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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lopez de Segura - Lorca.

ernannt, an der Spitze von 9000 Mann Anteil an dem Kriege gegen Rosas, den Diktator von Buenos Ayres. Nach Paraguay zurückgekehrt, benahm er sich so sittenlos und zugleich so herrschsüchtig, daß der Vater ihn zu fürchten begann und ihn 1853 auf einige Jahre nach Europa sandte, wo er die Genüsse der Alten Welt zwar gründlich kostete, doch sich auch als geschickten Diplomaten zeigte und insbesondere die Militärorganisation Preußens studierte, die er später in Paraguay einführte. Nach dem Tod seines Vaters trat er nach einem von diesem geschaffenen Gesetz die Regierung zunächst provisorisch an und ließ sich 16. Okt. 1862 vom gefügigen Kongreß wählen. Die Regierung L.' hatte von Anfang an einen großartigen Anstrich; durch die von seinem Vater hinterlassenen Reichtümer war er im stande, gewaltige Prachtbauten zu errichten. Sein Ehrgeiz strebte aber hauptsächlich nach der Gründung eines großen Guaranireichs, wozu er als erstes Mittel den Krieg mit Brasilien erblickte. Der Staatsschatz war gefüllt, das Heer war 60,000 Mann mit 200 Geschützen stark und in weit besserm Zustand als alle andern südamerikanischen; L. that nun mit großer Energie alles, um die militärische Macht noch zu erhöhen, zog Europäer nach Paraguay, ließ die Uferschanze Humaïtá zur Festung ausbauen, legte Pulverfabriken etc. an und brach im Oktober 1864 den Krieg mit Brasilien vom Zaun (s. Paraguay, Geschichte). Dieser Krieg veranlaßte auch den Krieg gegen Argentina und Uruguay, und L., im Besitz einer diktatorischen Gewalt, führte ihn wie ein Scheusal, namentlich seit derselbe unglücklich für ihn zu verlaufen anfing und er sich dem Trunk ergab. Er ließ seine eignen Anhänger unter der Anklage von Verschwörungen massenhaft foltern und hinrichten, seinen Bruder Venantio aus Mißtrauen erschießen, seine Schwester vom Henker auspeitschen, seine Mutter mißhandeln, Tausende von Kriegsgefangenen niedermetzeln oder verhungern; er scheute kein Verbrechen, zeigte sich aber persönlich feig. Trotzdem wußte er sich die Anhänglichkeit des Volkes zu erhalten und verteidigte sich mit zähster Widerstandskraft, bis er 1. März 1870 in seinem Lager am Aquidaban von brasilischer Reiterei niedergemacht wurde. Ein Sohn des Diktators, Pancho, der Oberst war, wurde dabei erschossen. L. hat den Fluch auf sich geladen, Paraguay zu einer Wüste gemacht zu haben; erst sein Tod machte den Frieden möglich.

3) L. Dominguez, span. General, s. Dominguez.

Lopez de Segura, Ruy, Begründer der Theorie des modernen Schachspiels, Stadtpfarrer zu Zafra in Spanisch-Estremadura, lebte um die Mitte des 16. Jahrh. Ein von ihm verfaßtes Werk erschien 1561 zu Alcala. Nach L. heißt eine der sichersten und gangbarsten Spieleröffnungen das "Springerspiel des Ruy Lopez" oder die "spanische Partie".

Lophiodonten, fossile Säugetiere, im Zahnbau ähnlich den jüngere Tapiren, finden sich im mittlern Eocän, im Grobkalk von Paris.

Lophobranchii, s. v. w. Büschelkiemer.

Lophophanes, s. Meise.

Lophortyx, s. Baumwachtel.

Lophyrus, s. Blattwespen.

Lop-Nor, See, s. Lob-Nor.

Loquazität (lat.), Geschwätzigkeit.

Loquitz, linksseitiger Nebenfluß der Saale, entspringt im südöstlichen Teil des Thüringer Waldes, unfern Ludwigstadt, nimmt die Sormitz auf und mündet bei Eichicht südlich von Saalfeld.

