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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Krebs

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Krebs (botanisch) - Krebs (Personenname).

den sind, derselbe als Markschwamm auftritt. Auch das Geschlecht influiert, wenigstens auf die Art des Krebses, indem gewisse weibliche Organe leichter erkranken, die Gebärmutter, die weibliche Brust etc. Auch Erblichkeit des Krebses wird behauptet; was aber die Ansteckung betrifft, so wird diese vollkommen in Abrede gestellt. Daß der K. nicht ansteckt, hat die Erfahrung in Tausenden von Fällen gezeigt, wo eine Übertragung von der Frau auf den Mann hätte stattfinden können. - Die Behandlung ist eine allgemeine und örtliche. Die Mittel, welche gegen den K., um ihn von innen heraus zum Stillstand oder zur Heilung zu bringen, angewendet werden, sind zahllos; namentlich ist es das Arsenik, welches großes Vertrauen genießt. Ist Verdacht vorhanden, daß eine Verhärtung krebsiger Natur sei, so kann man Jodbepinselungen versuchen, um eine Zerteilung zu erzielen; bleibt diese aber aus, so ist es immer geraten, die Geschwulst auszuschneiden. Die Ätzmittel sind viel schmerzhafter und unsicherer und zwar aus dem Grund, weil der K. niemals von dem gesunden Gewebe scharf abgegrenzt ist, sondern die beginnende krebsige Entartung bereits in die Umgebung unsichtbar und unerkennbar übergegangen zu sein pflegt. Diese in der Umgebung bereits vorhandene Entartung ist auch die Ursache der örtlichen Recidive des Krebses. Soll nicht operiert werden, weil der Kranke eine Operation verweigert oder das Stadium der Entwickelung der Geschwulst schon ein zu weit vorgeschrittenes ist, so beschränkt man sich auf Linderung der Schmerzen, Beseitigung der stinkenden Absonderungen, Bekämpfung der Blutungen und möglichst gute, kräftigende Diät. Im Volk werden auch die Fleischgewächse (Sarkome) K. genannt. Vgl. Lebert, Traité des maladies cancéreuses (Par. 1851); Lücke, Die Geschwülste (in Pitha-Billroths "Chirurgie"); Billroth, Allgemeine chirurgische Pathologie und Therapie (13. Aufl., Berl. 1887); Thiersch, Der Epithelialkrebs, namentlich der Haut (Leipz. 1865); Waldeyer (mehrere Aufsätze in Virchows "Archiv"); Cohnheim, Allgemeine Pathologie (2. Aufl., Berl. 1882).

