Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

986

Kommunarden - Kommunismus.

sie die Vereinigung von Kindern verschiedener Bekenntnisse, wo sie mit Achtung der einmal vorhandenen religiösen Verschiedenheit ins Leben geführt wird, nicht verwerfen. Die Abschleifung konfessioneller Vorurteile, die sich bei dem gemeinsamen Unterricht unmerklich vollzieht, ist für eine wahrhaft menschliche Ausbildung nur förderlich. Auch können, wo sich die Bevölkerung in verschiedene Bekenntnisse spaltet, die einzelnen Kultusgemeinden oft nur dürftig ausgestattete Lehranstalten erhalten, während deren Vereinigung eine reichere Gliederung und bessere Pflege ermöglicht. Die K. im engern Sinn heißt auch paritätische oder, minder richtig, Simultanschule, wenn in ihr gewisse Bekenntnisse als gleichberechtigt berücksichtigt werden. In Frankreich, Belgien etc. nennt man sie École laïque, Laienschule, weil sie unabhängig von der Geistlichkeit ist.

Kommunarden (franz. communards), verächtliche Bezeichnung für die Aufständischen der Pariser Kommune 1870-71.

Kommune (franz. commune), s. v. w. Gemeinde.

Kommune von Paris (Pariser Kommune), Bezeichnung für die revolutionären Gegenregierungen in Paris zur Zeit der großen Revolution und besonders am Ausgang des deutsch-französischen Kriegs 1870/71. Indessen war die Kommune von 1792 nicht das erste Beispiel, daß die Pariser Stadtverwaltung eine revolutionäre Stellung im Staat einnahm. Wir müssen wenigstens andeutungsweise den Aufstand des Etienne Marcel im J. 1358 erwähnen, bei welchem für die Pariser Gemeinde der Bauplatz für das 1533 aufgerichtete Hôtel de Ville erworben wurde, welches in den beiden Zeiten der Kommune eine so große Wichtigkeit erhalten sollte. Mittels der organisierten und bewaffneten Pariser Kommune übte Marcel einen Einfluß auf die Gesamtvertretung des Reichs und somit auf ganz Frankreich aus. Ähnlich war die Stellung des Metzgers Caboche und der Cabochiens 1411. Die Pariser Kommune von 1792 war eine ungeregelte Schreckensherrschaft, mit welcher der Pariser Gemeinderat auf die Gesetzgebende Versammlung und namentlich auf den Konvent drückte. Die revolutionäre Kommune begann mit dem Aufstand vom 10. Aug. 1792 und war fortan das Organ, durch welches jede revolutionäre Regung zum Ausdruck gebracht wurde. Gesetzlich war die Stellung der Pariser Munizipalität keine andre als die jeder andern französischen Gemeinde; thatsächlich aber übte sie einen immer steigenden Einfluß aus, den sie dazu verwandte, einerseits mittels Anleihen, die sie aufnehmen ließ, billige Nahrungsmittel zu verteilen, anderseits die ihr feindlich gesinnten Girondisten aus dem Konvent zu verdrängen. Als ihr 2. Juni 1793 dies gelungen war, stand sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht, die nach dem gewaltsamen Tod von Marat, Hebert und Chaumette allmählich zurückging, aber erst mit Robespierres Sturz (9. Thermidor, 27. Juli 1794) völlig gebrochen wurde. An diese Zustände knüpfte die Kommune von 1871 geistig an. Ein Bündnis der großen Städte Frankreichs sollte die Grundgestalt des politischen Daseins bilden, um so die Unterdrückung der städtischen Elemente durch das platte Land unmöglich zu machen. Paris wollte sich so ziemlich als selbständigen Staat konstituieren und nur in den unumgänglich gemeinsamen Angelegenheiten föderative Verbindungen eingehen. Ihm sollte eine eigne Militär-, Gerichts- und Finanzhoheit zustehen. An die Stelle des stehenden Heers sollte die Bewaffnung der ganzen Bürgerschaft treten. Dies waren die leitenden Gesichtspunkte der Kommunalisten, die sich aus den gebildeten Klassen rekrutierten. Ihnen standen die Proletarier als Kommunisten gegenüber, welche ihr Augenmerk auf die Umwälzung der Eigentumsverhältnisse richteten. Der innere Kampf zwischen den Kommunalisten und Kommunisten bildet die verworrene Geschichte der Pariser Kommune (s. Paris), die 18. März 1871 mit der Erhebung der Nationalgarde und der Ermordung der Generale Thomas und Lecomte begann und Ende Mai nach heftigen, blutigen Kämpfen unterdrückt wurde; 6500 Kommunarden wurden 20.-30. Mai getötet, 38,578 verhaftet. Vgl. Blos, Zur Geschichte der K. von Paris (Braunschw. 1873); B. Becker, Geschichte der revolutionären Pariser K. 1789-94 (das. 1875); Derselbe, Geschichte und Theorie der Pariser revolutionären K. des Jahrs 1871 (Leipz. 1879); du Camp, Les convulsions de Paris (Par. 1875-79, 4 Bde.); Morin, Histoire critique de la Commune (das. 1871); Lauser, Unter der Pariser K. (Leipz. 1879); Meerheimb, Die Pariser K. (Berl. 1880).

