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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kirgiskaisaken; Kirid; Kirilow; Kirjath; Kirkby-in-Kendal; Kirkcaldy

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Kirgiskaisaken - Kirkcaldy.

65 km weit zwischen zwei Sandflächen mit oft 30 m hohen Ufern hinzieht. Lange Strecken Wüstensandes, der Schrecken der Karawanen, breiten sich im S. aus. An Seen ist die Steppe reich; sie sind aber seicht, salzig und trocknen von Jahr zu Jahr mehr aus. Ebenso sind die zahlreichen Wasserläufe meist wasserarm und vertrocknen im Sommer ganz; eine Ausnahme machen im O. der Irtisch, im S. der Tschu, im W. teilweise die Emba und der Ural (Jaik). Infolge der Wasserarmut trägt das ganze Land den Charakter der Dürre und Unfruchtbarkeit. Die Gegensätze von Kälte und Wärme treten sehr scharf auf. Der Winter beginnt schon Ende August und dauert bis April, die Kälte erreicht -37° C.; der Frühling geht rasch vorüber, der Sommer ist trocken und glühend heiß (bis 43° C. im Schatten), der Herbst kurz und regnerisch. Regen fällt im allgemeinen selten, die Jahresmenge der wässerigen Niederschläge wird höchstens 80 mm betragen. Winde (namentlich die Burane oder Schneewirbelwinde) treten mit furchtbarer Heftigkeit auf. Im SO. sind auch verheerende Gewitter und Erdbeben nicht selten. Der früher unbedeutende Bergbau findet jetzt, seitdem die Russen der Unsicherheit ein Ende machten, immer mehr Beachtung. Goldwäschen gab es von jeher, ebenso wurden Silberminen ausgebeutet; ihr Ertrag ist aber nie bedeutend gewesen, und letztere werden nur noch auf Blei bearbeitet. Wertvoller ist Kupfer; es wird in sieben Hütten dargestellt, die 1879: 31,175 Pud lieferten. Eine bedeutende Zukunft hat der Abbau der Kohlen, der hauptsächlich in Semipalatinsk bei Permykins, Pawlodar (vier Gruben) und Karakalin, dann in Akmollinsk in den Gruben von Karagantin betrieben wird; eine neue Grube wurde bei Ermensk eröffnet. Diese Gruben, teils Privaten (besonders der Familie Popow), teils Gesellschaften gehörig, lieferten 1879: 348,000 Ztr. Kohlen. Wald fehlt; im N. kommen vereinzelte Birken vor, sonst ersetzt ihn holziges Gestrüppe. Der Saksaul (Anabasis), außerdem Mist, dient als Feuerung. Längs der Festungsreihen sind die besten Weideplätze, längs der Flußläufe gute Ackergründe. Die Seen und sumpfigen Vertiefungen sind mit Schilfwaldung in ziemlich weitem Umfang eingefaßt. Die Tierwelt ist in der eigentlichen Steppe wegen ihrer Dürre nur kärglich vertreten. Murmeltiere, Antilopen, Eber (in den Schilfdickichten), Wölfe (sehr zahlreich) und Füchse, von Vögeln Adler und Fasanen, sodann Gänse, Schnepfen etc. in den Umgebungen der Seen, sonst Habichte, Lerchen u. dgl. kommen am meisten vor. Eine große Plage für Menschen und Vieh sind während der Sommerszeit die Schwärme von Bremsen und andern Insekten. Viehzucht ist Haupterwerb der Bevölkerung. Die Herden von Rindvieh, Schafen (klein, mit herabhängenden Ohren) und Pferden (klein an Wuchs, aber kräftig, ausdauernd und genügsam; edlere Rassen selten) sind groß; Kamele sind zwar auch zahlreich, aber schlecht gepflegt und daher schwächlich (vgl. Radloff in der "Zeitschrift für Ethnographie" 1871). Die Bevölkerung besteht der großen Mehrzahl nach aus Kirgisen (s. d.). Eingesprengt unter sie und mit ihnen wandernd, leben Tataren als Händler, deren Zelte als Krambuden für ihre Waren dienen, Kosaken und Russen in den Festungen. Russische Bauern umwohnen den ganzen Nordwesten der Steppe, haben aber auch schon im Innern derselben Kolonien angelegt; insbesondere ist dies in größerm Maß gelungen am Ischim (von Altbassar nördlich gegen Omsk zu), dann im SW. bei Kopal und Wernoje. Industrie fehlt, der Handel mit ihren Erzeugnissen ist deshalb sehr lebhaft; er war früher ausschließlich Tauschhandel, wird jetzt aber immer mehr in Geld geführt. Hauptgegenstände der Ausfuhr aus Rußland nach der K. sind Baumwollwaren, Leder und Getreide, wogegen letztere Vieh und Häute liefert.

