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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolumbus

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Kolumbus (erste und zweite Reise).

würdiger Zeitpunkt in den Jahrbüchern der nautischen Astronomie. Die Mannschaft aber wurde, je weiter man kam, desto verzagter; doch sind alle Erzählungen von einer Empörung derselben in das Bereich der Fabel zu verweisen, da das erhaltene Schiffstagebuch des K. nichts hiervon berichtet. Indes trug er in dasselbe, das jedermann zugänglich war, um die Mannschaft nicht durch die Größe der zurückgelegten Meilenzahl zu erschrecken, kleinere Ziffern ein und wich, um nicht Zweifel an der Festigkeit seiner Überzeugung aufkommen zu lassen, auf der ganzen Fahrt von dem einmal genommenen Kurs nicht ab, und erst am 7. Okt., als verschiedene Anzeichen auf die Nähe von Land schließen ließen, befahl er, eine etwas südwestliche Richtung einzuschlagen. Am 11. Okt., abends 10 Uhr, sah K. in der Ferne zeitweise ein Licht auftauchen und wieder verschwinden, und gegen 2 Uhr nachts gab ein Kanonenschuß von der Pinta das verabredete Zeichen von entdecktem Land, das von einem Matrosen Rodrigo von Triana zuerst gesehen wurde. Als die Sonne des 12. Okt. 1492 über das Meer flammte, stand K. im Angesicht der Neuen Welt. Es war die Insel Guanahani, heute Watlingsinsel genannt und nicht Cat Island, wie Humboldt, oder Mayaguana, wie Varnhagen annimmt.

K. nahm von der Insel, die er San Salvadore nannte, im Namen der spanischen Monarchen feierlich Besitz und ließ sich hierauf als Admiral und Vizekönig den Eid des Gehorsams leisten. Die braunen Insulaner scharten sich harmlos um die fremden Männer, K. teilte Geschenke unter sie aus, und bald eröffnete sich ein gewinnbringender Tauschhandel, da man hier und da goldenen Nasenschmuck gewahrte. Auf die Frage, woher dies Gold stamme, wiesen die Indianer nach Südosten, wo ein unermeßlich reicher König wohne. Auf der weitern Fahrt nach diesem Goldland entdeckte K. außer mehreren kleinen Inseln Cuba und Haïti, welch letzteres er, da die Tier- und Pflanzenwelt lebhaft an Südspanien erinnerte, Hispaniola nannte. An der Küste hinsegelnd, geriet das Admiralsschiff auf eine Sandbank; das zweite kleine Schiff vermochte die ganze Mannschaft nicht zu fassen, und so errichtete denn K., da nach dem Bericht des Kaziken sich in den Bergen das ersehnte Gold in großer Menge fand, aus dem Wrack das Fort La Navidad, in dem er 39 seiner tüchtigsten Leute zurückließ. Darauf trat K. 4. Jan. 1493 die Rückfahrt nach Europa an, suchte diesmal aber eine höhere Breite, die der Azoren, zu gewinnen. Zwei Tage nach seiner Abfahrt traf er wieder mit der Pinta zusammen, die sich 21. Nov. 1492 unter Martin Alonso von ihm getrennt und viel Gold eingetauscht hatte. Die Rückfahrt war mit mancherlei Gefahren verknüpft. Am 12. Febr. erhob sich ein furchtbarer Sturm, der mit solchem Ungestüm wütete, daß die Pinta verschlagen wurde. K. suchte den Himmel durch Gelübde zu versöhnen und ließ den auf Pergament geschriebenen Bericht seiner Reise, in einem wasserdichten Kistchen verwahrt, über Bord werfen. Endlich legte sich allmählich der Sturm; am 15. Febr. erreichte K. die Azoren, 4. März den Hafen von Lissabon, wo er vom König Johann II. empfangen wurde, und 15. März lief er wieder im Hafen von Palos ein.

