiträgen zur Geschichte mittelalterlicher Dichtung veröffentlichte er in seiner "Rômvart" (Mannh. 1844). Nach seiner Rückkehr zum außerordentlichen, 1844 zum ordentlichen Professor und zugleich zum Oberbibliothekar ernannt, gab er heraus: "Diokletians Leben" von Bühel (Quedlinb. 1841); die "Gesta Romanorum" (Stuttg. 1842); "Li Romans dou chevalier au leon" (Tübing. 1841); mit Rapp eine Übersetzung Shakespeares (Stuttg. 1843-46); "Altdeutsche Gedichte" (Tübing. 1846); "Alte gute Schwänke" (2. Aufl., Heilbr. 1876); "Lieder Heinrichs von Württemberg" (Tübing. 1849); "Lieder Guillems von Burgunden" (Mitau 1849); "Meister Altwerts Werke" (Stuttg. 1850); "Italienischer Novellenschatz" (Leipz. 1851-52, 6 Bde.) und "Fastnachtsspiele aus dem 15. Jahrhundert" (Stuttg. 1853). 1850 legte er seine Stelle als Oberbibliothekar nieder; dagegen ward er 1849 Präsident des "Litterarischen Vereins" in Stuttgart und hat seitdem seine litterarische Thätigkeit vorzugsweise in den Schriften des Vereins entwickelt, für welchen er den "Simplicissimus" (1854-62, 4 Bde.), "Ayrers Dramen" (1864-65, 5 Bde.), "Das deutsche Heldenbuch" (1867), "Hans Sachs" (1870-1881, Bd. 1-13), "A. Tüngers Facetiae" (1875), "Widmann, Fausts Leben" (1881) und "Das Nibelungenlied nach der Piaristenhandschrift" (1880) zum Druck beförderte. Noch ist seine Schrift "Uhland als Dramatiker, mit Benutzung seines handschriftlichen Nachlasses dargestellt" (Stuttg. 1877) zu erwähnen. Er starb 13. März 1883. Vgl. Fischer, Nekrolog für A. v. K. (Berl. 1884).

8) Gottfried, Dichter, geb. 19. Juli 1819 zu Glattfelden bei Zürich, widmete sich zuerst der Landschaftsmalerei und verweilte zu seiner künstlerischen Ausbildung 1840-42 in Wien, kehrte dann aber in seine Heimat zurück und wurde sich hier bald darüber klar, daß sein schöpferisches Talent ihn weit mehr auf die Poesie als auf die bildende Kunst hinweise. Die Herausgabe der ersten Sammlung seiner "Gedichte" (Heidelb. 1846), in denen sich eine scharf geprägte Originalität neben tiefer Innigkeit und quellender Lebensfülle bekundete, entschied über seinen Beruf. Er ging, um Philosophie zu studieren, 1848 nach Heidelberg, 1850 nach Berlin und bethätigte seinen produktiven Drang wie sein eigentümliches Talent durch die Sammlung seiner "Neueren Gedichte" (Braunschw. 1851) sowie durch den großen Roman "Der grüne Heinrich" (das. 1854, 4 Bde.; neue, wesentlich umgearbeitete Ausg., Stuttg. 1879-80), welcher eine Fülle äußerer und innerer Erlebnisse, echt poetischer Stimmungen in einer allerdings lockern und stellenweise über den prosaischen Bericht sich nicht erhebenden Erfindung und Komposition enthält und jedenfalls zu den an poetischem Detail reichsten Romanen der neuern deutschen Litteratur gezählt werden muß. Ganz entscheidend und über jeden Zweifel hinaus dokumentierte der Dichter seine Bedeutung in den Erzählungen: "Die Leute von Seldwyla" (Braunschw. 1856), welche ihn unter die ersten Novellendichter der deutschen Litteratur einreihen. In Ernst und Humor enthält die Sammlung vollendete Meisterstücke (darunter: "Romeo und Julie auf dem Dorf", "Die drei gerechten Kammmacher"). K. erwies darin neben der Fülle und Wärme sinnlich-anschaulichen Lebens eine seltene psychische Tiefe und Feinheit, schlagende Kraft der Charakteristik und den liebenswürdigsten Humor, welcher nur vereinzelt in schneidige Satire und Ironie umschlägt. 1861 ward K. zum ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich erwählt. Da in die ersten Jahre nach seinem Amtsantritt mehrere Verfassungsrevisionen fielen, so ward ihm die freie Muße empfindlich verkümmert. Erst seit er 1876 von seiner amtlichen Stellung zurückgetreten, konnte er eine Reihe neubegonnener poetischer Arbeiten zu Ende führen. Vorher war die um eine Anzahl köstlicher Erzählungen, wie: "Dietegen", "Der Schmied seines Glücks" und "Kleider machen Leute", vermehrte 2. Auflage der "Leute von Seldwyla" (Stuttg. 1873-74, 4 Bde.; 5. Aufl. 1887, 2 Bde.) sowie die humoristisch-kecken, farbenreichen "Sieben Legenden" (das. 1872, 3. Aufl. 1883) erschienen; jetzt trat die obengedachte große und vielfach glückliche Neubearbeitung des "Grünen Heinrich" und die Sammlung "Züricher Novellen" (Stuttg. 1878, 2 Bde.; 4. Aufl., Berl. 1886, 2 Bde.) hervor, die in ihrer einrahmenden Erzählung wie in den einzelnen Geschichten (namentlich "Der Landvogt von Greifensee" und "Das Fähnlein der sieben Aufrechten") wiederum eine wunderbare Fülle innern Lebens und Meisterstücke in Scherz und Ernst aufwies. Wenn die folgenden Novellen ("Das Sinngedicht", 4. Aufl., Berl. 1884) trotz einzelner vorzüglicher Momente eine gewisse Ermattung des Dichters befürchten ließen, so ward diese Befürchtung durch alle neuern Gedichte, welche in den "Gesammelten Gedichten" Kellers (Berl. 1883) zu Tage traten, sowie durch den Musterroman "Martin Salander" (das. 1886) entscheidend widerlegt. Letzterer, von höchster Einfachheit der Komposition, birgt einen seltenen Reichtum des Lebens, eine Fülle charakteristischer Gestalten, satirischer Zeitschilderung und tiefpoetischer Situationen, in mustergültiger Vollendung anschaulichen und eigentümlichen Stils, und stellt allein schon K. den tiefsten und reichsten schöpferischen Naturen der neuesten deutschen Litteratur an die Seite. Vgl. Brahm, Gottfried K. (Berl. 1883).

9) Emile, franz. Politiker, geb. 8. Okt. 1828 zu Belfort, besuchte die polytechnische Schule, trat 1857