Die Kleine Horde der Kirgiskaisaken unterwarf sich 1734 freiwillig der russischen Zarin Anna; die Freude über dieses Ereignis dauerte aber nicht lange, denn die Russen sahen sich genötigt, längs der Steppe ganze Reihen von Festungen mit zahlreicher Besatzung zu errichten, um sich der Raubzüge der neuen Unterthanen in russisches Kulturland zu erwehren. Die Verwaltung machte dabei große Mißgriffe; sie pflog den schriftlichen Verkehr in tatarischer Sprache, die nicht die Muttersprache der Bewohner war, baute Moscheen, während der Glaube noch ein schamanischer war, und leistete dadurch den Erbfeinden christlicher Regierungen, den tatarischen mohammedanischen Priestern, Vorschub, die sich beeilten, aus Innerasien in der Steppe sich niederzulassen. 1820 wurde beschlossen, die Kirgiskaisaken zu wirklichen Unterthanen zu machen; man legte hierzu in der Steppe an denjenigen Punkten, die für die Umgebung sich zu Mittelpunkten des Verkehrs eigneten, Befestigungen an, worin Kosaken angesiedelt wurden. Dieses System fand zuerst am Irtisch Anwendung, 1835 in der Orenburger Steppe. Die Organisierung von Verwaltungsdistrikten wurde hier zwar die Ursache einer kleinen Insurrektion, aber die Bewegung erlosch mit dem Tode des Führers. Auch diese Festungen konnten ihren Zweck nicht erreichen, Ruhe in der K. herzustellen, solange sich die Räuber der Strafe durch Entweichen in die unabhängigen Chanate im S. der Steppe entziehen konnten. Diesem Zustand machte für den Osten die Eroberung von Tschemkent (1864) und die darauf folgende Errichtung des Generalgouvernements Turkistan (s. d.), für den Westen die Demütigung Chiwas (1873) und die Vermehrung russischen Gebiets um die transkaspischen Länder und den Amu Darja-Bezirk ein Ende. Die 1869 von Chiwa aus unter den Kirgisen zwischen dem Kaspisee und Aralsee, dann längs der Orsk-Kasalinskischen Poststraße angestifteten Unruhen wurden ohne Entfaltung größerer Militärmacht unterdrückt und ihre Wiederholung durch jährliche Expeditionen in die Grenzabschnitte fern gehalten. Jetzt ist Ruhe und Sicherheit, die Grundbedingung der Ansiedelung russischer Kolonisten und der Anlage von Kapitalien im Bergbau, auch an der Grenze gesichert. Vgl. Kirgisen.

Kirgiskaisaken, Volksstamm, s. Kirgisen.

Kirid, türk. Namensform für Kreta.

Kirilow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Nishnij Nowgorod, an drei Landseen, mit 15 Kirchen, einem Kloster des heil. Cyrillus und (1881) 4232 Einw. Das 1398 erbaute Kloster ist von zwei großen Mauern umgeben (1612 und 1613 hielt es die Belagerung der Litauer aus, ohne sich zu ergeben), hat 23 Türme, eine kostbare Bibliothek und 11 steinerne Kirchen; es diente in frühern Jahrhunderten als Verbannungsort für hohe Würdenträger.

Kirjath (K.-Jearîm, "Waldstadt"), alte Stadt in Palästina, im Stamm Juda. Nach der Rückgabe der Bundeslade durch die Philister wurde dieselbe hier aufbewahrt, bis David sie nach Jerusalem brachte. Jetzt Kariet el Enab (mit merkwürdiger Kirche), an der Straße von Jafa nach Jerusalem.

Kirkby-in-Kendal, s. Kendal.

Kirkcaldy (spr. kirkkáhdi, d. h. Kirk der Culdeers, s. d.), Hafenstadt in der schott. Grafschaft Fife, am Firth