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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Konstantine

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Konstantine.

schen Herrschaft zuzuwenden, und als endlich die französische Julirevolution den zündenden Funken in die polnische Jugend warf, drang 29. Nov. 1830 eine bewaffnete Schar in Konstantins Wohnung, doch rettete sich derselbe durch die Flucht in die Mitte seiner Garden. Nachdem 30. Nov. nach der kopflosen Räumung Warschaus durch die russischen Truppen, welche K. anbefohlen, die Insurrektion gesiegt hatte, verließ K. mit seinen Truppen Polen. Er lebte fortan zu Bialystok und war eben im Begriff, sich bei dem Herannahen eines polnischen Streifkorps tiefer nach Rußland zurückzuziehen, als er zu Witebsk 27. Juni 1831 der Cholera erlag. Seine Gemahlin folgte ihm schon 29. Nov. d. J. im Tode nach.

12) K. Nikolajewitsch, Großfürst von Rußland, der zweite Sohn des 2. März 1855 verstorbenen Kaisers Nikolaus I. u. der Prinzessin Alexandra (Charlotte) von Preußen, geb. 21. Sept. 1827, entwickelte früh, durch eine robuste Gesundheit unterstützt, einen lebhaften und begabten Geist und wandte sich mit Vorliebe dem Seewesen zu, worin er sich namentlich durch Seefahrten und Besichtigung der wichtigsten Marineetablissements im Ausland ausbildete. 1853 ward er zum Großadmiral und Vorsitzenden des Marineministeriums, in der Folge auch zum Chef des Marinekadettenkorps, der 20. Flottenequipage und der reitenden Leibgarde-Pionierdivision ernannt. Während des russisch-türkischen Kriegs von 1854 galt er für eine Hauptstütze der Kriegspartei und befehligte in der Ostsee, wo er freilich wenig ausrichtete. Die folgenden Jahre brachte er, teilweise in politisch-diplomatischen Missionen, im Ausland zu, namentlich an den Höfen Italiens und Englands. Am 11. Juni 1862 ward er zum kaiserlichen Statthalter in Polen ernannt, um zugleich mit Wielopolski die im Jahr zuvor begonnenen, aber durch die Novemberunruhen in Warschau ins Stocken geratenen Reformen in der Verwaltung von neuem aufzunehmen; aber schon am Tag nach seiner Ankunft in Warschau (3. Juli) wurde ein Mordanschlag auf ihn versucht, der indes mißlang. Die Reformen befriedigten die polnische Nation nicht, und die Rekrutierung im Januar 1863 brachte die lange vorbereitete Insurrektion zum Ausbruch. Am 25. Aug. kehrte K. von Warschau nach Petersburg zurück und ward 31. Okt. durch General Berg ersetzt. Nach der Thronbesteigung seines Neffen Alexander III., mit welchem er auf gespanntem Fuß lebte, wurde K. 1882 seiner Stellungen als Oberbefehlshaber der Marine und Präsident des Staatsrats enthoben; teils beschuldigte man ihn der Neigung zu liberalen, ja nihilistischen Grundsätzen, teils allzugroßer Nachlässigkeit in der Verwaltung. Vermählt ist er seit 1848 mit der Prinzessin Alexandra von Sachsen-Altenburg, die ihm sechs Kinder geboren hat: Nikolaus, geb. 14. Febr. 1850, wurde wegen schlechter Streiche und nihilistischer Umtriebe 1881 aller Würden entkleidet und nach Taschkent verbannt; Olga, geb. 3. Sept. 1851, vermählt 27. Okt. 1867 mit König Georg I. von Griechenland; Vera, geb. 16. Febr. 1854, vermählt 8. Mai 1874 mit dem Herzog Eugen von Württemberg, Witwe seit 27. Jan. 1877; Konstantin, geb. 22. Aug. 1858, vermählt 1884 mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Altenburg; Dmitri, geb. 13. Juni 1860, und Wjatscheslaw, geb. 13. Juli 1862, gest. 27. Febr. 1879.

