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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kynast - Kyrenaika.

Kynast, eine dem Grafen Schaffgotsch gehörige Standesherrschaft im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, hat ihren Namen von dem durch Sage und Gesang vielfach verherrlichten Bergschloß gleichen Namens im Riesengebirge, das von Herzog Bolko I. 1292 erbaut, von Bolko II., Herzog von Schweidnitz und Jauer, dem tapfern Ritter Gotsche Schoff (Gottfried Schaf) übergeben und 1675 vom Blitz zerstört wurde. Die romantisch gelegenen, ziemlich gut erhaltenen Ruinen vom K., auf einem bewaldeten, 588 m ü. M. sich erhebenden Granitkegel, umfassen das alte Wachthaus als Eingang zur Burg, Reste der Kapelle des Trinksaals etc. und den Turm, der Aussicht in das Hirschberger Thal gewährt. Die Sage von der Schloßherrin Kunigunde, welche von ihren Bewerbern einen Ritt auf der schmalen Burgmauer forderte, hat Th. Körner den Stoff zu einem Gedicht geliefert.

Kynätha, altgriech. Stadt in Arkadien, am Nordabhang des Aroaniagebirges, merkwürdig durch die Quelle Alyssos, deren Wasser die Hundswut heilen sollte. Die Stadt wurde 220 v. Chr. von den Ätoliern zerstört, erholte sich aber wieder, namentlich unter Kaiser Hadrian. Jetzt Kalavryta.

Kyne (griech.), bei den alten Griechen eine halbkugelförmige Mütze aus Leder, welche Hirten, Landleute und Arbeiter zu tragen pflegten.

Kynewulf, engl. Dichter des 8. Jahrh., in dessen zweite Hälfte seine Dichtungen fallen, nach einigen ein Nordhumbrier, nach andern ein Westsachse. Nicht ohne gelehrte Bildung, pflegte er zunächst als fahrender Sänger volkstümliche Dichtung, besonders die Rätselpoesie, ein altgermanisches Gut. Ein wunderbares Gesicht, die Erscheinung des heiligen Kreuzes, von der er in einem eignen Gedicht berichtet, wies seinen Sinn in ernste Bahnen: fortan besang er im "Christ" des Heilands Geburt, Himmelfahrt und Wiederkunft, in einem andern Werk die Höllenfahrt. Nach lateinischem Muster arbeitete er den "Phönix" und die Legenden vom heil. Guthlak, von Juliana, Andreas, Elene. Die beiden letztern gab J. Grimm (Kassel 1840), die "Elene" J. ^[Julius] Zupitza (Berl. 1877) heraus (alles in Greins "Bibliothek der angelsächsischen Poesie", Bd. 2, und übersetzt in dessen "Dichtungen der Angelsachsen", Bd. 2). Vgl. Wülcker, Über den Dichter K. (in "Anglia", Bd. 1); Ramhorst, Das altenglische Gedicht vom heil. Andreas und der Dichter K. (Leipz. 1886).

Kyniker, s. Cyniker.

Kynologie (griech.), Lehre vom Hund.

Kynosarges, s. Cyniker.

Kynoskephalä (jetzt Kara Dagh), ein 800 m hoher Bergzug im Zentrum von Thessalien (Pelasgiotis), wo 364 v. Chr. Pelopidas fiel und 197 T. Quinctius Flamininus über Philipp III. von Makedonien siegte.

Kynthios (lat. Cynthius), Beiname des Apollon, wie Kynthia der Artemis, vom Berg Kynthos auf Delos, an dessen Fuße sie geboren wurden.

Kyparissiä, Stadt an der Westküste von Messenien, schon in der "Ilias" erwähnt, nach dem Sieg des Epameinondas über Sparta 369 v. Chr. durch Molenbauten zur Hafenstadt umgewandelt, nach welcher der flache Meerbusen (Kyparissischer Meerbusen), welcher von W. her in den Peloponnes einschneidet, benannt wurde. Auf die noch heute existierende Stadt ist im frühen Mittelalter der Name der peloponnesischen Zentrallandschaft, Arkadia, übergegangen, wonach der Meerbusen jetzt noch Golf von Arkadia heißt. Nachdem der Ort 1825 durch Ibrahim zerstört worden war, nahm er bei seinem Wiederaufbau den antiken Namen Kyparissia wieder an.

