Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lungenresektion; Lungenschlag; Lungenschnecken; Lungenschrumpfung; Lungenschwindsucht

1012

Lungenresektion - Lungenschwindsucht.

Seite aber kann ein Kind in einzelnen Fällen schon vor und während der Geburt geatmet haben. Auch können die Lungen unter gewissen Bedingungen selbst nach vorgängigem Atmen im Wasser untersinken, wenn sie z. B. durch ausgeschwitzte Stoffe ausgefüllt, hepatisiert, sind (wie bei angeborner Syphilis), anderseits, ohne durch Einatmen Luft aufgenommen zu haben, schwimmen und zwar durch eingeblasene Luft und durch Fäulnis, welche in ihrem Gewebe Luft entwickelt. Muß demnach die L. als ein unsicheres Verfahren anerkannt werden, so wird doch ein erfahrener Gerichtsarzt, der vorzeitige Atmung und angeborne Lungenentzündung mit dem Mikroskop, eingetretene Fäulnis aber mit bloßem Auge erkennen kann, die etwanigen Klippen sicher vermeiden.

Lungenresektion, s. Lungenchirurgie.

Lungenschlag, eine plötzliche Todesart, deren Ursache in einem Stillstand der Atmung beruht. Über das Zustandekommen dieses Stillstandes oder, wie früher gesagt wurde, dieser Lungenlähmung ist damit nichts ausgesagt; der anatomische Befund solcher Fälle ergibt eine wässerige Ausschwitzung in die Lungenbläschen (s. Lungenödem).

Lungenschnecken (Pulmonata Cuv.), eine Gruppe der Schnecken (s. d.), unterscheiden sich durch den Besitz einer Lunge von allen übrigen Schnecken, welche teils mit der gesamten Haut, teils mittels Kiemen atmen. Diese Lunge ist bei einem Teil der L. nichts als der zu Atmungszwecken umgewandelte Endabschnitt der Niere, beiden übrigen hingegen eine Kiemenhöhle, deren Kieme geschwunden ist; in beiden Fällen liegt sie in der Decke des Mantels, steht durch das sogen. Atemloch auf der rechten Seite des Rückens mit der Außenluft in Verbindung und enthält ein Netzwerk fein verzweigter Blutgefäße. Die L. des Süßwassers füllen im Jugendzustand die Mantelhöhle noch mit Wasser, später erst mit Luft; einige Arten von Planorbis und Limnaeus bewahren sich die Fähigkeit, in der erstern Weise zu atmen, zeitlebens und ersticken so unter Wasser nicht. Die L. sind meist mit einer Schale versehen, und auch bei den anscheinend nackten (z. B. der Ackerschnecke, s. d.) ist meist noch ein Rudiment derselben unter dem Mantel verborgen. Ein wahrer Deckel, wie ihn viele Meeresschnecken tragen, fehlt gänzlich, dafür aber wird von manchen Arten vor der Periode der Lethargie (bei großer Wärme und Trockenheit oder im Winter) eine kalkige Platte zum vorübergehenden Verschluß des Gehäuses abgesondert. Im innern Bau stehen die L. den Vorderkiemern unter den Meeresschnecken sehr nahe, sind jedoch, gleich den Hinterkiemern (s. Schnecken), Zwitter. Die Geschlechtswerkzeuge bestehen im wesentlichen aus einer Zwitterdrüse, welche Samen und Eier produziert, einer oft mächtigen Eiweißdrüse, einem Samenbehälter für den bei der Begattung aufgenommenen Samen und den äußern Genitalien. Besonders merkwürdig ist der sogen. Liebespfeil, ein in einer besondern Tasche aufbewahrtes, aber hervorstülpbares Kalkstäbchen, das wahrscheinlich bei der Begattung als Reizorgan Verwendung findet. Bei einer Gruppe von L. findet sich außer den gewöhnlichen Augen am Kopf noch eine Anzahl derselben auf dem Rücken vor; sie stehen dort auf kleinen Höckern und sind eigentümlicherweise in ihrem Bau den Augen der Wirbeltiere ähnlicher als denen der Schnecken oder andrer Wirbellosen. Nur wenige L. gebären lebendige Junge, die meisten legen ihre Eier entweder in Schnüren oder einzeln ab. Die Entwickelung verläuft mit einer sehr geringen Metamorphose. Die L. leben teils von pflanzlichen, teils von tierischen Stoffen und fressen sich zuweilen sogar gegenseitig auf. Man kennt über 6000 Arten. Von den im Wasser lebenden sind die bekanntesten die Gattungen Limnaeus (Schlammschnecke, s. d.) und Planorbis (Tellerschnecke); von den Landbewohnern die nackten Arion (Wegeschnecke, s. d.) und Limax (Ackerschnecke, s. d.), die beschalten Helix (Weinbergsschnecke, s. d.) und Achatina (Achatschnecke, s. d.). Unter den fossilen L. (s. Tafel "Tertiärformation I") ist in neuerer Zeit die Art Planorbis multiformis (s. d.) berühmt geworden, da sie ein direktes Zeugnis für die Richtigkeit der Deszendenzlehre darstellt. Vgl. Pfeiffer, Naturgeschichte deutscher Land- und Süßwassermollusken (Weim. 1821-28); Kobelt, Illustriertes Konchylienbuch (Nürnb. 1876-81); Roßmäßler, Ikonographie der Land- und Süßwassermollusken Europas (Leipz. 1835-59).