Seine Reise von da an den Hof nach Barcelona war ein wahrer Triumphzug, und ebenso glänzend der Empfang, der ihn dort erwartete. Spanien holte eiligst die Sanktion des Papstes Alexander VI. ein, welcher durch die von ihm 100 Leguas westlich der Azoren von N. nach S. gezogene Demarkationslinie die Welt zwischen Portugal und Spanien teilte. Zugleich traf man Vorbereitungen zu einer zweiten Expedition. Eine große Flotte von 14 Karavellen und 3 Lastschiffen wurde ausgerüstet, welche 1200 Bewaffnete und Reiter an Bord nahm. Die europäischen Haustiere sowie Getreide, Gemüse und Weinreben sollten nach Westindien verpflanzt werden. Es war nicht mehr ein bloßes Entdeckungsgeschwader, sondern eine Flotte mit Auswanderern; denn K. beabsichtigte auch Kolonien zu gründen. Viele Adlige schlossen sich diesem Zug an, der glänzenden Gewinn wie mannigfache Abenteuer in Aussicht stellte. Ein von Rom aus ernannter apostolischer Vikar der neuen Länder, der Benediktiner Bernardo Boil, begleitete mit elf andern Geistlichen die Expedition, der eine Anzahl Beamte der Krone mitgegeben wurde. Die Leitung der indischen Angelegenheiten erhielt Rodriguez de Fonseca, der noch vor der Abfahrt in Zwistigkeiten mit K. geriet, wodurch der Grund zur tödlichen Feindschaft zwischen beiden gelegt wurde. Immer noch aber meinte K., Asien auf dem westlichen Weg gefunden zu haben, er ahnte keineswegs, daß eine neue Welt entdeckt worden sei. Am 25. Sept. 1493 stach die Flotte aus der Bucht von Cadiz in See, steuerte zuerst nach den Kanarischen Inseln und erreichte von dort, den Ozean auf einem südlichen Weg in 20 Tagen durchschneidend, die Insel Dominica. Dann entdeckte er Marie Galante, Guadalupe, Monserrat, Puerto Rico u. a. und langte 27. Nov. in La Navidad an, wo man das Fort zerstört fand; die Besatzung war erschlagen. K. segelte darauf weiter und legte 10 Leguas östlich ein neues Fort, Isabella, an; zugleich wurde der Plan einer Stadt entworfen. Die Gegend schien reich an wertvollen Produkten, und eine Expedition unter Alonso Hojeda mit 15 Begleitern fand 7 Tagereisen im Innern Gold in den Bächen. Nun entsandte K. 12 Schiffe nach Spanien mit den zahlreichen Kranken (das Klima der Ansiedelung war ein sehr ungesundes), er selbst aber brach mit einer größern Schar nach dem Goldland auf und legte dort ein festes Haus an, in welchem er eine Besatzung von 56 Mann zurückließ. In der Überzeugung, das Ophir Salomos gefunden zu haben, schickte sich nun K. an, den Weg nach Kathai (China) zu vollenden. In der Niederlassung ließ er seinen Bruder Diego als Statthalter zurück und segelte 24. April mit drei Schiffen ab, um zunächst nach Cuba zu segeln. Die Eingebornen erwiesen sich freundlich, und als sie nach Gold gefragt wurden, zeigten sie nach Süden. K. steuerte dieser Richtung nach und fand 4. Mai 1494 die Insel Jamaica. Die Indianer widersetzten sich hier anfangs der Landung der Spanier, wurden aber leicht durch einige Schüsse und durch Bluthunde vertrieben. Sie nahmen darauf eine veränderte Haltung an, und ein lebhafter Tauschhandel begann; aber Gold war nirgends zu finden. Daher steuerte K. wieder nach Cuba zurück und drang vom Kap Santa Cruz in das Gewirr von Klippen und kleinen Inseln ein, welche die Südküste Cubas besäumen, und die er "Garten der Königin" nannte. Er hielt sie für jenen Archipel von 7000 Inseln, der nach Marco Polo östlich von China liegen sollte. Überzeugt, in Cuba bereits das Festland von Asien erreicht zu haben, verzichtete er indes darauf, die Küste weiter zu untersuchen, wandte sich südöstlich, fand die Insel Evangelista (jetzt Fichteninsel) und hätte, wenn er nur zwei Tage in dieser Richtung weiter gesegelt wäre, die Westspitze von Cuba erreicht, dieses als eine Insel erkannt und in den Mexikanischen Meerbusen eindringen können. Statt dessen steuerte er nach Süden, um auch die Südküste von Jamaica zu