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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kreuzraa; Kreuzritter; Kreuzschiff; Kreuzschlagen; Kreuzschmerzen; Kreuzschnabel

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Kreuzraa - Kreuzschnabel.

ähnlich sind, sich niemals schneiden und nur selten bis zur Berührung sich nähern. Die Schilder der Unterseite der K. sind gewöhnlich dunkelgrau oder schwarz, gelblich gefleckt. Die Färbung wechselt aber außerordentlich. Die K. findet sich im größten Teil Europas und in ganz Mittelasien, in den Alpen bis 2500 m ü. M., am häufigsten auf dem Schwarzwald, der Schwäbischen und Rauhen Alb und in ganz Norddeutschland. Sie findet sich im Wald, auf der Heide, auf Wiesen, Feldern, in Weinbergen, Steppen etc., unter Gebüsch, in steinigen, überwucherten Halden und besonders in Moorgegenden. Sie bewohnt Höhlungen unter Wurzeln oder im Gestein, Maus- oder Maulwurfslöcher etc., entfernt sich niemals weit von denselben und setzt sich möglichst anhaltend dem Sonnenschein aus, weil sie Wärme über alles liebt. Sie befindet sich aber bei Tag in einem halb schlaftrunkenen Zustand, bewegt sich träge und langsam, während sie von der Dämmerung an lebhafter wird. Mit der Natter vermag sie an Beweglichkeit nicht zu wetteifern, aber sie erklimmt doch schräg stehende Stämme und weiß sich auch im Wasser zu behelfen. Sie lebt besonders von Mäusen, Spitzmäusen, jungen Maulwürfen, frißt aber auch wohl junge Vögel und in der Not Frösche und vertilgt deren sehr viele, kann aber auch lange hungern. Im Winter hält sie gesellig (15-25 Stück) unter alten Wurzelstämmen Winterschlaf und erscheint erst im April, frühstens Mitte März, über der Erde. Sie ist äußerst reizbar, gerät leicht in grenzenlose Wut, bläht sich auf, zischt und beißt. Am Tag flieht sie nicht vor dem Menschen, sondern bleibt trotzig liegen und verrät sich bei Annäherung durch ihr Zischen, welchem sogleich der Biß folgt. Daß die K. springt und weit verfolgt, ist eine Fabel. Nachts flieht sie wohl regelmäßig vor dem Menschen. Die Paarung beginnt erst im April und Mai; bisweilen verknäueln sich mehrere Pärchen während der Begattung zu einem wirren Haufen, in welchem sie lange vereinigt bleiben. Im August und September legt das Weibchen je nach seinem Alter 5-14 Eier, aus welchen alsbald die Jungen auskriechen. Diese sind etwa 20 cm lang, häuten sich nach einigen Minuten oder Stunden und leben sogleich völlig selbständig. Auch in der Gefangenschaft bleibt die K. boshaft, und nur ausnahmsweise nimmt sie eine Nahrung an. Der Biß der K. ist sehr gefährlich, wenn auch nur etwa 10 Proz. der Gebissenen dem Tod verfallen. Der Tod erfolgt in einer Stunde bis in zwei oder drei Wochen. Durch Stiefel dringen die Giftzähne nicht. Zu beachten ist aber, daß selbst abgeschlagene Köpfe noch Minuten und Viertelstunden nach der Enthauptung beißen. Als bestes Mittel gegen die Folgen des Bisses haben sich Branntwein, Kognak, Rum etc., in sehr starken Dosen genossen, bewährt. Dabei spüren die Gebissenen nichts von dem Rausch. Außerdem kann man die Bißwunde aussaugen (wobei vorausgesetzt ist, daß man keine Wunde im Mund oder an den Lippen hat), ausschneiden oder ausbrennen oder doch bis zur Erlangung ärztlicher Hilfe einen kleinen glatten Stein sehr fest aufbinden, um die Blutzirkulation zu hemmen. Die hauptsächlichsten Feinde der K. sind der Iltis, Igel und Schlangenbussard.

Kreuzraa, s. Bagienraa.

Kreuzritter, s. Kreuzzüge; auch Bezeichnung der Ritter des Deutschen Ordens (s. d.).

Kreuzschiff, s. Querschiff.

Kreuzschlagen, s. Traberkrankheit.

