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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Köberle; Koberstein; Kobeyh; Koblenz

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Köberle - Koblenz.

und 100 Gesellen, Setzern, Korrektoren, Druckern, Buchbindern etc. in fabrikmäßiger Arbeitsordnung. Druck und Papier seiner Folianten, die er auch auswärts, z. B. in Basel und Lyon, drucken ließ, trotzen den Jahrhunderten; die gotischen Typen bildete er wesentlich aus, auch die deutsche Holzschneidekunst förderte er kräftig, indem er die tüchtigsten Holzschneider für seine Werke heranzog; nächst seiner illustrierten deutschen Bibel (1483) ist als erstmaliges großes weltliches Holzschnittwerk Schedels "Buch der Chroniken" (1493) zu nennen, an dem A. Dürer als Lehrling mit arbeitete. K. starb 3. Okt. 1513. Sein Verlag, der 13 große Bibelausgaben aufweist, war wesentlich der scholastischen Gelehrsamkeit gewidmet. Von Nürnberg als Zentrum umspannte er durch eine großartige Organisation das gesamte Litteraturgebiet der lateinischen Kultursprache: Deutschland, Polen, Ungarn, die Schweiz, Italien, Frankreich und die Niederlande; selbständige Faktoreien (z. B. Paris und Ofen), Kräme und Gewölbe in den namhaftesten Städten, Bücherlager bei Geistlichen und Laien dienten seinem umfassenden Hausierhandel mit eignem und fremdem Verlag zur Grundlage. Die hereinflutende Reformationslitteratur legte unter seinen Nachfolgern den Verlag brach, indem diese Luthers Annäherungsversuche, das große Verlagshaus zu gewinnen, von der Hand wiesen und ihre Thätigkeit auf ein umfassendes humanistisches Büchersortiment beschränkten. Vgl. O. Hase, Die Koberger (2. Aufl., Leipz. 1885).

Köberle, Georg, Schriftsteller und Dramaturg, geb. 21. März 1819 zu Nonnenhorn am Bodensee, kam nach Besuch des Gymnasiums zu Augsburg in das von Jesuiten dirigierte Collegium germanicum zu Rom, aus dem er entfloh, um in München Philosophie und Jura zu studieren. In Leipzig, wohin er sich 1845 wandte, schrieb er die Aufsehen machenden "Aufzeichnungen aus dem deutschen Kolleg in Rom" (Leipz. 1846) und begann 1849 seine Laufbahn als Dramatiker mit dem fünfaktigen Drama "Die Mediceer" (Mannh. 1849), dem zunächst die geschichtliche Tragödie "Heinrich IV. von Frankreich" (Leipz. 1851) folgte, die mit dem Festspiel "Des Künstlers Weihe", dem Schauspiel "Max Emanuels Brautfahrt", dem Vorspiel "Zwischen Himmel und Erde", dem Schauspiel "George Washington" und der Tragödie "Die Heldin von Yorktown" zusammen den Inhalt der "Dramatischen Werke" (Stuttg. 1873, 2 Bde.) ausmacht. Dramatiker von wirklichem Beruf, suchte K. durch eine die Jahre 1853-56 umfassende Direktionsführung in Heidelberg sich auch praktische Erfahrungen anzueignen und wurde infolge seiner Reformschrift "Die Theaterkrisis im neuen Deutschen Reich" (Stuttg. 1872) im Oktober 1872 zum Leiter des Karlsruher Hoftheaters ernannt. Ostern 1873 seiner Stelle wieder verlustig gegangen, siedelte er zunächst nach Mannheim, später nach Wien über, wo er gegenwärtig noch lebt, und veröffentlichte seitdem die Schriften: "Meine Erlebnisse als Hoftheaterdirektor" (2. Aufl., Leipz. 1874); "Berliner Leimruten und deutsche Gimpel" (das. 1875, 4 Hefte); "Der Verfall der deutschen Schaubühne und die Bewältigung der Theaterkalamität" (das. 1880). Außerdem schrieb K., dem der Großherzog von Baden 1879 aus freiem Entschluß einen lebenslänglichen Gehalt von 5000 Mk. aussetzte, noch den Roman "Alles um ein Nichts" (Leipz. 1871, 3 Bde.) und die gegen den Jesuitismus gerichtete Schrift "Deutsche Antwort auf welsche Projekte. Enthüllungen über die Palastrevolution im Vatikan etc." (Stuttg. 1870).

