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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ligier; Ligieren; Ligne; Lignières; Lignīt; Lignographie; Lignon; Lignōse; Lignum; Ligny

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Ligier - Ligny.

Damaskus, Cypern, Rhodos, den griechischen Inseln, Malta, Sizilien. Von seinen Landschaften sind hervorzuheben: Taormina, Girgenti, ein Zedernwald, Budapest, Visegrád, die Wüste Sahara, der Neusiedler See, Bethlehem, Nazareth, alte Gräber im Libanon und Kloster Mar Saba im Thal Kidron. Er ließ sich 1861 in Pest nieder, wo er Kustos an der Gemäldegalerie ist.

Ligier (spr. līschjeh), Pierre, franz. Schauspieler, geb. 1797 zu Bordeaux, versuchte sich zuerst auf dem Theater seiner Vaterstadt, debütierte 1819 in Paris unter Talmas Auspizien am Théâtre français und wurde 1825 Mitglied des Odéon-, dann des Theaters an der Porte St.-Martin, wo er als Marino Falieri die ganze Größe seines Talents entfaltete. Seine Erfolge in den Stücken der modernen Schule verschafften ihm 1831 ein Engagement am Théâtre français, wo er bis 1852 wirkte, im modernen und im alten klassischen Repertoire, worin er neben Beauvallet (s. d.) glänzte, gleich bedeutend. Von 1852 bis 1854 wirkte L. wieder am Theater der Porte St.-Martin, von 1854 bis 1856 am Odéon. Auch in der Provinz und in Italien hat L. vielen Beifall gefunden. Er starb 27. Sept. 1872 in Bordeaux. L. überraschte durch die düstere Energie in seinem Spiel und die Furcht erweckenden Masken; dem Ausdruck des Schreckens verstand er eine überwältigende Macht zu verleihen.

Ligieren (lat., "binden"), beim Fechten eine Ligade ausführen; s. Fechtkunst, S. 90.

Ligne (franz., spr. līnj), Linie, als Maß = 1/12 Pariser Zoll.

Ligne (spr. līnj), altes Geschlecht in Belgien, das seinen Stammsitz im Hennegau und vom Städtchen L. bei Tournai seinen Namen hat. Die namhaftesten Sprößlinge desselben sind:

1) Karl Joseph, Fürst von, geb. 23. Mai 1735 zu Brüssel, Sohn des k. k. Feldmarschalls Claudius de L., widmete sich dem Studium der klassischen Litteratur und der Kriegswissenschaften, trat 1752 in österreichische Kriegsdienste und focht mit Auszeichnung bei Kolin, Leuthen, Hochkirch u. a. O. Nach dem Siebenjährigen Krieg ward er Generalmajor und 1771 Generalleutnant. Im bayrischen Erbfolgekrieg führte er unter Laudon die Avantgarde. Nach dem Frieden bereiste er Italien, die Schweiz und Frankreich und stand mit den hervorragendsten Männern seiner Zeit, wie Rousseau, Voltaire, Laharpe, Friedrich d. Gr., in litterarischer Verbindung. Auf mehreren diplomatischen Sendungen nach Petersburg gewann er die Gunst der Kaiserin Katharina II. und erhielt von derselben den Titel eines russischen Feldmarschalls und ein Landgut in der Krim. 1789 befehligte er einen Teil des Heers unter Laudon, welches Belgrad belagerte und einnahm. 1807 ernannte ihn der Kaiser Franz I. zum Hauptmann der Gardetrabanten und 1808 zum ersten Feldmarschall, ohne ihm jedoch ein Kommando zu übertragen. Als Bonaparte 1803 die Sequestration der zahlreichen Güter des Hauses L. aufhob, übertrug der Fürst seine Rechte auf seinen Sohn Ludwig Lamoral (geb. 7. Mai 1766, gest. 10. Mai 1813). Von seiten des Deutschen Reichs erhielt er als Entschädigung die Abtei Edelstetten, die er 1804 an den Fürsten Esterházy verkaufte. Er starb 13. Dez. 1814. Seine geistvolle, witzige Unterhaltung war berühmt. Von seinen für die Zeitgeschichte nicht unwichtigen Schriften sind hervorzuheben die "Mélanges militaires, littéraires et sentimentales" (Wien u. Dresd. 1795-1811, 34 Bde.), denen sich die "Œuvres posthumes" (das. 1817, 6 Bde.) und "Vie du prince Eugène de Savoie" (Weimar 1809) anreihen. Eine Auswahl von seinen Briefen und kurzen Aufsätzen veranstalteten Frau v. Stáel unter dem Titel: "Lettres et pensées" (Par. 1809, 2 Bde.), Maltebrun u. a.; eine neue Ausgabe seiner Werke besorgte A. Lacroix (Brüssel 1860, 4 Bde.). Vgl. Thürheim, Feldmarschall Karl Joseph, Fürst de L. (Wien 1876).