Krebs, in der Botanik im allgemeinen alle diejenigen Krankheiten der Stämme und Äste der Bäume, bei denen an einer Stelle der Holzkörper keine Jahresringe mehr bildet, oft bloßgelegt wird und einer langsamen Zerstörung anheimfällt, wobei die kranke Stelle wegen der im Umkreis der Wunde alljährlich sich bildenden Überwallungsränder mehr oder weniger als eine Anschwellung hervortritt. Diese Erscheinung wird unter anderm durch äußere Verwundungen, pflanzliche Parasiten, wie z. B. beim K. der Weißtanne (s. Rostpilze), beim Lärchenkrebs (s. Peziza) und beim Erdkrebs der Nadelhölzer (s. Rhizomorpha), hervorgebracht. Bei den Kernobstgehölzen, besonders dem Apfelbaum, stellt der K. eine spezifische Krankheit dar. Er beginnt mit einer übermäßigen Entwickelung des Holzkörpers, welcher an der betreffenden Stelle eine die Rinde sprengende und hervorbrechende Anschwellung bildet; zugleich beginnt eine Zerstörung der gebildeten Holzmasse, indem die Anschwellung in der Mitte ein- oder mehrmals lippig sich spaltet. Da in den Furchen die Thätigkeit der Kambiumschicht erloschen ist, so entsteht in der Umgebung der Wunde ein starker Überwallungswulst. Da aber die Zerstörung im Holz in der Längs- und Querrichtung fortschreitet, so stirbt im nächsten Jahr auch der erste Überwallungswulst mehr oder weniger vollständig ab. Indem nun alljährlich neue Wülste durch Überwallung im Umkreis entstehen, zeigen dieselben eine rosenähnliche konzentrische Anordnung. Das Absterben des Holzes kann zuletzt den ganzen Umfang des Astes ergreifen, oft bricht ihn schon vorher der Sturm an dieser Stelle ab. Die wichtigste Ursache des Krebses an Apfelbäumen ist das Ansaugen der Rinde durch einen tierischen Parasiten, die Blutlaus (Schizoneura lanigera Hausm.), die erst seit etwa 40 Jahren bekannt ist und vielleicht aus Amerika stammt. Die blattlausähnlichen, rötlichen und mit weißer Wolle bedeckten Tiere besetzen gruppenweise die Zweige und führen ihren Saugrüssel durch die Rinde junger Zweige bis in die Kambiumschicht ein. Durch die abnorme Thätigkeit der letztern erhalten die Zweige beulenförmige Anschwellungen, die weiter wachsen, sich schließlich zerklüften und in Krebsgeschwüre übergehen; an den Rändern derselben bilden sich oft neue Geschwülste. Da die Blutläuse in vertieften Stellen der Wunden und in der Erde überwintern, außerdem im Herbst von den geflügelten Weibchen Eier gelegt werden, so wird der angegangene Baum in jedem Frühjahr wieder von neuem affiziert. Als Gegenmittel empfiehlt sich daher sorgfältige Zerstörung der ersten Ansiedelung von Blutläusen, ferner das Bestreichen der besetzten Stellen mit Petroleum, genaue Untersuchung der Bäume vor dem Einpflanzen sowie Teerringe gegen die in der Erde überwinternden Tiere. Ein dem Apfelbaumkrebs ähnlicher K. auf Buchen wird nach R. Hartig durch die Buchenbaumlaus (Lachnus exsiccator) hervorgerufen. Als mögliche Ursachen des Baumkrebses werden auch mechanische Verletzungen und Frostrisse angegeben.

Krebs, Karl August, Komponist und Dirigent, geb. 16. Jan. 1804 zu Nürnberg, wo seine Eltern, Namens Miedcke, Mitglieder des Stadttheaters waren, wurde nach dem Tod seiner Mutter mit Bewilligung des Vaters als einjähriges Kind vom Hofsänger und Opernregisseur J. ^[Johann] Baptist Krebs in Stuttgart an Kindes Statt angenommen und führte infolgedessen den Namen K. Als musikalisches Wunderkind trat er schon im fünften Lebensjahr als Konzertspieler auf und komponierte im siebenten bereits eine Oper ("Feodore", von Kotzebue). Nachdem er sich eifrig wissenschaftlich und musikalisch weitergebildet hatte, ging er 1825 nach Wien, wo er bei Seyfried noch Kompositionsstudien machte und 1826 als dritter Kapellmeister am Kärntnerthortheater angestellt wurde. Von hier ging er 1827 als Theaterkapellmeister nach Hamburg und bewährte sich in dieser Stellung als Dirigent von ungewöhnlichen Fähigkeiten; ebenso in Dresden, wo er von 1850 bis 1872 als Hofkapellmeister wirkte. Später leitete er daselbst die Kirchenmusiken bis zu seinem Tod 16. Mai 1880. Seine Kompositionen bestehen in zwei Opern ("Sylva" und "Agnes Bernauerin"), mehreren Symphonien, Messen, brillanten Klaviersachen und zahlreichen Liedern, von denen nicht wenige (z. B. "An Adelheid", "Mein Hochland", "Die süße Bell" etc.) große Popularität erlangt haben. - Seine zweite Gattin, Aloyse, geborne Michalesi, eine vortreffliche Sängerin (Mezzo-Sopran), war längere Zeit in London an der Italienischen Oper engagiert und wirkt seit 1849 als Hofopernsängerin in Dresden. Beider Tochter Mary K., geb. 5. Dez. 1851 zu Dresden, bildete sich unter der Leitung ihres Vaters zu einer vorzüglichen Klavierspielerin aus. Sie trat bereits im zwölften Jahr in Dresden und Meißen öffentlich auf und unternahm seitdem mit Erfolg zahlreiche Kunstreisen, die sie schon bis Nordamerika ausgedehnt hat.