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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Klassiker - Klauenseuche.

aber Ordnungen, die wieder in Familien, Gattungen und Arten zerfallen. K. des Bodens, s. Bonitierung. K. von Schiffen, s. Schiffsklassifikation.

Klassiker und klassisch (lat.), Ausdrücke von verschiedener Bedeutung, denen kein deutsches Wort vollkommen entspricht. Die ursprüngliche Bedeutung derselben erklärt sich aus der Verfassung des römischen Staats. Nach der von Servius Tullius dem Vermögensstand gemäß eingeführten Einteilung sämtlicher Bürger in sechs Klassen hießen vorzugsweise die zur elften und reichsten Klasse Gehörigen Classici, während die der letzten und ärmsten Klasse Proletarii genannt wurden. Somit legte man in den Ausdruck Klassiker, der bald in allgemeinerer Bedeutung angewandt wurde, den Begriff eines gewissen Vorzugs und Vorranges; so ist z. B. testis classicus ein glaubwürdiger, entscheidender Zeuge und scriptor classicus ein mustergültiger Schriftsteller. In dieser abgeleiteten Bedeutung sind jene Ausdrücke in alle modernen Sprachen übergegangen, und da die ganze moderne Bildung auf dem Studium der griechischen und römischen Schriftsteller basiert ist, übertrug man nach und nach den Begriff des Klassischen auf alles, was dem Vorgang der für musterhaft anerkannten Werke gemäß gebildet ist, also nicht bloß auf die griechische und römische Litteratur, insofern die Werke derselben mustergültig sind, sondern auf jedes Werk und jeden Schriftsteller irgend welcher Litteratur, in welchem sich Fülle des Inhalts mit vollendeter Form, Gediegenheit und Tiefe der Gedanken mit lebendigem und angemessenem Ausdruck verbindet. Wie nun im Altertum gewisse Perioden sich durch besondere Fruchtbarkeit musterhafter Werke auszeichneten und deshalb vorzugsweise klassische Zeiten genannt werden (unter den Griechen das Zeitalter des Perikles, unter den Römern die letzten Zeiten der Republik und die Regierung des Augustus), so rühmt sich auch in dem modernen Europa fast jede Nation einer Periode klassischer Schriftsteller. So gilt den Italienern das 15. Jahrh. oder das Zeitalter Lorenzos de'Medici, den Spaniern und Engländern das 16., den Franzosen das 17. (siècle de Louis XIV), uns Deutschen das 18. (insbesondere die Weimarer Periode) für die klassische Zeit. Juristische Klassiker nennt man im engern Sinn die Juristen, aus deren Schriften die Pandekten ausgezogen sind.

Klassizität (lat.), klassisches Ansehen, Musterhaftigkeit; vgl. Klassiker und klassisch.

Klastische Gesteine (v. griech. klastós, "zerbrochen", Trümmergesteine), aus Trümmern früherer Gesteine mit oder ohne Bindemittel gebildete Gesteine, s. Gesteine.

Klatschmohn (Klatschrose), s. v. w. Papaver Rhoeas.

Klattan (tschech. Klatovy), Stadt im südwestlichen Böhmen, an der Bahnlinie Pilsen-Eisenstein, hat ein Rathaus aus dem 16. Jahrh., eine Dekaneikirche, eine Kavalleriekaserne (ehemaliges Jesuitenkollegium), ein Oberrealgymnasium (ehemaliges Dominikanerkloster), eine landwirtschaftliche Lehranstalt, (1880) 8986 Einw., Wäschewarenfabriken, Goldleistenfabrik, Bierbrauerei, Maschinenfabrik und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts. K. hat im Hussiten- und im Dreißigjährigen Krieg schwer gelitten.

Klattaner Gebirge, s. Böhmerwald.

Klaubarbeit (Ausklauben), bei der Aufbereitung der Erze das Auslesen und Sondern der verschiedenen Gemengteile nach Gehalt und Art fremder Beimengungen.

