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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Konstantin

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Konstantin (oströmische Kaiser, Großfürsten von Rußland).

klastes, der Bilderstürmer, geb. 719, einer der kräftigsten Herrscher, die auf dem byzantinischen Thron gesessen haben, zwar ausschweifend und grausam, aber keineswegs ein solches Scheusal, wie ihn die kirchlichen Schriftsteller schildern, war der Sohn und Nachfolger Leos des Isauriers (741), dessen Widerwillen gegen die Verehrung der Bilder er geerbt hatte. Er schlug 742 einen Aufstand der Bilderdiener unter seinem Schwager Artavasdes nieder, führte glückliche Kriege gegen die Bulgaren und gegen die Araber, denen er viele früher vom Reich losgerissene Landstriche wieder abnahm, und traf manche treffliche Einrichtungen im Innern, erregte aber heftige Erbitterung durch die gewaltsame Weise, mit welcher er die Unterdrückung des Bilderdienstes durchzuführen suchte. Da ihm namentlich die Mönche hierbei heftigen Widerstand leisteten, hob er 768 alle Klöster auf, ließ die Klostergebäude niederreißen oder in Kasernen verwandeln und die Mönche und Nonnen zwingen, sich zu verheiraten, oder, wenn sie sich dessen weigerten, verstümmeln oder hinrichten. Er starb auf einem Feldzug, den er gegen die Bulgaren unternahm, 14. Sept. 775. Sein Sohn Leo IV. folgte ihm nach.

6) K. VI., Porphyrogennetos, Enkel des vorigen, Sohn Leos IV. und der Kaiserin Irene, geb. 770, kam 780 unter der Regentschaft seiner Mutter auf den Thron. Da er von dieser, auch als er herangewachsen war, von den Staatsgeschäften fern gehalten wurde, versuchte er 789 eine Empörung, wurde aber verhaftet und erst 791 durch die Truppen wieder eingesetzt. Da er aber unfähig und lasterhaft war, ungeschickt regierte und auch die Leibgarde gegen sich erbitterte, wurde er 797 wieder von Irene gestürzt und in demselben Purpursaal, in dem er geboren war, geblendet. Er lebte darauf noch mehrere Jahre.

7) K. VII., Porphyrogennetos, geb. 905, Sohn Leos VI., des Weisen, folgte seinem Vater 912 als siebenjähriges Kind, erst unter Vormundschaft seines Oheims Alexander, dann seiner Mutter Zoë, dann seit 919 des Romanos Lakapenos, welcher ihn mit seiner Tochter Helena vermählte und ihm den kaiserlichen Namen ließ, aber ihn ganz von den Regierungsgeschäften fernhielt. 945 stürzte K. die Söhne des Romanos, welche 944 ihren Vater entthront hatten, und bemächtigte sich darauf der Herrschaft, die er bis zu seinem Tod (9. Nov. 959) behauptet hat. Seine Regierung war in der Hauptsache friedlich und er selbst ein wenig bedeutender Regent, doch hat er sich durch Förderung der Wissenschaften und Künste bedeutende Verdienste erworben und hat sich auch selbst als Schriftsteller auf verschiedenen Gebieten versucht. Wir besitzen von ihm: ein Leben seines Großvaters, des Kaisers Basilios, das viel Gewandtheit in der Darstellung bekundet; eine an seinen Sohn Romanos gerichtete Schrift von 952 über die Staatsverwaltung, in welcher sehr lehrreiche Nachrichten über die verschiedenen Völkerschaften des Ostens und Nordens enthalten sind; ferner: "Von der Hof- und Zeremonienordnung" und "Von den Provinzen des Reichs". Seine Werke gab Meursius (Leiden 1617) heraus; sie sind jetzt auch in dem Bonner "Corpus scriptorum historicorum byzantinorum" (3 Bde., 1829, 1830, 1840) enthalten. Auch hat K. mehrere encyklopädische Sammelwerke verfassen lassen, welche den Inbegriff des Wissenswürdigen aus den Quellenwerken enthalten und diese überflüssig machen sollten, was aber nur deren unersetzlichen Verlust beförderte. Stücke derselben, namentlich zwei Bücher "über Gesandtschaften" und eins "über Tugend und Laster", sind erhalten. Er starb 959. Vgl. Rambaud, L'empire grec au dixième siècle. Constantin Porphyrogénète (Par. 1870); F. Hirsch, Kaiser K. VII. Porphyrogennetos (Berl. 1873). Ihm folgte sein Sohn Romanos II. Dieser regierte bloß bis 963; seine Söhne Basilios II. und Konstantin VIII. wurden durch Nikephoros und Johannes Tzimisces von der Herrschaft ausgeschlossen, die sie erst 976 wiedererlangten; ersterer starb 1025, Konstantin VIII. 1028.