Kyparissos, antike Ortschaft in Phokis, wahrscheinlich 6-7 km östlich von Delphi gelegen, wo sich noch jetzt althellenische Ruinen befinden.

Kyparissos, nach griech. Sage ein Liebling des Apollon, der aus Versehen einen zahmen Hirsch tötete und aus Trauer darüber auf seine Bitte in die als Trauerbaum geltende Cypresse (griech. kyparissos) verwandelt wurde. Nach einem andern, aus dem Orient stammenden Mythus geschah dies, als K., ein kretischer Jüngling, um seine Keuschheit zu bewahren, vor Apollon oder Zephyr an den Fluß Orontes in Syrien geflohen war.

Kyphosis (Pottsches Übel), Verbuckelung, Abweichung eines oder mehrerer Wirbel in der Richtung nach hinten infolge einer ziemlich schnellen entzündlichen Erweichung und Schwundes der Wirbelkörper oder rhachitischer Knochenerweichung. Kyphoskoliose, Kombination von kyphotischer mit seitlicher Verkrümmung.

Kypros, griech. Name von Cypern (s. d.).

Kypselos, einst Herrscher von Korinth, Sohn des Eetion. Seiner Mutter Labde, aus dem Geschlecht der mächtigen Bakchiaden, war vom Orakel ein Nachkomme verheißen, der den Häuptern Korinths furchtbar werden sollte; daher versteckte sie das neugeborne Kind, um es vor Nachstellungen zu sichern, in einen Kasten (kypsele), wovon K. den Namen empfing. Nachdem K. herangewachsen, vertrieb er die Verwandten seiner Mutter und übernahm 657 v. Chr. die Herrschaft, regierte aber sehr mild und schmückte Korinth durch mehrere prachtvolle Bauten und Kunstwerke. Nach 28 Jahren vererbte er die Herrschaft auf seinen Sohn Periandros (629). Der erwähnte Kasten, welchen die Nachkommen des K. später in dem Heratempel zu Olympia als Weihgeschenk niedergelegt hatten, wo er sich noch am Ende des 2. Jahrh. n. Chr. befand, bestand aus Zedernholz, mit Schnitzereien und eingelegten Figuren, und galt im Altertum als ein vorzügliches Kunstwerk.

Kyrenaika, im Altertum eine reich bewässerte, fruchtbare Landschaft an der Nordküste Afrikas, welche das heutige Hochland von Barka in der türkischen Provinz Tripolis umfaßte. Griechische Kolonisten vom Peloponnes und den dorischen Inseln, namentlich Thera, gründeten hier im 7. Jahrh. v. Chr. Ansiedelungen, welche sich mit den libyschen Bewohnern zu mehreren Staaten vereinigten, an deren Spitze ein König (Battos) stand. Die bedeutendste Stadt war Kyrene (s. d.), ferner das 540 gegründete Barka, Taucheira und Euhesperidä. Nicht nur gegen die Nomaden Libyens, auch gegen den Ägypterkönig (570) wußten sie sich mit Erfolg zu behaupten; dagegen hatten sie mit den benachbarten Karthagern harte und langwierige Kämpfe zu bestehen und wurden um 524 auch dem Perserkönig Kambyses tributpflichtig. Nach dem Sturz des Perserreichs wieder unabhängig, gründeten die Kyrenäer unter dem Schutz der ägyptischen Ptolemäer 321 einen Bund von fünf Staaten, die sogen. kyrenäische Pentapolis, nämlich Kyrene, dessen Hafenstadt Apollonia, Ptolemais (an Stelle von Barka), Arsinoe (Taucheira) und Berenike (Euhesperidä). 117 ward K. zu einem Königreich unter einem jüngern Zweige der Ptolemäischen Königsfamilie umgewandelt und fiel nach dessen Aussterben 96 v. Chr. durch Testament an die Römer, die es 67 mit Kreta zu einer Provinz vereinigten. Die noch mehrere Jahrhunderte n. Chr. andauernde Blüte des Landes wurde endlich durch die wiederholten Einfälle der Nomaden des innern Afrika, besonders aber durch die mohammedanische Eroberung