Konstantine (Constantine), Hauptstadt des östlichsten gleichnamigen Departements in Algerien, welches 127,064 qkm (2308 QM.) mit (1881) 1,273,965 Einw. (darunter 92,193 Europäer und 10,075 Juden) umfaßt, einst der Hauptort Numidiens, ist außerordentlich malerisch gelegen auf einem von S. nach N. bis zu 200 m Höhe ansteigenden isolierten Felskegel von weißlichgrauem Kalkstein, dessen Fuß auf drei Seiten der Uëd Rumel bespült, während derselbe im SW. durch einen nur 300-400 m breiten Isthmus mit den Höhen von Kudiat Ati zusammenhängt. Auf dieser Seite war die Stadt allein zugänglich; hier drangen auch 1837 die Franzosen in dieselbe ein. Die Stadt, durch Eisenbahn mit ihrem Hafen Philippeville, mit Algier und Tunis verbunden, zählt (1881) 42,721 Einw. (14,741 Franzosen, 5203 Juden, 4877 Fremde) und besteht aus zwei ganz verschiedenen Teilen, einem europäischen und einem arabischen, welch letzterer aber infolge der Anlage von neuen Durchbruchsstraßen seinen ursprünglichen Charakter immer mehr verliert. Zwei Thore und eine künstliche eiserne sowie vier natürliche Brücken, Reste einer Kalkbank, unter welcher der Fluß sich Bahn gebrochen, verbinden die Stadt mit den sich schnell entwickelnden Vorstädten. Bemerkenswerteste Gebäude sind: die alte Kasbah auf der Spitze des Felsens, das Kapitol der römischen Stadt (jetzt Kasernen, ein Hospital, Arsenal u. a. enthaltend), 13 Moscheen, davon eine mit 25 m hohem Minaret, von dem man eine prachtvolle Aussicht genießt, die Kathedrale (eine frühere Moschee), die Synagoge, Präfektur, der alte Palast des Beis (jetzt Wohnung des Divisionsgenerals), ein kleines Museum römischer Altertümer u. a. Schöne Promenaden laufen um die Stadt und führen zu den warmen Quellen von Sidi Mecid, einem vielbesuchten Bad. K. hatte einst eine bedeutende Industrie, seine Gerbereien und Lederarbeiten waren berühmt; heute macht sich die europäische Konkurrenz immer fühlbarer. Wichtig sind außerdem noch Woll- und Teppichweberei, und der Uëd Rumel treibt die größte Kunstmühle ganz Algeriens. Als Handelsstadt ist K. von großer Bedeutung; es ist der größte Kornmarkt Algeriens und vertreibt besonders Öl, Wolle, Leder, Schuhmacherwaren etc. Die arabische Bevölkerung ist meist schmutzig und verkommen und entschieden im Rückgang begriffen, hält aber hier, ebenso wie die Juden, noch zäh an ihren alten Sitten und Gebräuchen fest. Von den Ruinen aus der Römerzeit, welche sich in Stadt und Umgegend finden, sind die fünf Steinbogen des Aquädukts von Bu-Merzug (einer ist 20 m hoch) am bemerkenswertesten.

K. spielte als die reichste und blühendste Stadt Numidiens schon im Altertum eine bedeutende Rolle. Ihr punischer Name war Karta ("Stadt"), woraus die Römer Cirta machten. Sie ward von Micipsa, dem Sohn Masinissas, mit Hilfe griechischer Kolonisten gegründet und zur Hauptstadt Numidiens gemacht und zeichnete sich durch die Pracht ihrer öffentlichen Gebäude sowie durch die Stärke ihrer Bevölkerung vor allen übrigen Städten des nördlichen Afrika aus. Jugurtha konnte sie 113 v. Chr. nur durch Hunger zur Übergabe zwingen, und den römischen Feldherren Metellus und Marius diente sie als Hauptstützpunkt; letzterer erfocht 107 bei Cirta einen Sieg über Jugurtha. Als König Juba mit dem Reste der Pompejanischen Partei in Afrika 46 unterlegen war, gab Cäsar einem seiner Parteigänger, Sittius, einen Teil des Gebiets von Cirta, das als besondere Kolonie das römische Bürgerrecht und den Namen Sittianorum Colonia erhielt. Seitdem beginnt der Verfall des alten Cirta, das endlich 311 n. Chr. in dem Krieg des Maxentius gegen Alexander, einen pannonischen Bauer, der sich in Afrika zum Kaiser aufgeworfen, gänzlich zerstört wurde. Konstantin d. Gr. stellte die Stadt 312 wieder her und gab ihr den Namen K.,