Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kotzebuesund; Kotzen; Kötzer; Kotzman; Kötzschenbroda; Kötzting; Koulisse; Koup; Koupage; Koupee; Koupieren

127

Kotzebuesund - Koupieren.

2 Bde.) heraus. Seit 1829 privatisierend, starb K. 15. Febr. 1846 in Reval.

3) Moritz von, Bruder des vorigen, geb. 11. Mai 1789 auf dem Gut Kieckel in Esthland, besuchte die Kadettenschule in Petersburg und machte in seinem 14. Jahr mit seinem Bruder Otto als Seekadett unter Krusenstern die Reise um die Welt mit. Nach seiner Rückkehr trat er in die russische Landarmee und wohnte 1806 und 1807 dem Feldzug in Preußen gegen Napoleon I. bei. Im Feldzug von 1812 geriet er 10. Aug. in der Nähe von Polozk in französische Kriegsgefangenschaft, aus welcher ihn erst der Umschwung der Ereignisse 4. April 1814 befreite. Seine Schicksale in derselben beschrieb er in der von seinem Vater herausgegebenen Schrift "Der russische Kriegsgefangene unter den Franzosen" (Leipz. 1815). Bekannt wurde er vorzüglich durch seine Reise nach Persien mit der russischen Gesandtschaft 1817, deren Beschreibung sein Vater (Weim. 1819) herausgab. Später diente er als Oberst im Generalstab, dann einige Jahre bei der kaukasischen Armee und lebte seit 1855 als Mitglied der polnischen Abteilung des russischen Senats in Warschau, wo er im Februar 1861 starb.

4) Paul, Graf von, Bruder des vorigen, geb. 22. Aug. 1801, trat in die russische Armee, wurde 1843 Generalquartiermeister unter Paskewitsch, 1846 Stabschef des kaukasischen Korps, 1853 Chef des Generalstabs der russischen Armee in den Donaufürstentümern, machte als solcher die Verteidigung von Sebastopol mit, ging dann mit Gortschakow als Chef des Generalstabs nach Polen, wurde 1859 General der Infanterie und 1862 Generalgouverneur von Neurußland und Bessarabien, später auch Oberbefehlshaber des Militärbezirks von Odessa, in welcher Stellung er besonders für Anlegung von Eisenbahnen in jenen Gegenden wirkte. Seit 1874 Generalgouverneur von Polen, wurde er 1875 vom Kaiser von Rußland in den erblichen Grafenstand erhoben. Bald nachdem er Anfang 1880 in Warschau sein 60jähriges Dienstjubiläum gefeiert, gab er den Posten eines Generalgouverneurs von Polen auf und starb 2. Mai 1884 in Reval.

5) Wilhelm von, Diplomat und belletristischer Schriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 19. März 1813 zu Reval, erhielt eine ausgezeichnete Erziehung in Rußland, widmete sich der diplomatischen Laufbahn, verließ dieselbe aber, um in der Moldau die Güter seiner Gemahlin zu bewirtschaften, und trat erst 1857 wieder in den Staatsdienst ein. Er wurde als bevollmächtigter Minister zuerst in Karlsruhe, 1870 in Dresden, 1879 in Bern beglaubigt, nahm aber 1880 seinen Abschied und lebte seitdem wieder teils in Dresden, teils auf einem ihm gehörigen Gut in Esthland. Seine litterarische Thätigkeit eröffnete er mit der metrischen Übertragung der von dem Schriftsteller Alecsandri gesammelten rumänischen Volkslieder: "Rumänische Volkspoesie" (Berl. 1857). Unter dem Pseudonym W. Augustsohn ließ er die dramatischen Dichtungen: "Ein unbarmherziger Freund" und "Zwei Sünderinnen" erscheinen, von denen namentlich die erstere auf deutschen Bühnen mit Erfolg gegeben ward. Anonym erschienen: "Aus der Moldau", Bilder und Skizzen (Leipz. 1860); "Kleine Geschichten aus der großen Welt" (Dresd. 1862; 2. Aufl., Leipz. 1880); "Laskar Vioresku", ein moldauisches Genrebild (das. 1863); "Künstliches und natürliches Leben" (Karlsr. 1869). Neuerlich veröffentlichte er das Werk "August v. Kotzebue" (s. oben) und den Roman "Baron Fritz Reckensteg" (Leipz. 1885).