Loranthaceen (Riemenpflanzen), dikotyle Familie von zweifelhafter systematischer Stellung, zunächst mit den Santalaceen verwandt, grüne, durch eigentümliche senkerartige Rindenwurzeln auf andern Holzpflanzen schmarotzende Sträucher mit dichotomischer Verzweigung und meist gegenständigen, lederartigen, immergrünen Blättern. Die regelmäßigen, oberständigen Blüten sind drei-, vier- oder fünfzählig und bei den verschiedenen Gattungen der L. von variablem Bau. Bei Loranthus stehen innerhalb eines schmalen Randsaums (Calyculus) sechs mehr oder weniger blumenblattartige Blätter, vor denselben sechs Staubblätter mit zweifächerigen Antheren und in der Mitte ein einfacher Griffel mit kopfiger Narbe. Das ungefächerte Ovar stellt einen soliden Gewebskörper dar, der in seinem Innern mehrere Embryosäcke ohne differenzierte Samenknospen enthält. Bei der zweihäusigen Mistel (Viscum) tragen die Perigonblätter der vier- bis sechszähligen männlichen Blüte auf ihrer Innenfläche je eine flache Anthere mit 6-20 Pollenbehältern, die sich mit Löchern öffnen. Die weibliche, regelmäßig vierzählige Blüte besitzt ein aus zwei Karpiden gebildetes Ovar, das ebenfalls keine Samenknospen von gewöhnlicher Bildung enthält, sondern in dem Gewebe jedes Karpells nur einen oder zwei Embryosäcke entwickelt. Die Frucht der L. ist eine einsamige Beere, der endospermführende Same entwickelt bei Viscum häufig zwei oder drei Keimlinge. Vgl. Eichler, Loranthaceae, in Martius' "Flora brasiliensis" (1868). Man zählt ungefähr 500 Arten, von denen der größte Teil den Tropenländern, besonders Amerikas und Asiens, angehört. In Europa sind nur die Gattungen Viscum Tournef., Loranthus L. und Arceuthobium Bieberst. mit je einer Spezies vertreten, von denen die verbreitetste und gemeinste die Mistel (Viscum album L.) ist. Sie enthalten in der Rinde und besonders in den Beeren eine eigentümliche, zäh leimartige Substanz (Viscin), welche als Klebstoff verwendet wird.

Loranthus L. (Riemenblume), Gattung aus der Familie der Loranthaceen, Schmarotzersträucher, wie die Misteln, in wärmern Ländern, mit rundlichen, gegliederten Zweigen und lederigen Gegenblättern, meist gelben und roten Blüten in Ähren und Rispen, die oft eine Zierde der Bäume sind, und mit einsamiger Beere. Unter 300 Arten ist nur eine einzige europäische: L. europaeus L. (Eichenmistel), ein kahler, gabelästiger Strauch vom Ansehen der weißen Mistel, mit gegenständigen, gestielten, verkehrt-lanzettförmigen, ganzrandigen, im Winter abfallenden Blättern, kleinen, grünlichen, zweihäusigen Blüten in lockern, endständigen Ähren und gelben Beeren, wächst auf Eichen und Kastanien im südlichen und östlichen Europa. Aus den Beeren bereitet man Vogelleim, daher das Sprichwort: turdus (die Drossel, welche die Beeren frißt und die Samen in dem Kot auf andre Bäume verpflanzt) ipse sibi malum cacat. Vgl. Viscum.

Lorarius (lat.), im alten Rom der Zuchtmeister der Sklaven, gewöhnlich selbst ein Sklave.

Lorbeerbaum, s. Laurus.

Lorbeergewächse, s. Laurineen.

Lorbeerkirsche, s. v. w. Kirschlorbeer, Laurocerasus.

Lorbeerkraut, s. Daphne.

Lorbeeröl, s. Laurus.

Lorbeerrose, s. v. w. Oleander, s. Nerium.

Lorca, Bezirksstadt in der span. Provinz Murcia, am Sangonera und am Abhang der von einem malerischen alten Kastell gekrönten Sierra del Cano in schöner, wohlbewässerter (11,000 Hektar großer) Vega gelegen, besteht aus der hoch gelegenen maurischen Stadt mit engen Straßen und verfallenen Palästen