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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lucas van Leiden; Lucaya; Lucca

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Lucas van Leiden - Lucca (Herzogtum und Stadt).

"Pomologischen Monatshefte", die er nach Oberdiecks Tod (1879) allein fortführte, und lieferte seit 1860 alljährlich das "Taschenbuch für Pomologen und Gartenfreunde". Er starb 24. Juli 1882.

Lucas van Leiden, eigentlich Lucas Jacobsz, von den Italienern Luca d'Olanda genannt, holländ. Maler und Kupferstecher, geb. 1494 zu Leiden, hatte anfangs seinen Vater Huig Jacobsz zum Lehrer und erregte schon in seinem 12. Jahr durch eine Darstellung der Legende vom heil. Hubertus mit Wasserfarben auf Leinwand Aufsehen. Ein Blatt, den Mönch Sergius darstellend, welchen Mohammed in seiner Trunkenheit ermordete, das L. in seinem 14. Jahr stach, ist mit vieler Gewandtheit des Stichels ausgeführt. 1509 erschienen von ihm neun Stiche in Form runder Medaillons, mit Szenen aus der Lebensgeschichte Christi; 1510 ein Stich, auf welchem eine nackte Frau einen Hund von Insekten befreit, das zu seinen seltensten Blättern gehört. Nach dem Tod seines Vaters genoß L. noch den Unterricht des Malers Cornelis Engelbrechtsen. 1510 erschien sein Ecce homo, und schnell folgte jetzt ein Kunstwerk dem andern. Seine größte Komposition ist der Kalvarienberg (1517), welcher wegen des Reichtums an Figuren (80) für sein Meisterstück gehalten wird. L. arbeitete mit einer leidenschaftlichen Emsigkeit, doch trübte ein Hang zur Schwermut sein Leben. 1521 traf Dürer mit ihm in Antwerpen zusammen, in dessen Malergilde L. 1522 eingeschrieben wurde. 1527 bereiste er Belgien in Gemeinschaft mit Jan Mabuse und trat mit großem Luxus auf. Jene Reise jedoch zog ihm eine Krankheit zu, die ihn nicht mehr verließ. Seine letzten sechs Lebensjahre brachte er auf dem Krankenbett zu, vermochte jedoch auch in liegender Stellung zu zeichnen oder in Kupfer zu stechen. Auch malte er in dieser Zeit (1531) noch sein letztes Gemälde in Öl: den Heiland, einem Blinden das Gesicht wieder verleihend (Eremitage zu Petersburg). Er starb 1533. Unter L.' Schöpfungen behauptet das Genrebild, das er zuerst mit Bewußtsein behandelte, eine hervorragende Stelle. Auch seine religiösen Bilder sind durchaus von einem genreartigen Wesen durchdrungen. Die Richtungen des damaligen Lebens, besonders des niederländischen Volkslebens, das scharf Verständige und das Phantastische sind in L.' Werken zu einem Ganzen verschmolzen. Die Technik in seinen Gemälden ist fein und sorgfältig. In seinen letzten Bildern, z. B. dem Triptychon mit dem Jüngsten Gericht in der Mitte und Hölle und Fegfeuer auf den Flügeln, im Stadthaus zu Leiden, erkennt man ein Bestreben, sich den Italienern zu nähern. Seine Kupferstiche und Holzschnitte (über 200) zeugen von außerordentlicher Leichtigkeit und doch großer Sorgfalt in Handhabung des Grabstichels; er stand darin unter dem Einfluß Dürers. An feinerm Gefühl und Mannigfaltigkeit der Erfindung steht er hinter diesem zurück, übertrifft ihn aber in malerischer Behandlung und Reichtum der Komposition. Hauptblätter sind außer den genannten: die Auferweckung des Lazarus (1508), die Versuchung des heil. Antonius (1509), die Anbetung der Könige (1513), Esther vor Ahasver (1518), Maria Magdalena (1519), Kaiser Maximilian (1520) und die Genrebilder: der Zahnarzt, der Chirurg und der Eulenspiegel. Von Gemälden sind ihm außer den genannten mit einiger Sicherheit folgende zuzuschreiben: eine Schachpartie (in Wiltonhouse), eine ähnliche Darstellung und der heil. Hieronymus in Bußübung (im Museum zu Berlin), Moses, das Wasser aus dem Felsen schlagend (1527, in der Villa Borghese bei Rom), und die Anbetung der Könige (in Buckingham Palace zu London). Vgl. A. Rosenberg in Dohmes "Kunst und Künstler", Bd. 1; Evrard, L. de Leyde et Alb. Durer (Brüssel 1883).