6) Alexander von, Maler, Bruder des vorigen, geb. 9. Juni 1815 zu Königsberg, ward im Petersburger Kadettenkorps erzogen, verließ dasselbe 1834 als Gardeleutnant, widmete sich aber nach vier Jahren der Kunst und begann als Schüler der Petersburger Akademie unter Sauerweid seine Studien. Nachdem er sechs Jahre dort verbracht, ging er zu seiner Weiterbildung 1846 nach Paris und 1848 auf Reisen nach Belgien, Holland, Italien und Deutschland, bis er sich schließlich in München niederließ. Sein erstes Gemälde: die Erstürmung Warschaus, entstand 1844 in Petersburg. Seitdem malte er zahlreiche Schlachten der Russen im Siebenjährigen Krieg und aus den Feldzügen Suworows in großen Gemälden für den Kaiser von Rußland. Als die bedeutendsten unter denselben sind zu nennen: Erstürmung von Schlüsselburg, Schlacht bei Poltawa, Erstürmung Narwas, Übergang über die Teufelsbrücke, die Gründung Petersburgs (Maximilianeum in München). Kotzebues Bilder zeichnen sich durch Übersichtlichkeit der Komposition aus und fesseln doch in den Einzelheiten; sie sind dabei ebenso trefflich koloriert wie meisterhaft gezeichnet. K. ist kaiserlich russischer Professor u. Ehrenmitglied der Münchener Akademie.

Kotzebuesund, Einbuchtung des Nördlichen Eismeers, an der Küste von Alaska, in deren Hintergrund die Eschscholtzbai liegt, bekannt durch ihre von einer fossilienreichen Thonschicht bedeckten Eisschichten.

Kotzen (rauhes Deckenzeug), aus grober Wolle und meist sehr grobem Gespinst, glatt oder geköpert gewebter Stoff, welcher schwach gewalkt, aber sehr stark gerauht und nicht geschoren, daher gewöhnlich mit pelzartig dichtem und langem Haar versehen ist; dient zu Pferdedecken, Fuß- und Bettdecken.

Kötzer, das von der Mulemaschine in birnförmiger Gestalt aufgewundene Garn, s. Spinnen.

Kotzman, Marktflecken in der Bukowina, mit (1880) 4156 Einw., Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts.

Kötzschenbroda, Marktflecken in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Dresden, an der Elbe und der Linie Leipzig-Riesa-Dresden der Sächsischen Staatsbahn, hat eine schöne neue Kirche, eine Champagnerfabrik, Weinbau, Erdbeer- und Spargelkultur und (1885) 3876 meist evang. Einwohner. - K. wurde 1429 von den Hussiten verbrannt. Hier 1645 Waffenstillstand zwischen Schweden und Sachsen.

Kötzting, Flecken und Bezirksamtssitz im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, am Weißen Regen, hat 2 Kirchen, ein Amtsgericht, ein Forstamt, bedeutende Holzflößerei, Zündholz-, Holzstift-, Holzstoff- und Pappenfabrikation und (1885) 1668 kath. Einwohner. K. erhielt von Kaiser Ludwig, dem auf dem Ludwigsberg ein Denkmal errichtet ist, viele Privilegien. 1633 ward es von den Schweden verbrannt. Am Pfingstmontag findet alljährlich nach der 8 km entfernten Kirche Steinbühl eine berittene Prozession (Pfingstritt) statt.

Koulisse, s. Kulisse.

Koup (franz., spr. kuh), s. Coup.

Koupage (franz., spr. -asch), das Verschneiden, Schmieren des Weins.

Koupee (franz. coupé), zweisitzige, geschlossene Kutsche mit feststehendem Verdeck; die vordere Abteilung eines Postwagens; Abteilung oder gesonderter Raum in einem Eisenbahnwaggon.

Koupieren (franz.), schneiden, abschneiden, auch in Bezug auf Krankheiten (s. Abortivkur); im Kartenspiel s. v. w. abheben; im Weinhandel: verschneiden, verschiedene Sorten Wein mischen; Pferde