8) K. IX., Monomachos, erlangte 1042 nach dem Sturz Michaels V. die Herrschaft durch die Vermählung mit Michaels IV. Witwe Zoë; starb nach ruhmloser und unglücklicher Regierung 1054 im Kloster.

9) K. X., Dukas, aus dem Haus der Komnenen, erhielt 1059 die Herrschaft von Isaak Komnenos abgetreten. Er war ein gelehrter Mann, der nebst seiner Gemahlin Eudokia eifrig den Studien oblag, sich aber um das Reich wenig kümmerte. Er starb 1067.

10) K. XII., Dragades, geb. 1403, Sohn des Kaisers Manuel Paläologos, folgte seinem Bruder Johannes VIII. Paläologos 1448 mit Zustimmung des Sultans Murad II. auf dem Thron von Konstantinopel, nachdem er bisher auf seinen Besitzungen im Peloponnes gelebt hatte. 1452 reizte er Mohammed II. durch Unterstützung des osmanischen Prätendenten Urchan zum Krieg. Er verteidigte Konstantinopel, das er rasch mit Lebensmitteln versehen und besser befestigt hatte, mit nur 14,000 Mann gegen die osmanische Übermacht von 200,000 Mann und 250 Schiffen mit Mut und unermüdlicher Tapferkeit und wies alle Anträge auf Übergabe standhaft zurück. Nach verzweifeltem Widerstand fiel er, der letzte Kaiser des oströmischen Reichs, 29. Mai 1453 nebst drei andern Paläologen beim Sturm auf Konstantinopel. Vgl. Vast, Le siége et la prise de Constantinople par les Turcs ("Revue historique" 1880).

[Rußland.] 11) K. Cäsarewitsch Paulowitsch, Großfürst von Rußland, geb. 8. Mai 1779, war der zweite Sohn des Kaisers Paul I. und der Kaiserin Maria Fedorowna und zeichnete sich bereits 1799 als tapferer Soldat unter Suworow aus. Großen Mut legte er auch in der Schlacht bei Austerlitz an den Tag. 1808 wohnte er dem Kongreß in Erfurt bei, begleitete darauf von 1812 bis 1814 seinen Bruder, den Kaiser Alexander I., ununterbrochen auf seinen Heereszügen, focht bei mehreren Gelegenheiten, besonders bei Leipzig, an der Spitze der Garden mit großer Tapferkeit und war beim Kongreß zu Wien anwesend. Hierauf ging er nach Polen, um die Angelegenheiten dieses Landes zu ordnen, und ward nacheinander Militärgouverneur und Generalissimus der polnischen Truppen, Generalstatthalter oder Vizekönig sowie auch Deputierter auf dem Reichstag. Nach der Trennung seiner ersten Ehe mit der Prinzessin Julie Henriette Ulrike von Sachsen-Koburg vermählte er sich 24. Mai 1820 mit der polnischen Gräfin Johanna Antonowna Grundzynska, die später vom Kaiser zur Fürstin von Lowicz erhoben wurde. Infolge davon leistete er noch bei Lebzeiten Alexanders I. in einer Akte vom 14. Jan. 1822 auf die Thronfolge Verzicht. Da aber diese Akte nicht publiziert wurde und niemand, selbst nicht der zum Thronfolger ernannte Großfürst Nikolaus, etwas von Konstantins Thronentsagung wußte, so ward dieser nach Alexanders Tod in seiner Abwesenheit 9. Dez. 1825 in Petersburg zum Kaiser ausgerufen; doch erklärte er von Warschau aus, auf seiner Entsagung beharren zu wollen, und die Thronfolge ging auf seinen jüngern Bruder, Nikolaus, über. Seine Roheit und militärische Strenge waren übrigens nicht geeignet, die Neigung der Polen ihm und der russi-^[folgende Seite]