Klaue, die Hornbekleidung der Zehen der Wiederkäuer und Schweine; dieselben werden in der Technik zu ordinären Drechslerarbeiten, zur Darstellung von Blutlaugensalz und künstlichem Dünger benutzt. - In der Baukunst ist K. s. v. w. Eckblatt (s. d.). Sonst heißt K. im Bauwesen die Verbindung oder Verkämmung von zwei Hölzern, von welchen das obere in einem Winkel ausgeschnitten ist, so daß das untere in den Ausschnitt eingelassen werden kann; besonders bei Sparren (s. Figur) und Treppenwangen im Gebrauch, welche auf das Gebälk oder den Wechsel aufgreifen, "aufgeklaut" werden, auch bei Pultdächern, wo die Sparren auf den Rahmen geklaut werden. Ferner bedeutet K. ein gabelförmiges oder hakenförmiges Stück Eisen, um etwas damit zu fassen und zu halten, wie die Steinklaue zum Fassen und Halten der Steine. Klauen heißen endlich auch die Wurzelknollen mancher Gewächse, z. B. des Spargels, der Ranunkel u. dgl.

^[Abb.: Klaue.]

Klauenbeschlag, Eisenbeschlag für Zugrinder, die viel auf harten Wegen gehen müssen. Man benutzt dem Hufeisen ähnliche Eisen für beide Klauen eines Fußes, zweckmäßiger aber für jede Klaue ein besonderes Eisen.

Klauenfett (Oleum pedum tauri), das aus dem Mark der Beinknochen von Rindern, Pferden und Schafen bei sehr gelinder Wärme ausfließende Öl, ist dünnflüssig, verdickt sich nicht, wird nicht leicht ranzig, enthält wenig Stearin und wird von demselben noch weiter befreit, wenn man es einer starken Kälte aussetzt und das flüssig gebliebene Öl (Olein) abgießt. Letzteres wird als Uhrmacheröl zum Schmieren der Uhren und andrer feiner Maschinen benutzt. Das gewöhnliche K., durch Auskochen des Markes mit Wasser gewonnen, dient zur Bereitung von Haaröl, zur Lederzurichtung, zum Einschmieren von Eisen und Stahl, eine geringere Sorte (Knochenöl) zu Seifen.

Klauenseuche wird gleichbedeutend mit "Maul- und Klauenseuche" (s. d.) gebraucht, bezeichnet aber außerdem, besonders in der Benennung bösartige K., eine den Schafen eigentümliche chronische Entzündung der Klauen mit zerstörender Ulceration. Zuerst fangen die Tiere an zu hinken und zwar bald nur auf einem, bald aber auf mehreren Füßen; bei genauer Untersuchung findet man die Klauen dieser Füße verdickt, vermehrt warm und beim Druck an einer oder der andern Stelle sehr empfindlich. Die Krone um die Klauen und der Zwischenraum zwischen den Klauen sind dunkler gerötet, aber sehr wenig oder gar nicht geschwollen, und bald darauf schwitzt daselbst eine seröse, später jauchige oder eiterähnliche, übelriechende Flüssigkeit aus, wobei sich kleine Geschwürchen bilden. Wenn im Innern der Klaue Eiterung entsteht, so wird das Hinken sehr stark, und zuweilen erfolgt dann eine gänzliche Ablösung einer oder beider Klauen des kranken Fußes. Erreicht das Übel an mehreren Füßen diesen hohen Grad, so magern die Tiere allmählich ab und gehen oft zuletzt an Entkräftung zu Grunde. Dabei leidet auch der Wollwuchs bei den meisten Tieren sehr bedeutend. Die Krankheit dauert in dieser Form Monate, manchmal über ein Jahr. Sie beginnt immer nur bei einzelnen Schafen und verbreitet sich allmählich über einen mehr oder we-^[folgende Seite]