Lungenschrumpfung, s. v. w. Lungenverhärtung.

Lungenschwindsucht (Phthisis s. Tuberculosis pulmonum), der gemeinschaftliche Name für verschiedene Krankheitsprozesse, bei welchen infolge tief greifender Veränderungen oder Zerstörungen das zum Atmen bestimmte Lungengewebe zu dieser Funktion unfähig wird und wegen der dadurch bedingten mangelhaft ten Blutauffrischung eine allgemeine Konsumtion des Körpers eintritt, welche früher oder später den Tod nach sich zieht. Von allen tödlichen Krankheiten unsers Klimas ist die L. bei weitem die häufigste, nahezu zwei Siebentel aller Menschen fallen ihr zum Opfer. Der Lungenschwund (phthio, griech., "ich schwinde") wird in einer Reihe von Fällen durch langdauernde Entzündung der Bronchien und des interstitiellen Gewebes um dieselben hervorgerufen, wobei reichliche Neubildung von Bindegewebe zur Verhärtung (schieferige Induration) und Verödung der Luftbläschen führt (s. Lungenentzündung). Diese Form der L. kommt bei sonst kräftigen Personen vor und ist eine der Staubeinatmungskrankheiten (s. d.), welchen viele Gewerbe ausgesetzt sind. Diese Prozesse ziehen sich über Jahre hin, verlaufen ohne Fieber, die Kräfte nehmen sehr langsam ab, eine Ansteckung findet nicht statt, der Auswurf ist wie beim chronischen Bronchialkatarrh (s. d.) beschaffen.

Die L. im engern Sinn (tuberkulöse L.) wird bedingt durch die von R. Koch 1882 entdeckten Tuberkelbacillen. Sehr selten werden Kinder mit Tuberkulose behaftet geboren. Weit häufiger wird die Disposition zur L. angeboren oder von den Eltern her vererbt. Diese Disposition (skrofulöse oder tuberkulöse Konstitution) beruht auf einer kümmerlichen. Anlage des Herzens und des Arteriensystems, großer Neigung zu Katarrhen und Lymphdrüsenschwellungen, welche entweder schon bei den Kindern in den ersten Lebensjahren besteht, oder sich von der Zeit der Geschlechtsreife ab bis etwa zum 25.-30. Jahr hin ausbildet. Äußerlich erkennbar ist der "schwindsüchtige Habitus" an dem langen, flachen, wenig gewölbten Brustkorb, langen, dünnen Hals, Magerkeit des Gesichts, oft mit eigentümlich zur allgemeinen Blässe kontrastierender Rötung der Wangen (hektische Röte), dünner, blasser Haut bei häufig lang aufgeschossenem Knochenbau. Auch ohne erbliche Belastung kann dieser Habitus sich im Kindes- und Jünglingsalter bei schnell wachsenden Personen unter dem Einfluß schlechter feuchter Wohnungen, mangelhafter Ernährung, schwerer Kinderkrankheiten und ähnlicher zum frühen Siechtum führender Schädlichkeiten, Exzesse mannigfacher Art etc. herausbilden. Eine nicht geringe Anzahl unter den jugendlichen Kämpfern von 1870 ist aus den Schlachtfeldern glück-^[folgende Seite]