2) Eugen Lamoral von, Fürst von Amblise und Epinoy, Grande von Spanien, Enkel des vorigen, geb. 28. Jan. 1804, folgte 1814 seinem Großvater in der Fürstenwürde, war 1830 bei der Trennung Belgiens von Holland von einer Partei als König des erstern ausersehen, ging jedoch nicht darauf ein und war 1842-48 bevollmächtigter Minister des Königs Leopold am französischen Hof. 1851 ward er Mitglied und 1852 Präsident des belgischen Senats. 1879 legte er dies Amt nieder, da er mit der liberalen Politik der Regierung nicht einverstanden war, und starb 20. Mai 1880. Sein Erbe war sein Enkel Ludwig Lamoral (geb. 18. Juli 1854).

Lignières (spr. linjĭähr), Stadt im franz. Departement Cher, Arrondissement St.-Amand, links am Arnon, hat ein Schloß, Mühlsteinbrüche und (1881) 2618 Einw.

Lignīt, s. Braunkohle.

Lignographie (lat.-griech.), ein in England erfundenes Verfahren des direkten Farbendrucks auf dünne Holzplatten, durch welches sehr schöne Effekte erzielt wurden, hat sich indes als zu zeitraubend und infolgedessen auch zu kostspielig erwiesen, um Einführung in die allgemeine Praxis finden zu können.

Lignon (spr. linjóng), zwei Nebenflüsse der obern Loire in Frankreich, wovon der eine (L. du Nord) in den Bergen von Forez entspringt, ein malerisches Gebirgsthal durchströmt und nach 50 km langem Lauf links in die Loire mündet, während der andre (L. du Sud) am Mont Mézenc seinen Ursprung nimmt, tiefe Schlünde durchfließt und, 75 km lang, bei der Eisenbahnstation Pont de Lignon sich rechts in die Loire ergießt.

Lignōse (v. lat. lignum, "Holz"), der Holzstoff der Pflanzenzelle. Die L. bildet im Holz der Bäume einen der Zellmembran eingelagerten und ihre Festigkeit steigernden Bestandteil, der nach Payen einen größern Gehalt an Kohlenstoff und Wasserstoff besitzen soll als die reine Cellulose.

Lignum, Holz; L. campechianum, Blauholz, Kampescheholz; L. Guajaci, L. sanctum, Guajakholz, Pockholz, Franzosenholz; L. Quassiae (surinamensis), Quassia; L. Sassafras, Sassafras, Fenchelholz.

Ligny (spr. linnji), 1) L. en Barrois, Stadt im franz. Departement Maas, Arrondissement Bar le Duc, am Ornain und der Lokalbahn Nançois-Neufchâteau, hat eine Kirche mit dem Grabmal des Marschalls Luxembourg und (1881) 4319 Einw., welche Baumwollspinnerei, Fabrikation von Wirkwaren u. Strümpfen, optischen und mathematischen Instrumenten, Loh- und Sämischgerberei betreiben. - 2) Dorf in der belg. Provinz und dem Bezirk Namur, mit 1509 Einw., geschichtlich denkwürdig durch die Schlacht, die hier Napoleon I. 16. Juni 1815 der preußischen Armee unter Blücher lieferte. Bei Eröffnung des Feldzugs war die Übermacht der Alliierten so bedeutend, daß Napoleon den Feind einzeln zu überraschen und zu schlagen suchen mußte. Während er Ney mit 50,000 Mann links gegen Quatrebras auf der Brüsseler Straße vorschickte, um Wellingtons Armee festzuhalten, wollte er sich selbst mit dem Gros der Armee (65,000 Mann) auf die Preußen stürzen. Blüchers Streitkräfte, die Korps Zietens, Pirchs und Thiel-^[folgende Seite]