Kreuzschmerzen, Schmerzen in der Kreuzgegend, sind in der Regel rheumatischer Art und haben dann ihren Sitz im Lendenmuskel. Bisweilen beruhen sie auf einer Zerreißung einzelner Muskelfasern der Rückenmuskeln, nach plötzlichem Bücken, schwerem Heben etc., viel seltener auf Nieren- und Nervenleiden. Frauen werden bei Gebärmutterleiden, Schwangerschaft, Menstruation und bei der Entbindung (Wehen) von K. heimgesucht. Bei Pocken treten K. als erstes und wichtigstes Symptom auf.

Kreuzschnabel (Loxia L.), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Finken (Fringillidae) und der Unterfamilie der Kreuzschnäbel (Loxiinae), kräftig gebaute, großköpfige Vögel mit sehr starkem, dickem, seitlich zusammengedrücktem, an den Schneiden eingebuchtetem Schnabel, dessen oberer Kiefer auf der schmalen Firste gerundet, in eine lange Spitze ausgezogen und sanft hakenförmig abwärts gebogen, während der stärkere untere nach oben gekrümmt und mit jenem bald auf der rechten, bald auf der linken Seite gekreuzt ist. Die Flügel sind ziemlich lang, schmal und spitzig, die erste Schwinge ist am längsten; der Schwanz ist kurz, ausgerandet; die Füße sind kurz und kräftig, die Zehen lang, mit starken Nägeln versehen. Die Vögel leben in Nadelwaldungen, mehr im Norden als im Süden, sind aber sehr unstet, erscheinen plötzlich irgendwo, verweilen längere oder kürzere Zeit und verschwinden dann ebenso plötzlich wieder, um sich viele Jahre lang nicht sehen zu lassen. Die verschiedenen Arten sind einander sehr ähnlich und variieren sehr stark: die alten Männchen sind zinnober- oder karminrot, die jüngern rotgelb bis grüngelb, die Weibchen gelblich- oder graugrün; bei allen sind die Schwung- und Schwanzfedern grauschwarz. Sie erscheinen munter und gewandt, fliegen leicht und schnell, klettern geschickt und zeigen sich nur auf dem Boden unbeholfen. Sie haben Ähnlichkeit mit den Papageien, klettern namentlich auch wie diese mit Hilfe des Schnabels, sind aber viel harmloser und liebenswürdiger als diese. Der Kiefernkreuzschnabel (Tannen-, Kiefernpapagei, Loxia pityopsittacus Bechst., s. Tafel "Sperlingsvögel II") ist 20 cm lang, 30 cm breit und namentlich durch seinen dicken, hohen, im Halbkreis gekrümmten Papageienschnabel, bei welchem die Spitze des Unterkiefers weit über den Rücken des Oberkiefers emporragt, von dem kleinern Fichtenkreuzschnabel (Kreuzvogel, Christvogel, Krinitz, L. curvirostra Gm.) mit viel schwächerm und verhältnismäßig längerm Schnabel unterschieden. Beide Arten treten besonders in guten Samenjahren häufig auf, erscheinen aber immer unregelmäßig, bevorzugen das Gebirge und finden sich auch in Südeuropa und Asien. Amerika hat besondere, sehr kleine Arten. Sie sind ungemein gesellig, Baumvögel, welche nur im Notfall auf den Boden herabkommen, singen angenehm, nähren sich hauptsächlich von Nadelholzsamen, den sie mit ihrem starken Schnabel leicht gewinnen, fressen in der Not aber auch Ahorn-, Hainbuchen-, Hanf-, Distelsamen etc., nebenbei Insekten. Sie nisten zu allen Jahreszeiten, auch im strengsten Winter, und legen 3-4 kleine, grau- oder bläulichweiße, rot oder braun gezeichnete Eier in ein auf Bäumen sorgfältig gebautes Nest. Man fängt die Kreuzschnäbel wegen ihrer Geselligkeit, großen Harmlosigkeit ohne Mühe mit Leimruten und hält sie des angenehmen Gesanges halber gern im Zimmer; sie werden rücksichtslos zahm, verfärben sich aber und verlieren das schöne Rot vollständig. Haben sie sich ausschließlich von Nadelholzsamen genährt, so widersteht das Fleisch nach dem Tode der Fäulnis und trocknet ein. Übrigens schreibt das Volk dem im Zimmer