Lucaya, Insel, s. Abaco.

Lucca, früher souveränes, sodann seit 1847 zum Großherzogtum Toscana gehöriges ital. Herzogtum, bildet gegenwärtig mit Einschluß von acht ehemals zum toscanischen Compartimento von Pistoja gehörigen Gemeinden eine Provinz des Königreichs Italien von 1493 qkm (nach Strelbitsky 1410 qkm oder 25,6 QM.) Areal mit (1881) 284,484 Einw. Im S. ist der Boden fruchtbar, im N. steinig und gebirgig durch die Apenninen, die an der Nordostgrenze bis zu 1862 m (Panie della Croce) sich erheben. Bewässert wird L. vom Serchio mit dem Lima. An der Meeresküste liegt der See von Massaciuccoli, wogegen der im SO. gelegene See Bientina ganz ausgetrocknet worden ist. Das Klima ist im gebirgigen Norden rauh, in der Ebene heiß; in den sumpfigen Landstrichen ist es feucht und ungesund. Die Provinz besitzt mehrere besuchte Mineralquellen. Der Boden wird durchgängig musterhaft angebaut. Hauptprodukte sind neben Cerealien und Hülsenfrüchten: Wein, Oliven (berühmtes Luccheser Öl), Obst, Kastanien, Mandeln, Feigen. Erwerbsquellen sind ferner: die Seidenzucht, die Vieh-, insbesondere Schafzucht, Gewinnung und Verarbeitung von Marmor, Alabaster und Thon sowie die Industrie in Seiden- und Wollwaren. Der Handel ist von geringerer Bedeutung. Trotz der vielseitigen Erwerbsarten sucht ein Teil der Bewohner außerhalb der Provinz, insbesondere auf Corsica bei der Bodenbestellung, Beschäftigung. S. die Geschichtskarten bei "Italien".

Die gleichnamige Hauptstadt der Provinz, bis 1847 Residenz des Herzogs und der Landesregierung, liegt 15 m ü. M., am Serchio und an der Eisenbahn von Pisa nach Pistoja. Die Stadt ist von Wällen umgeben, welche als Promenaden dienen und von vier Thoren durchbrochen sind. Unter den Plätzen zeichnet sich die Piazza grande mit dem Marmordenkmal der Herzogin Marie Luise (von Bartolini) aus, welche 1815-24 Souveränin von L. war und sich durch Anlage des großen, von den pisanischen Bergen hergeführten Aquädukts mit 459 Bogen um die Stadt verdient gemacht hat. An der Westseite des Platzes steht der Palazzo pubblico (1578 von Ammanati erbaut, aber nicht vollendet) mit wertvoller Gemäldesammlung (unter anderm zwei schöne Werke des Fra Bartolommeo). Unter den 40 Kirchen, von denen mehrere bis in das 8. und 7. Jahrh. zurückreichen, ist am sehenswertesten die Kathedrale San Martino (aus dem 11. Jahrh.), die neben reichen Kunstschätzen, Skulpturen etc. (s. Tafel "Bildhauerkunst V", Fig. 9; VI, Fig. 12) 4000 alte Urkunden besitzt und im linken Seitenschiff ein achteckiges Marmortempelchen zur Aufbewahrung des hochverehrten Volto santo (ein in Zedernholz geschnitztes orientalisches Bildnis des Gekreuzigten, das schon Dante erwähnt) enthält. Die älteste Kirche von L. ist die Basilika San Frediano, während die Kirche San Michele sich durch ihre imposante Säulenfassade (12. Jahrh.) auszeichnet. Die Einwohner, (1881) 20,421, mit Einschluß der zum Gemeindegebiet gehörigen umliegenden kleinen Ortschaften 68,063 an der Zahl, betreiben hauptsächlich Seidenindustrie (welche früher viel bedeutender war und im 16. Jahrh. 3000 Webstühle beschäftigte), Fabrikation von Tüchern und Schärpen, Kunsttischlerwaren und Zigarren wie auch lebhaften Handel. Unter den zahlreichen Wohlthätigkeits-^[folgende Seite]