Koberstein, Karl August, ausgezeichneter Litterarhistoriker, geb. 10. Jan. 1797 zu Rügenwalde in Pommern, besuchte die Kadettenanstalten zu Stolpe und Potsdam, seit 1812 das Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Berlin, studierte seit 1816 an der dortigen Universität Philologie, erhielt 1820 eine Adjunktenstelle in Schulpforta, wo er, seit 1824 als Professor, bis zu seinem Tod (8. März 1870) wirkte. Er begann seine litterarische Laufbahn mit der Abhandlung "Über das wahrscheinliche Alter und die Bedeutung des Gedichts vom Wartburgkrieg" (Naumb. 1823), woran sich mehrere Programme über den österreichischen Dichter Peter Suchenwirt (1828-52, 3 Tle.) reihten. Aus seiner Lehrthätigkeit ging hervor seine "Laut- und Flexionslehre der mittelhochdeutschen und neuhochdeutschen Sprache" (Halle 1862; 4. Aufl. von Schade, 1878). Sein Hauptwerk, der "Grundriß der Geschichte der deutschen Nationallitteratur", in der ersten Auflage (Leipz. 1827) nur als Leitfaden für den Gymnasialunterricht entworfen, wurde in der vierten Bearbeitung (das. 1847-1866) zu einem umfassenden Handbuch der Geschichte der deutschen Nationallitteratur, welches, objektiv gehalten, die litterarische Entwickelung der deutschen Nation nach allen Richtungen hin darlegt und sowohl von einer außerordentlichen Belesenheit als von seltener Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit der Forschung Zeugnis ablegt. Die 5. Auflage wurde nach Kobersteins Tod von K. Bartsch (Leipz. 1872-75, 5 Bde.) herausgegeben, der auch die Herausgabe der 6. Auflage (1884 ff.) besorgte. Noch sind von K. zu nennen: "Vermischte Aufsätze zur Litteraturgeschichte und Ästhetik" (Leipz. 1858). Außerdem gab er "Heinrich v. Kleists Briefe an seine Schwester Ulrike" (Berl. 1860) und den dritten Band von Löbells "Entwickelung der deutschen Poesie" (Braunschw. 1865) heraus. - Sein Sohn Karl, geb. 15. Febr. 1836 zu Schulpforta, widmete sich 1856 nach vollendeten Gymnasialstudien in Stettin der Bühne und war seit 1862 Mitglied des Hoftheaters in Dresden, bis er 1883 in den Ruhestand trat. Seitdem lebt er in Blasewitz ganz litterarischen Arbeiten. Er hat sich als dramatischer Dichter durch die Trauerspiele: "Florian Geyer" (Dresd. 1863) und "König Erich XIV" (das. 1869) sowie das Lustspiel "Was Gott zusammenfügt, das soll der Mensch nicht scheiden" (das. 1872) einen Namen gemacht. Die beiden letztern Stücke wurden vielfach mit Beifall aufgeführt. Neuerlich veröffentlichte er: "Preußisches Bilderbuch", geschichtliche Aufsätze (Leipz. 1887).

Kobeyh, Stadt, s. Cobbe.

Koblenz (Coblenz), befestigte Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Rheinprovinz, am Zusammenfluß des Rheins und der Mosel, Knotenpunkt der Linien Kalscheuren-Bingerbrück, Perl-K., K.-Ehrenbreitstein und Oberlahnstein-K. der Preuß. Staatsbahn, 60 m ü. M., liegt, von Hügeln umgeben, in einer der schönsten und anmutigsten wie strategisch wichtigsten Gegenden des ganzen Rheinthals (s. den Karton auf Karte "Rheinprovinz"). Die Stadt besteht aus der Alt- und der Neustadt. Die Altstadt, eng gebaut, hat nur einige schöne Straßen, wie die Rheinstraße, Firmung etc., und Plätze, wie den Plan, Florinsmarkt, Münz- und Hospitalplatz, aufzuweisen. Die Neu- oder Klemensstadt dagegen hat schöne,

^[Abb.: Wappen von Koblenz.]