Kommunikat (lat.), schriftliche Mitteilung einer Behörde an eine andre gleichstehende.

Kommunikation (lat.), Mitteilung; auch s. v. w. Verbindung, Verkehr.

Kommunikationen (lat.), Verbindungs- oder Verkehrswege aller Art zu Land, zu Wasser oder durch die Luft, besonders im militärischen Sinn, z. B. K. operierender Armeen mit dem Heimatsland (s. Etappenwesen). Bei Belagerungen bilden die Laufgräben, Sappen etc., in Festungen Sorties, Brücken, Thore, Rampen, Treppen etc. die K. Gedeckte K. sind der Sicht und dem Feuer des Feindes entzogen.

Kommunikativdekret (lat., notifizierendes Dekret, Notifikation), richterliches Dekret (s. d.), welches den Parteien bloß Kenntnis von einem prozessualischen Ereignis gibt, z. B. der einen Partei eine Eingabe des Gegners mitteilt, ohne sie dabei präjudiziell zu einer Prozeßhandlung aufzufordern.

Kommunion (lat., "Gemeinschaft"), in der Kirchensprache zunächst die kirchliche Gemeinschaft, in welcher Gemeinden miteinander oder der Einzelne mit der Gemeinde steht, gewöhnlich aber (nach 1. Kor. 10,16) die Feier des Abendmahls (s. d.); daher Kommunikanten, die Teilnehmer am Abendmahl; Kommunionbuch, ein Buch, welches Gebete und Betrachtungen für die Vorbereitung zum würdigen Genuß des Abendmahls enthält.

Kommunionharz, s. Harz, S. 194.

Kommunismus (lat.), in einer besondern Bedeutung des Wortes nach dem allgemein üblichen wissenschaftlichen Sprachgebrauch ursprünglich ein bestimmtes Grundprinzip der ökonomischen und sozialen Ordnung einer menschlichen Gemeinschaft, nämlich das der Gütergemeinschaft mit ökonomischer und sozialer Gleichheit der Individuen und völligem Aufgeben der individuellen ökonomischen Selbständigkeit. Dann wurde das Wort der Ausdruck für alle auf diesem Prinzip beruhenden Theorien und Systeme menschlicher Gemeinwirtschaften und deren geschichtliche Erscheinung. In einem engern Sinn bezeichnet es von diesen Theorien und Systemen nur diejenigen, welche jenes Prinzip zum Grundprinzip eines Staatswesens und einer Volkswirtschaft machen (Staatskommunismus). Im folgenden ist von dem K. in diesem engern Sinn die Rede. Bei dieser Begriffsbestimmung wird der K. auch streng geschieden von dem Sozialismus (s. d.). Der K. in diesem Sinn und der Sozialismus haben freilich manche Verwandt-^[folgende Seite]